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Wenn die Milch nicht reicht – meine Stillgeschichte

Lange wollte ich dies aufschreiben, eine Zeit konnte ich es nicht, dann sind die ersten Monate des Stillens eine Weile in Vergessenheit geraten. Doch ich möchte gerne meine / unsere Stillgeschichte (die eigentlich keine Geschichte ist, denn sie ist nicht vorbei) teilen. Ich hoffe, ich kann der einen oder anderen Mutter Mut machen. Es lohnt sich nicht aufzugeben! Bitte holt euch früh Hilfe, glaubt an euch und eure Mutterinstinkte.

Es wird ein langer Bericht, ich will mich nicht kurzhalten. Alles muss raus und deshalb geht`s gleich los. Ich werde auf die Tipps, die ich bekam um die Milchmenge zu steigern und so weiter nicht eingehen. Meiner Meinung nach, steht es mir als ungeschulte Person nicht zu diese zu geben. Ich starte mit meiner Erzählung noch vor der Schwangerschaft und anders als die Überschrift vielleicht erahnen lässt, starten wir morgen nicht nur ins A´s 19. Lebens-, nein auch den 19. Still-Monat. Diesen Happy End Spoiler konnte ich mir nicht verkneifen. Das Bild entstand übrigens diese Woche am Strand, wir sind eben weiterhin begeistert beim Stillen. 🙂

meine Stillgeschichte

Gedanken zum Stillen vor der Schwangerschaft

Was macht man sich davor schon groß Gedanken? Ich wusste von meiner eigenen Mutter, dass es bei ihr leider nicht so geklappt hat wie gewollt und ich von Beginn meines Lebens die Flasche bekam. Für mich war dies nie ein Problem  und ich habe in meinem Leben keine Nachteile gehabt. Ich bin ziemlich gesund und habe keine Allergien.

Lange empfand ich es als voll feministisch und cool von vornherein die Flasche zu geben, die Frau bleibt unabhängiger und der Vater kann nachts aufstehen und helfen.

Ich dachte, dass es mit dem Stillen eh nicht klappen wird, aufgrund der Erfahrungen meiner Mutter und dass ich nicht den größten Busen habe. Mein Frauenarzt in Deutschland meinte mal, dass die Größe der Brüste damit nichts zu tun hat. Das ließ mich aufatmen.

Schwangerschaft – das Stillen wird präsenter

Ich wurde schwanger und beschäftigte mich mehr mit dem Thema und dem Leben mit einem Neugeborenen. Ich kam zu dem Schluss, dass es wohl doch cool sei zu stillen und man den Vater anders einbinden kann. Freundinnen, die kurz vor mir Babys bekamen haben einiges erzählt. Im Endeffekt hat es bei allen gut geklappt, dass es nie ein großes Thema war, wie es bei Problemen laufen könnte.

Ich war schon sehr aufgeregt ob und wie es bei mir klappen würde, wollte mich aber nicht stressen. „Wenn es klappt, dann klappt es, sonst eben nicht.“ Das sagen viele werdende Mütter und wenn es nicht klappt, sind sie trauriger, als angenommen. Dies traf auf mich genauso zu, dazu später mehr.

Ich las einiges über das Stillen, wollte mich nicht in Informationen ertränken. Den Tenor den ich durch meine Lektüren raushörte „es klappt schon, wenn man nur will“ beruhigte mich. Ich wollte ja. Ich sprach mit einer Hebamme darüber und meine Befürchtungen und sie gab mir Tipps. Vieles der Ratschläge las ich selber. Frühes Anlegen nach der Geburt, viel Hautkontakt, keine Zusatzmilch. Ich war also ganz gut vorbereitet. Und dachte, es wird schon klappen, man muss halt wollen.

