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Die Geburt unseres Sohnes – ein Geburtsbericht aus Vatersicht

Über zwei Jahre ist die Geburt von A. her, trotzdem ist sie immer wieder in unseren Gesprächen und Erinnerungen präsent. Gerade in den letzten Wochen vor seinem zweiten Geburtstag haben J. und ich die Ereignisse vom Silvestertag 2014 Revue passieren lassen.  Ich fragte ihn, ob er Lust hat einen Geburtsbericht aus seiner Sicht zu verfassen. Auch, wenn ich seinen Deutschkenntnissen viel zutraue, beschlossen wir, dass ich seine Version (im Original auf Englisch) übersetze und von ihm noch einmal absegnen lasse.

In unseren Gesprächen über die Geburt ist mir deutlich geworden, wie wichtig dieser Austausch auch für den Vater ist. So sagte J. z.Bsp., dass er das Gefühl hatte richtig viel konnte er mir nicht helfen während der Geburt. Dabei war er mir den ganzen Tag über eine wahre Stütze, physisch, wie psychisch. Er wich den Tag nicht von meiner Seite und diese Präsenz gab mir viel Kraft und vor allem Ruhe und Sicherheit.

Nun habe ich genug erzählt, los geht es mit dem Geburtsbericht von J.und die ersten Momente mit seinem Sohn. J. sagte mal, dass dieser Tag magisch war und da hat er recht. Ich freue mich, dass er einwilligte und ein bisschen über seine Erfahrungen schrieb.


Der Tag an dem unser Sohn geboren wurde – ein Geburtsbericht aus Vatersicht

Geburtsbericht aus Vatersicht

Meine Vorstellungen von der Geburt 

Ich glaube, dass meine Idee, wie die Geburt aussehen würde am meisten von Filmen, Büchern und TV Serien geprägt war. Im Endeffekt habe ich nur an einer Geburt teilgenommen, das war meine eigene und an die kann ich mich wenig erinnern. Ich wusste jedoch, dass alles gut gehen wird, ich hatte volles Vertrauen in mich, Lara und das finnische Gesundheitssystem. Natürlich gab es die unbekannte Variable: Was passiert, wenn etwas anders als geplant verläuft?

In meinem Kopf gab es diese lustige Vorstellung, dass ich vor dem Kreißsaal zusammen mit anderen werdenden Vätern nervös auf und ab laufe. Wir würden das Schreien der Frauen hören (so kenne ich es aus den Krankenhausserien) und einer der Männer zieht einen Flachmann mit Whiskey aus der Tasche. Wir würden alle einen Schluck trinken und uns zurufen: “Jetzt werden wir Väter!” Nein, im Ernst, ich wusste schon, dass ich im Kreißsaal dabei bin und Lara irgendwie helfen würde. Die Wahrheit ist, ich hatte keinerlei Idee was mich erwartete.

Die Realität

In echt sah so aus, mittlerweile wurde zu unserem persönlichen Insider, dass ich in der Nacht vor der Geburt nur 20 Minuten geschlafen habe. Ich befand mich gefühlt den ganzen Tag in einem Koma. Wir hatten einen Kaiserschnitt für den Morgen terminiert, weshalb wir den Abend davor, unseren “letzten” Abend ganz allein zu zweit bewusst verbringen konnten. Wir aßen leckeres Essen und genossen den Abend. Ich erinnere mich, dass wir gegen Mitternacht ins Bett gingen. Es fiel mir schwer einzuschlafen, was wohl keine Überraschung war, immerhin wusste ich, dass es weniger als zwölf Stunden bis zum Kaiserschnitt waren. Es stand das wichtigste Treffen in meinem Leben bevor! Doch unser Sohn hatte andere Pläne…

Nach dem ich besagte 20 Minuten geschlafen hatte, platzte unerwarteterweise die Fruchtblase und wir sind ins Krankenhaus gedüst. Angekommen müssen wird dort gegen 2 Uhr 00 oder 3 Uhr 00 sein. Von diesem Zeitpunkt sind meine Erinnerungen eher unklar und ich kann nur verschiedene Segmente des Tages zurückrufen. Wir waren also im Taxi und ich fühlte mich wie ein Gewinner und dachte: “Yeah, jetzt geht es los!”

Wir kamen also ins Krankenhaus und meldeten uns an, gingen in einen Raum, es wurden einige Tests gemacht. Plötzlich war die Sonne aufgegangen und der nächste Morgen. Ich versuchte in einem Schaukelstuhl in der Ecke des Kreißsaales ein wenig zu schlafen, doch ich scheiterte kläglich. Wahrscheinlich habe ich mich zwischendurch mit Lara unterhalten und versuchte ihr irgendwie zu helfen, aber an Details erinnere ich mich nicht.

Ich nahm einige kurze, dämliche Videosequenzen auf in denen ich uns interviewte. Jedes dieser Videos startete gleich, ich beklagte mich, dass ich nur 20 Minuten geschlafen haben und müde bin. Ich war natürlich derjenige, der einen harten Tag hatte!

