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Leben im Ausland – was ich aus Deutschland vermisse.

Wie lebt es sich im Ausland, fehlt da manchmal was? Ich erzähle dir von Dingen, die ich aus Deutschland vermisse. Berdien und Miriam, die wie ich im Ausland leben ergänzen woran es ihnen fernab der Heimat mangelt. Schau dir an was wir zusammen getragen haben. Was meinst du könnten diese Dinge sein?

Unglaublich, heute auf den Tag genau, bin ich zehn Jahre in Finnland. Eigentlich wollte ich nur ein Jahr als Au-pair bleiben, doch das Leben läuft eben nicht immer nach Plan… Ich bin froh hier in Finnland und es gibt alles was mein Herz begehrt. Naja, fast alles, oft sehne ich mich nach altbekannten Dingen. Sachen, die für Menschen in Deutschland lebend als selbstverständlich gelten.

Lebst du im Ausland oder hast es für eine Zeit getan? Gab es etwas, das dir aus deinem Heimatland (das ja nicht Deutschland sein muss) fehlte?

Finnland, kein Land der tausend Brotsorten

Oft merkt man was man an gewissen Sachen hatte, wenn sie nicht mehr selbstverständlich sind. So geht es mir mit zwei Geschäften, der Bäckerei und dem Drogeriemarkt. Natürlich gibt es Brot, Brötchen und Gebäck in Finnland. Doch wie ich öfters zu J. sage: „Es fehlt mir die Brotkultur.” Im Supermarkt abgepacktes Brot oder Brötchen ist mal nett, doch es fehlt die Auswahl, die eine Bäckerei bietet. Gerade am Wochenende wäre ein Gang zum Bäcker um die Ecke toll.

Ganz besonders vermisse ich meine heiß geliebten Rumkugeln.

Im Frühsommer vermisse ich den Spargel-Hype, mittlerweile wird zwar vereinzelt weißer Spargel verkauft. Dieser ist teuer und J. mag ihn nicht, da macht das Essen alleine keinen Spaß. Andere Saisonprodukte wie Weihnachts- oder Ostersüßigkeiten fehlen mir. Auf der anderen Seiten verlieren sie so nie das Besondere.

Manchmal wünschte ich mir mich durchs deutsche Fernsehprogramm zappen zu können. Nach dem Motto, TV an und Kopf aus. Im Sommer habe ich dies einige Male gemacht und muss sagen, vielleicht verpasse ich doch nichts… Und „trash TV” kennt natürlich keine Grenzen und die Alternativen im finnischen Fernsehen sind nicht minder gut oder sollte ich schlecht sagen? 😉

Neben all den materiellen Dingen, fehlt mir natürlich meine Familie und Freunde. Den Finnen wird ja nach gesagt, sie sind still und schüchtern. Mir persönlich fällt dies wenig auf, weshalb ich sagen würde, dass mir zwischenmenschlich nichts fehlt. In meinem Koffer aus dem Heimaturlaub darf hingegen eine bestimmte Zahnseide, eine Rumkugel, Katjes Pandabären und vieles zu dem ich mich verleiten lassen, weil „gibt es halt nicht in Finnland”.

Mit Kirschen im Koffer gen Mexiko

Im Frühjahr 2016 verschlug es Berdien und ihre Familie von Berlin ins sonnige Mexiko. So ein aufregendes Land sollte alles zubieten haben oder? Doch es gibt einiges das Berdien aus Deutschland vermisst und gar über den Atlantik importiert…

Ganz besonders vermisse ich Bioläden. Es gibt sie hier, leider nicht in der Anzahl und Größe wie in Deutschland. Ganz klar, Bäcker und Brezeln fehlen mir. Sowie Besuche im Drogeriemarkt, Erdbeeren, einige Modegeschäfte und Ikea. Und etwas so alltägliches wie Schokolade. Klar, es gibt sie hier, doch sie ist nicht so lecker. Dazu kosten die Schokoladen, die ich mag gerne das dreifache.

Neben materiellen Dingen fehlen, meine Freunde und Familie. Besonders vermisse ich, nicht mal schnell vorbei kommen zu können. Die Lebensweise in Mexiko ist anders, ich vermisse, Pünktlichkeit und Geordnetheit, Zuverlässigkeit, geordneten Verkehr und Umweltbewusstsein der Menschen.

Doch ich mache mir das Leben heimischer und bringe folgende Sachen aus Deutschland mit: Kirschen im Glas, Schokolade, Gummibärchen, Bio-Kosmetika, Zahnpasta, bestimmte Medikamente und Birkenstocks.

Mehr von Berdien gibt es auf ihrem Blog „Bejewly” zu lesen.