Nach der Geburt

Die Geburt wurde zum Glück eine spontane und ich bin dem Kaiserschnitt, dank A´s perfektem Timing „entkommen“. Nach der Geburt kam er sofort zum Kinderarzt, danach direkt zu mir auf die Brust und begann schnell diese zu suchen. Dies lief ohne Probleme und er nuckelte munter drauf los, als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Ich war sehr geschafft von der Geburt und es gab keine Möglichkeit für ein Familienzimmer, weshalb J. nach Hause musste. Die erste Nacht war A. bei der Nachtschwester, was mir zwar immer noch leid tut, in dem Moment als das Beste erschien, so konnte ich mich morgens mit volle(ere)n Kräften um ihn kümmern. Jedenfalls waren wir einige Stunden getrennt und ich war so müde, dass ich auf die Frage, ob ihm die Flasche gegeben werden darf nur mit „Ja.“ antwortete. Ich hatte mir zwar fest vorgenommen, „kein Zufüttern im Krankenhaus“, in dem Moment, dachte ich mir, die wissen schon was sie machen.

Drei Tage waren wir im Krankenhaus und A. war nonstop an der Brust. Nur wenn ich zum Klo musste oder wir zu einer Untersuchung sind, war er das logischerweise nicht. In beiden Nächten, in denen wir ein Familienzimmer hatten, lief die Nacht gleich. A. trank ewig und auf einmal startete er nachts zu weinen. Wir wussten irgendwann nicht mehr was los ist und riefen die Nachtschwester. Sie wird wissen, was sie sagt und wir folgten ihr dem Rat ein bisschen Milch zuzufüttern: „Er hat bestimmt Hunger.“

Es ging zur Abschlusskontrolle, A. hatte neun Prozent des Geburtsgewichtes verloren und wir konnten uns entscheiden ob wir nach Hause gehen oder noch bleiben wollten. Wenn wir nach Hause gehen sollten wir zufüttern und am nächsten Tag zur Gewichtskontrolle wieder kommen. Alle sagen ja und das wurde uns von der Hebamme im Krankenhaus bestätigt, zu Hause ist es einfacher, dann kommt sicher der Milcheinschuss. Also sind wir nach Hause und ich freute mich auf unsere eigenen vier Wände.

Ich wusste zehn Prozent kann ein Säugling abnehmen, doch was macht man als Neueltern mit den (vermeintlichen) „Wissenden“ um einen herum? Man glaubt ihnen, sie werden wohl wissen was sie sagen. Alle zwei Stunden 20 ml sollten wir dazu geben.

Wie es zu Hause weiterging

Wir kamen zu Hause an und A. war weiterhin ununterbrochen an der Brust. Wir gaben ihm gut fünf Fläschchen pro Tag dazu. Ich kontaktierte gleich die mir bekannte Hebamme, die auch Stillberaterin ist. Sie kam vorbei als A. eine Woche alt war. Bis dahin hatte ich keinen merklichen Milcheinschuss. (Um ehrlich zu sein, ich warte noch immer darauf, haha!) Sie bestätigte, was alle im Krankenhaus schon sagten, A. ist ein Naturtalent und es liegt nicht am Anlegen oder seiner Saugtechnik, dass er zum Beispiel nicht genug oder nicht richtig Milch „bestellen“ kann.

Sie empfahl warme Brustwickel, machte Akupunktur, gab uns ein Still- und Pipiprotokoll. Wir wogen ihn, er hatte zugenommen. Es kam einen Tag später die Gesundheitspflegerin vom Kindergesundheitszentrum. Sie wog A., er hatte zum Vortag als die Hebamme da war wieder zugenommen, nicht besonders viel, aber immerhin. A. erschien zufrieden und gesund, Pinkelwindeln hatte er genug. Wir verständigten uns darauf erstmal mit dem Zufüttern weiter zu machen, bis sich meine Milchmenge merklich erhöht hatte und nach einer Woche zur erneuten Gewichtskontrolle zu kommen.

