Mama, die Arbeit ruft – meine ersten Gedanken über Vereinbarkeit

Zwei Monate arbeite ich wieder, cooler gesagt, gehöre ich nun zu den „Working Mums”. Es war eine spannende, ermüdende, stressige, lehrreiche und doch schöne Zeit. Verschiedene Gedanken und Gefühle haben diesen Wechsel begleitet, darüber und erste Erfahrungen, wie es denn so läuft mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf erzähle ich hier. Und ich erkläre, warum ich den Begriff Working Mum eigentlich eher uncool finde.

Lara im Kindergarten

Natürlich werde ich nicht detailiert auf meine Arbeitsstelle eingehen können. Kurz gefasst, ich arbeite als Kindergartenlehrerin (die gibt es in Finnland neben den ErzieherInnen) in einem Kindergarten in einer U3 Gruppe.

Mama, die Arbeit ruft - meine ersten Gedanken über Vereinbarkeit
Bild von Pixabay

Los geht´s gen Vereinbarkeit!

Mein Start zurück in die Arbeitswelt bedeutete, das Ende meiner Elternzeit. Keine Überraschung, ich war vorm ersten Arbeitstag nervös. Zum Glück konnte ich Anfang des Sommers meine Kolleginnen kurz kennenlernen. So wusste ich ein wenig was und wer mich erwarten würde. Die ersten Wochen warteten laufend neue Infos, Namen und Gesichter, die ich kennenlernen und mir merken musste. Das war oft anstrengend und es dauerte eine Weile, bis ich mich zurecht fand.

Abends bin ich unbeschreiblich müde. Ich glaubte oder viel mehr hoffte zu Beginn, dass sei eine Anfangssache und ich gewöhne mich an die langen Tage. Mittlerweile ahne ich, dass es einfach eine normale Begleiterscheinung ist von Arbeit und Familie. Es steht nun der lange und dunkle finnische Winter vor der Tür, das ermüdet zusätzlich. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass ich mich gewöhne und irgendwann abends weniger müde bin.

Was mir hilft um nicht schon auf der Arbeit einzuschlafen? Die naheliegendste Lösung, früh ins Bett gehen. Eine Lösung, die nicht immer meine liebste ist. Nach einem langen Arbeitstag, Nachmittag und Abend mit Kind hätte ich gerne Zeit für mich und J. Hinzu kommt, dass A. weiterhin Phasen hat, in denen er abends schlecht schläft und die Abende manchmal unruhig sind. All das kommt wahrscheinlich vielen Eltern bekannt vor, ob berufstätig oder nicht.

Öfters wünsche ich mir den Nachmittag auf dem Sofa verbringen zu können. Mit Kind ist das leider nicht so einfach… Meine Arbeitstage sind meist anstrengend und stressig. Hinzu kommt, dass ich pausenlos von Viren umgeben bin und schon zwei Mal erkältet zu Hause blieb. Also müde wäre ich nach der Arbeit, hätte ich kein Kind trotzdem. Doch könnte ich mich dann wohl mehr entspannen… Es erscheint mir oft, dass ich keine Zeit für nichts habe. (Siehe die Stille im Blog.)

Deshalb schaue ich, dass ich mir genug Auszeiten nehme. Den Tipp einer Freundin vor dem Abholen von A. einige Minuten nach Hause zu gehen, nehme ich, wenn möglich wahr. Zehn Minuten auf dem Sofa liegen, können Wunder bewirken. Oder ich gehe zur Kosmetik und entspanne. Was sind deine Tipps zum Entspannen zwischen Arbeit und Familie?

Arbeit ist ja nicht alles

Natürlich ist sie das nie und ich bin froh über schöne Nachmittage und Zeit für die Familie am Wochenende. Denke ich daran, dass ich plötzlich weniger Zeit mit A. verbringen kann, macht es mich traurig. Auf der anderen Seite empfinde ich gerade diese Momente intensiver. Ich genieße es mehr, da sie besonderer geworden sind. Es ist schön wenn wir morgens noch Zeit haben ein Buch anzuschauen und wir ohne Stress zum Kindergarten gehen können. (Der Trick ist den Wecker zehn Minuten früher zu stellen…) Jedoch merke ich, dass ich nachmittags nicht mehr so viel Energie für große Aktionen und Kindbespaßung habe. 🙁 Zum Glück sind wir zu zweit und können uns damit abwechseln und entlasten.