Deutschland, das Land der Bäcker und Brötchen

Deutsche Schuhe in Frankreich

Miriam lebt seit dreieinhalb Jahren in Südfrankreich. Mittlerweile vermisst sie Deutschland deutlich weniger und will erstmal nicht zurück. Auch, wenn sie für vieles Alternativen gefunden hat, einiges fehlt doch…

Ich vermisse an Deutschland typisches Essen wie Braten und Knödel. Oder Salat im Restaurant mit Dressing serviert zu bekommen. (Hier muss man sich das selbst anmischen.) Drogeriemärkte gibt es leider nicht in Frankreich. Dafür haben wir Sephora für Kosmetik, den Rest kauft man im Supermakt. Und Aldi wäre toll, denn zumindest in meiner Region gibt es keinen.

Oh – und deutsche Bäcker vermisse ich! Dort gibt es gutes Schwarzbrot, viele Vollkornbrotsorten und allerlei Leckereien. In Frankreich gibt es viel Baguette und Weißbrot, aber köstliche Pâtisserien.

An immateriellen Dingen vermisse ich vor allem meine Freunde. Leider wird der Freundeskreis mit einer Auswanderung kleiner. Es bleibt ein „harter Kern”, der mir wichtig ist. Ich wohne an einer felsigen Küste, es gibt hier in der Nähe wenig grüne Natur, da mangelt es mir an Wäldern oder großer Grünflächen.

Geht es mit dem Auto wieder nach Frankreich haben wir ein Platzproblem. Viele Tüten mit Drogerieprodukten müssen reinpassen. Jedes Mal dabei: Ziegenmilchpulver. Meine Tochter will nur diese Milch trinken, die französischen Pulvermilch Produkte schmecken ihr nicht. 

In Deutschland gehe ich jedes Mal in eine Apotheke und Schuhladen und statte mich aus, mit Medikamenten und Schuhen, die ich in Frankreich nicht bekomme. Für meine Schuhe bekomme ich regelmäßig Komplimente und antworte stolz: „Das ist eine deutsche Marke.”

Auf ihrem Blog „How I met my momlife” erzählt Miriam mehr von ihrem (Familien-)leben in Frankreich.

Alles Bäcker oder was?

Schau ich mir die Aufzählungen von uns drei an, finde ich besonders interessant, dass wir alle Bäckerei und Drogeriemarkt genannt haben. Dies ist natürlich kein representatives Ergebnis, aber die Deutschen stehen einfach auf ihr Brot. 😉 Nicht ohne Grund gibt es weltweit deutsche Bäckereien.

Das Leben im Ausland ist toll, mittlerweile ist Finnland etwas wie eine zweite Heimat geworden. Ich finde man kann und sollte nichts gegeneinander aufwiegen. In Finnland gibt es Dinge, die ich in Deutschland vermissen würde. Und gerade dadurch, dass ich seltener in meiner „alten” Heimat bin, schätze ich gewisse Dinge einfach besonders. 🙂

 

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6 Comments

  1. Moin und nihao, Lara!

    Danke für diesen Beitrag! Ist ja schon bemerkenswert, egal ob Nord- oder Südeuropa oder Asien: es werden ähnliche Dinge vermisst!

    Ja, das Brot vom Bäcker… Hier in Peking gibt es zwar eine Handvoll “deutscher” Bäcker, aber wirklich überzeugend sind die nicht. Schuhe bringe ich auch immer aus Deutschland mit – Quadratlatschen in Größe 40 gibt es hier für Frauen nicht… Das Materielle lässt sich alles organisieren oder kompensieren, z.B. die chinesische Küche hat wirklich vieles zu bieten. Aber Freundschaften ändern sich doch über Zeit und Raum, da geht nichts mehr spontan…

    Bio? Kann man vergessen, hier kann sich jeder hinsetzen und ein Ökosiegel malen, es gibt noch keine einzuhaltenden Richtlinien… Ich hab mir hier angewöhnt, möglichst nicht mehr über die Lebensmittelqualität nachzudenken…

    Und was mir auch aufgefallen ist: als Hamburgerin sieht man sich ja gerne als Weltbürgerin – und dann geht einem im fernen China auf, wie deutsch man in Wahrheit ist: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit…

    Noch ist es hier hochsommerlich, aber im Winter wird mir sicher wieder norddeutscher Grünkohl fehlen!

    LG Linni

    1. Das klingt ja spannend! Deutsche Bäcker sind wohl eine gute Idee, aber die Umsetzung ist nicht so einfach… 😉
      Liebe Grüße nach China, den Grünkohl vermisse ich zum Beispiel gar nicht. 😉

  2. Hallo Lara. Ich lebe selber seit 3 Jahren in Kanada und habe mich in vielem hier wiedererkannt. Wenn ich mal in Deutschland bin pack ich mir die Koffer voll mit Nougat , katjes , Mohnfülle und Pflaumenmus. Ein Gang zum DM ist auch noch immer ein Muss. LIEBSTE Grüße an all die anderen Expats da draußen. The struggle is real sometimes. 🤣🤣🤣🤣

    1. Oh ja, struggle ist ein gutes Wort. Es geht ja auch ohne, aber es ist halt schön ein paar Sachen aus der Heimat bei sich zu haben.

Ich freue mich über einen Kommentar von dir.