Die “heiße Phase” begann

Auf einmal war es Nachmittag und es schien ernster auf die Geburt zuzugehen. Ich glaube es war mittlerweile die dritte Hebamme, die uns betreute, als die Geburt richtig los ging. Ich habe Laras Hand gehalten und ermutigte sie, ein bisschen, wie wenn ich die finnische Nationalmannschaft beim Fussball anfeuere. Nach ziemlich harter Arbeit, hauptsächlich von Lara war unser Sohn geboren. Er wurde direkt zum Kinderarzt gebracht. Das war uns jedoch vorher schon mitgeteilt worden, es ist eine Standardprozedur bei einer Steißgeburt. Trotzdem war es ein verwirrender Moment.

Glücklicherweise konnte ich schnell zu ihm und ihn alleine sehen und ihn dann zu Lara bringen. Das war der beste Moment in meinem Leben und ich kann mir nichts vorstellen, das besser ist.

Kurz nach dem die Plazenta geboren wurde, ehrlich gesagt, darauf war ich nicht vorbereitet. Ich dachte einen kurzen Moment, wir haben unerwartet Zwillinge bekommen und das andere Baby sieht halt etwas komisch aus… Als die Plazenta in eine Schale geworfen wurde erkannte ich, dass es wohl kein unentdeckter Zwilling war. Zusätzlich nötigte Lara mich die Plazenta zu fotografieren, in unserem Familienalbum landete dieses Bild jedoch nicht.

Momente für die Ewigkeit

Nach der Geburt ging es Lara nicht so gut, aufgrund von Blutverlust und dem Lachgas (was einen gar nicht zum Lachen bringt, ich will unser Geld zurück). Deshalb hatte ich sofort die Chance intensiv Zeit mit meinem Sohn zu verbringen. Wir saßen in dem Schaukelstuhl, er lag auf meiner Brust und ich sprach mit ihm. Natürlich machte ich Fotos von ihm,  das waren wunderbare Momente.

Wenn ich daran denke, dass ich nach der Geburt meinen Sohn fotografierte fällt mir ein anderer Gedanke ein. Ich glaube, dass ich am Anfang die Geburt von meinem Kind wenig realisieren konnte. Ich sah es irgendwie nicht aus meiner eigenen Perspektive, sondern von oben herab. Zum Beispiel, dass es cool ist meinen Freunden und Familie davon zu berichten und die ersten Bilder zu teilen. Es fühlte sich zuerst eher wie eine Art “Aufführung” an.

Ein aufregender Tag geht zu Ende

Es wurde Abend und uns wurde mitgeteilt, dass wir für die erste Nacht kein Familienzimmer bekommen würden. Dies bedeutete, dass ich das Krankenhaus verlassen und für die Nacht nach Hause gehen musste.

Gegen 23 Uhr an Silvester packte ich also meine Sachen, verabschiedete die beiden Helden und ging nach draußen. Es war eine Dezembernacht in Finnland, also dunkel und kalt. Ich erinnere mich, dass ich draußen auf den Bus wartete und einige Menschen beobachtete, die auf dem Weg ins Zentrum von Helsinki waren um ins neue Jahr zu feiern und das Feuerwerk anzugucken. Ich schaute sie an und fühlte mich glücklich. Sie wussten nicht was in meinen Kopf für Gedanken schwirrten.

Um Mitternacht war ich im Zug irgendwo in den Vororten Helsinkis. Der Zug war zu meiner Überraschung voll. Einige Leute hatten sich verschätzt mit ihrem Alkoholkonsum und schliefen schon. Doch die meisten Reisenden waren glücklich und Fremde wünschten sich gegenseitig ein frohes neues Jahr. Nach diesem Tag fühlte es sich sehr surreal an. Sobald ich nach Hause kam legte ich mich hin und schlief in wenigen Sekunden ein. Es war meine erste Nacht als Vater, auch wenn ich nicht mit meinem Sohn sein konnte, schlief ich wie ein Baby.

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2 Comments

  1. Hach, ich finde es echt toll von J., dass er sich hat überzeugen lassen den Bericht zu schreiben. Für mich als Leserin sind seine Texte ein kleines Highlight, gibt ja kaum Männer die bloggen! (Und die, die bloggen, bloggen meist übers Kochen *g*)

    Das Foto der beiden ist ja zuckersüß <3 Und auch wenn es natürlich nicht toll ist, dass es dir, Lara, nach der Geburt nicht so gut ging, glaube ich, dass diese ersten Momente die J. und A. dann zusammen hatten, ein ganz besonders Band geknüpft haben 🙂

    Ich kann mir übrigens total vorstellen, wie Lara VERLANGT dass J. ein Bild der Plaznta machen soll. Ich muss soooo lachen^^

    1. Er sagte, wenn ich ihm ein Thema gebe, dann schreibt er mal wieder. 😉

      Ja, definitiv, die Zeit die sie zusammen verbringen konnten hat beiden gut getan und dafür hat das Baby ja beide Eltern, dass ein Elternteil sich kümmern kann, wenn es dem anderen nicht gut geht. 🙂

      Manche Dinge muss man eben für die Ewigkeit festhalten. 😉

Ich freue mich über einen Kommentar von dir.