Eins habe ich schnell gemerkt, es braucht für uns Eltern, beide in Vollzeit viel Organisation. Der Vereinbarkeit zu liebe, wird viel vereinbart. Für jede Woche machen wir einen Plan, wer A. wann in den Kindergarten bringt und abholt. Regelmäßig wird A. von seiner Oma abgeholt, eine große Hilfe für uns.

Das Beste? A. gefällt es in seinem Kindergarten. Dies erleichterte mir meinen Start, ich wusste, er fühlt sich wohl. Zudem haben J. und ich von Anfang an einen positiven Eindruck von seinem Kindergarten gehabt.

Was ich sehr anstrengend finde neben der Arbeit, der Organisation mit dem Kindergarten, ist es den Haushalt nicht ganz außer Augen zu lassen. Wir reden seit Wochen davon, einen Plan für Putzen und Co. aufzustellen. Doch mehr als dies passierte bisher nicht. Ich persönlich habe es gerne ordentlich und lasse Dinge ungern stehen. Große Putzorginien müssen es nicht sein. Oft kommen wir zum Beispiel mit der Wäsche nicht hinter her. Glücklicherweise haben wir eine Waschküche mit Trockner im Haus, so können wir am Wochenende die Kleiderschränke wieder auffüllen.

Working Mum

Arbeitende Mutter oder eingangs erwähnt, „Working Mum” klingt in meinen Ohren komisch. Allein das Ungleichgewicht, dem Working Dad begegnete ich noch nie, du vielleicht? Ist Working Mum nun meiner neuer Titel? Passt diese Beschreibung zu mir? Zumindest habe ich anfangs bei Instagram den #workingmum genutzt.

Je mehr ich darüber nachdachte und mir die Wörter genauer anschaute, empfand ich den Begriff einschränkend. Muss alles immer eine Kategorie haben? Klar, manchmal ist es praktisch, Dingen einen Namen zu geben. In diesem Fall schwingt für mich mit, es scheint besonders, dass eine Mutter arbeitet.

Für mich kann ich sagen, ich habe schon vor meinem Kind gearbeitet. Ich habe studiert und mir dies gewünscht und überlegt in welche Richtung meine berufliche Laufbahn gehen könnte. All dies war unabhängig davon, ob ich mal Mutter sein würde.

Die Arbeit ist etwas für mich, ich mache da mein Ding, was ich genauso tun würde, hätte ich kein Kind. Neben dem erwähnten Stress, gab es viele schöne, bereichernde Momente. Nach über zwei Jahren mit A. daheim, genoß ich die Abwechslung.

Was sind deine Erfahrungen mit der Vereinbarkeit von Kind und Beruf und dem Einstieg. Wie stehst du zum Begriff Working Mum?

Erstes Fazit nach zwei Monaten

Ich würde sagen, es klappt Familie und Job zu vereinbaren. Es ist möglich mit einer vollen Stellen, obwohl ich es ja anders gewünscht hatte. Wir schaffen es, obwohl ich mich frage, wie eigentlich? Eins habe ich gemerkt, das Konzept Vereinbarkeit muss halt funktionieren. Ich muss zur Arbeit gehen und das Kind in den Kindergarten bringen, obwohl mir manchmal nicht danach ist. Und den Einkauf müssen wir organisieren, damit wir essen daheim haben, egal ob wir abends lieber nicht mehr zum Supermarkt wollen. Irgendwie ist es ein ambivalenter Zustand, konstant im Wechsel. Es gibt Tage, da läuft alles am Schnürchen, ich springe morgens muter aus dem Bett. An anderen Tage sehen ich mir mittags schon herbei, eine halbe Stunde alleine auf dem Sofa zu sitzen.

Glücklicherweise gibt es Tricks, dass alles (für uns) besser funktioniert. Den Großeinkauf vom Supermarkt bringen lassen zum Beispiel und um eine Putzhilfe wollen wir uns kümmern. So versuchen wir immer mehr in unserem neuen Alltag anzukommen. Ich bin gespannt wie es weiter geht…

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