Die ersten knapp sechs Monate im (nicht chronologischen) Schnelldurchlauf

  • Anrufe bei der finnischen Stillorganisation (die finnischer Version der AFS-Stillen).
  • Tipps zur Erhöhung der Milchmenge gegoogelt, täglich mehrmals, in jeder freien Minute.
  • Abgepumpt vor dem Stillen, nach dem Stillen, beim Stillen an der freien Brust, mit mäßigem Erfolg.
  • Stilltee getrunken, Globuli genommen.
  • Viel geweint, viel gegrübelt wo der Fehler liegt, dass ich nicht genug Milch produziere.
  • Besuch bei einer Osteopathin.
  • Akupunktur bei der Hebamme, erneute Vermutung es liegt an meiner Schilddrüse, keine Unterstützung von der konsultierten Ärztin.
  • Regelmäßige Besuche einer Stillgruppe mit geschulten „Stillmamas“ und viele gute Tipps und Zuspruch bekommen.
  • Wöchentliche Wiegetermine, Gesundheitspflegerin auf „meiner Seite“, Kinderärztin Marke „Gib halt nur die Flasche“.
  • A. nahm immer zu, zwar das Minimum aber es war ok.
  • A. bekommt drei Flaschen am Tag, die Menge der Babynahrung bleibt recht gering.
  • A. wohnt an der Brust, wir stillten die ersten 3 Monate (gefühlt) pausenlos, was mich nie störte.
  • Täglich guckte ich in der Facebook Gruppe der finnischen Stillorganisation, immer wieder gelesen „wer will, der kann stillen“, immer wieder gedacht: WAS HÄTTE ICH ANDERS MACHEN SOLLEN?
  • Ich las immer wieder, das Zufüttern der Beginn vom Abstillen sei und geriet in Panik.
  • Wir versuchten es ohne die Säuglingsnahrung, noch mehr anlegen was theoretisch fast unmöglich war. A. nahm kaum zu, also wieder zugefüttert.
  • Ich will ja vollstillen, warum geht es dann nicht, wenn es die Expertinnen doch sagen?
  • Stress? Habe ich zu viel Stress? Wie soll man sich bei dem ganzen Schei* entspannen??
  • Warum ist man für viele Mutter zweiter Klasse, wenn man die Flasche gibt?

Ich habe meinen Frieden gefunden

Es hat gut sechs Monate gedauert, kurz bevor wir mit der Beikost um fünfeinhalb Monate anfingen. Ich hatte das Gefühl die Akupunktur half. Ich bekam gute Unterstützung der Stillmamas, dass man mit den richtigen Kniffen eben nicht Abstillen muss und Stillen und Zufüttern sich nicht ausschließt.

Für einige Monate habe ich das Brusternährungsset genutzt und A. die Pre- Milch damit gegeben. Dadurch bekam ich das Gefühl, dass endlich mehr Milch da war.

Ich habe die Facebook Gruppe der Stillorganisation verlassen, dort geben leider viel zu oft ungefragt Mütter Tipps die keine Ahnung haben. Tipps sollen eigentlich nur von den extra geschulten Stillmamas kommen. Die Organisation ist auf jeden Fall goldwert, besonders, weil sie viele gute Tipps zum Teilstillen hat und Frauen, mit negativen, enttäuschten Stillerfahrungen Raum gibt. Gerade zum Teilstillen habe ich in deutscher Sprache nicht wirklich Informationen finden können.

Und ich habe eine wunderbare Gruppe von Gleichgesinnten bei Facebook gefunden, eine Gruppe von Mamas die Stillen und die Flasche geben. Teilstillen, wie man das am besten beschreiben könnte. (So würde ich es aus dem Finnischen übersetzen.) Ich habe gesucht und kein deutschsprachiges Äquivalent gefunden, schade. Allein bei Daily Pia fand ich letztens zufällig einen Erfahrungsbericht, in dem sie es „ergänzendes Stillen” nannte.

Das Gefühl, dass ich nicht alleine bin tat mir gut. Zu wissen, dass es anderen genauso geht. Mütter, die sich fragen, warum habe ich nicht genug Milch? Warum kann ich mein Kind nicht komplett selber ernähren, wenn es das Natürlichste ist. Und ja, an diesem Ort können wir mal Luft raus lassen und wissen, die anderen fühlen genauso. Dort habe ich meine Geschichte vor über einem Jahr das erste Mal aufgeschrieben. Es tat gut und die Kommentare, sie haben mich vor Freude zu Tränen gerührt. Auch, wenn ich es ohne Zweifel wusste, es war schön es von anderen Frauen zu lesen: „Du bist die beste Mutter für dein Kind!“ „Du machst alles richtig.“

Unsere Stillgeschichte – Gegenwart und Zukunft

Ich bin sehr dankbar, wie unterstützend J. war und ist. „A. wächst und alles ist gut, ob nun mit ein paar Flaschen dazu oder nicht.“ Und der größte Motor war wohl A., wäre er nicht von Anfang an so ein begeistert vom Stillen gewesen, ich hätte all das nicht geschafft. So wusste ich, wofür sich die Bemühungen gelohnt haben.

Es war ein harter Weg, der im Nachhinein schon ziemlich vergessen ist. Wir stillen morgen seit 19 Monaten und ich lache mir oft stolz ins Fäustchen, wenn ich an all die „Stillnazis“ (was wohl im finnischen Sprachgebrauch ein akzeptierter Begriff ist) denken, die nach 6 Monaten „Ziel das Baby vollzustillen“ aufgehört haben, weil jetzt haben sie ja alles erreicht. (Ich könnte hier einen kleinen #Rant schreiben, mache ich aber nicht.)

Ende Mai diesen Jahres waren wir bei der Gesundheitspflegerin, leider hat die alte, liebgewonnene die Stelle gewechselt. Mittlerweile bekommt A. keine Fläschchen mehr. Er wächst gut und ist halt einer von der schlankeren Sorte. (Wie die Mutter, haha.) Sie fragte mich jedenfalls, wie oft wir stillen. „Öhm, so zwischen vier und 20 Mal an Tag und Nacht.“ Sie antwortete darauf: „Wenn es für dich kein Problem ist.“ Nein ist es nicht, ich sehe, dass A. es braucht und genießt. Es gibt uns kleine Pausen am Tag, was sollte mich daran stören?

Also, egal was andere sagen, es lohnt sich den eigenen richtigen Weg zu finden, denn es gibt nur den. Ob mit Brust und Flasche oder nur mit Flasche. Es gibt immer nur euren Weg, den müsst ihr gemeinsam mit eurem Kind gehen und finden. Ich hoffe, ihr bekommt genauso gute und liebevolle Unterstützung, wie ich sie bekommen habe.

Es ist definitiv wichtig über das Stillen viel und offen zu sprechen, Tipps für Anlaufstellen zu teilen. Susanne sammelt auf ihrem Blog “Geborgen Wachsen” Geschichte rund ums Stillen. Meine/unsere ist auch dabei.

 

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3 Comments

  1. Liebe Lara, deine Zeilen haben mir die Tränen in die Augen getrieben, denn fast genauso verlief die Stillgeschichte zwischen meiner kleinen Prinzessin und mir. Sie ist Ende Juli 6 Monate jung geworden und immer noch fällt es mir schwer zu akzeptieren, dass ich mein Kind nicht wie andere Mütter voll stillen konnte. Nein, es kann nicht jeder stillen der möchte!!! Ich wollte es verdammt nochmal und habe wie du nichts unversucht gelassen, damit es doch bitte funktionieren möge. Die kleine Maus wurde natürlich Tag für Tag schlauer und wusste, beim Trinken aus Fläschchen muss sie sich nicht anstrengen, also verweigerte sie das “Trinken” aus der Brust irgendwann ganz – und irgendwann war leider, leider bereits mit 2 einhalb Monaten.
    Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft ich mich rechtfertigen musste und beäugt wurde, weil ich nicht stillte. Bis heute habe ich das nicht wirklich verarbeiten können und der Gedanke, keine gute Mutter zu sein weil ich es nicht “schaffte” zu stillen, hält sich manchmal leider immer noch hartnäckig.
    Seit sie 4 Monate alt ist, bekommt sie Brei. Ich möchte ihr wenigstens damit auf natürliche Weise etwas Gutes tun (wir kochen selbst) und bin stolz, wie toll sie sich entwickelt – sie ist gesund und das mit oder ohne Stillen!!
    Viele liebe Grüße,
    Lisa

    1. Liebe Lisa,
      danke für deinen Kommentar. Du bist die beste Mutter für dein Kind. Du hast alles versucht und nicht aufgegeben, denn dir ist dein Baby wichtig. Das zählt und nicht, welche Nahrung es bekommt.

      Wie ich im Text schrieb, am Ende half mir dumme Kommentare nicht zu lesen und mich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Es freut mich, dass dir mein Text half, dich nicht alleine zu fühlen.

      Liebe Grüße und alles Gute für euch,
      Lara

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