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Wie ich einmal keinem Plan folgte und das genau richtig für mich war.

Ich bin einer dieser Menschen, denen es wichtig ist, dass alles geordnet abläuft. Es gibt mir Sicherheit und entspannt mich. Doch etwas ist mir im Leben passiert, das war wirklich ganz anders geplant… Und ich bin froh, dass es so kam. Ich möchte dir davon erzählen, wie gut es mir tat auch mal planlos durchs Leben zu gehen.

Meine Leidenschaft ist nicht das unbekannte Abenteuer, sondern eher ein Leben nach dem Motto: „Ordnung ist das halbe Leben.” Diesen Spruch unterschreibe ich sofort. Das bezieht sich nicht unbedingt aufs Putzen, es ist aufgeräumt und sauber bei uns, ich bin aber kein Putzteufel. Mein Freund würde vielleicht anderes sagen, doch das ist hier nicht das Thema. 😉

Wie ich einmal keinem Plan folgte und das genau richtig für mich war.
Es lohnt sich andere Wege zu gehen. Wer weiß wem man dort begegnen wird?

I love To-do Listen

Ich fertige ungemein gerne Listen zur Organisation an. Packlisten, Einkaufslisten, To-do Listen oder eine Liste mit Dingen, die ich im Besuch in Deutschland bloß nicht einkaufen soll.

Auf Anraten meines Freundes, bin ich auf Entzug gegangen. Ich habe aufgehört eine tägliche To-do-Liste zu schreiben.  Ich mache es nur noch ab und an… 😉 (Ich habe hier über meine Liebe zu To-do-Listen etwas geschrieben.)

Jedoch gibt es Momente im Leben, für die kann man genug Listen im Kopf haben, am Ende laufen sie anders als geplant. Das Leben ungeplant laufen lassen, das ist halt nicht meine Stärke. Trotzdem ist es mir passiert und es war gut.

Das Leben laufen lassen

Nach dem Abitur wollte ich mir eine Auszeit gönnen, wie viele war es mein Traum ins Ausland zu gehen. Ich entschied mich für ein Jahr als Au-pair. Durch frühere Urlaube und weil es mich schon immer in den kühlen Norden zog, fiel die Wahl auf Finnland.

Ich war ziemlich aufgeregt und natürlich auch traurig, meine Familie und Freunde zurückzulassen. Ich beruhigte mich, es ist nur ein Jahr, ich komme wieder. Das war der Plan. Nach 13 Jahren Schulbank drücken hatte ich mir ein Abenteuer verdient, diverser Schweißausbrüche inklusive.

Ein Jahr verbrachte ich in einer Familie, wir verstanden uns, ich hatte viel zu putzen, nette Kinder und vor allem viel Freizeit. Ich hatte das Gefühl in dieser Zeit ziemlich erwachsen zu werden. Ich war auf mich alleine gestellt und musste mir FreundInnen suchen, mich in einem neuen Land zurecht finden. Dieses neue, unabhängige Leben gefiel mir und ich war nicht in der Stimmung alsbald die Schul- bzw. Unibank zu drücken.

Ich beschloss um ein Jahr zu verlängern, in dem Jahr war ich in zwei weiteren Familien und es war teilweise ein hartes Jahr. Mittlerweile hatte ich einige Freunde auf die ich bauen konnte. „Was dich nicht umbringt, härtet dich ab.” Ein Satz, der wirklich ein gutes Mantra sein kann. Dies ist wohl neben dem oben bereits erwähnten, ein weiteres Lebensmotto.

Ich bleibe noch eine Weile…

Ich fühlte mich weiterhin wohl in Finnland. Ewig als Au-pair wollte ich jedoch nicht arbeiten und bei einer Gastfamilie wohnen wurde mit Anfang 20 langsam uncool. Mein Wunsch war zu studieren und ich machte mir Gedanken wann und besonders wo. Ich dachte ja immer, ein Jahr ins Ausland, zurück nach Hause und dort studieren… Es kam anders und ich zu dem Entschluss, mich für ein Studium in Finnland zu bewerben.

Ich informierte mich, beratschlagte mit meinen Eltern und ging, organisiert wie ich bin verschiedene Möglichkeiten durch. Ich hatte Glück, nach Aufnahmetest und Interview einen Studienplatz zu bekommen. Kurz vor Studienbeginn kam ich mit meinem Freund zusammen, das Leben mit ihm und das Studentenleben nahmen seinen Lauf. Richtig merkte ich gar nicht, wie die Zeit an mir vorbei flog. Aus einem Jahr werden im Sommer schon zehn Jahre.

Und weißt du was? All das stand nie auf meiner Liste. Wenn ich die letzten Jahre Revue passieren lasse, bin ich froh darüber dass ich nicht alles in meinem Leben nach einem Plan gemacht habe. Ich glaube bewusst, geplant und als „Auswandererin”, die von heute auf morgen ihre Zelte abbricht, hätte ich mich nie getraut.

Es war für mich eine große Lehraufgabe und ist es noch oft. Immerhin habe ich mein gewohntes Zuhause gegen ein Leben im Ausland eingetauscht.

Folge dem Gefühl, keinen Plänen

Es war gut meinem Gefühl gefolgt zu sein und in Finnland zu bleiben, wo es mir gefällt. Definitiv war es nicht immer leicht, besonders weil ich eben nie konkret beschlossen habe auszuwandern. Ich bin halt irgendwie hängen geblieben.

Ich denke gerade für junge Menschen, nach der Schule, einer Ausbildung oder wann es sich ergibt eine Zeit (oder gar länger) ins Ausland zu gehen ist toll. Es ermöglicht einem neue Wege zu gehen und den eigenen Horizont zu erweitern. Man lernt seine Grenzen kennen, kann sie neu stecken oder gar überschreiten. Ja, das kann nervenaufreibend sein, es ermöglicht einem jedoch die Chance über sich selbst hinauszuwachsen. Wer weiß, was und wer dich woanders erwartet?

Es lohnt sich das Leben manchmal laufen zu lassen. Einkaufs-, Pack- und Putzlisten kann man ohne Frage nebenbei schreiben. Man muss es ja nicht übertreiben mit der Lässigkeit.

Magst du Abenteuer ins Ungewisse oder hast du genauso Respekt vor ihnen wie ich? Gibt es eine Erfahrung oder Entscheidung, die du dir früher nie hättest träumen lassengemacht zu haben? Ich bin neugierig, ob ich der einzige Planungsfreak bin. 🙂

9 Jahre in Finnland

Puuh, ich lese die Überschrift und auch, wenn ich es schwarz auf weiß sehe. Unglaublich, 9 Jahre bin ich schon in Finnland. Seit gestern 9 Jahre und einen Tag um genau zu sein. Das ist ganz schön irre! Besonders, weil es nicht so geplant. Am Anfang wollte ich doch nur ein Jahr ins Ausland als Au-pair und nun bin ich immer noch da.

In den letzten Jahre habe ich zum Anlass meines “Finniversary”, wie eine Freundin ihren Jahrestag der Einreise in Finnland nannte geschrieben. Ich habe die erstellten Fotocollagen heraus gekramt. Es ist wirklich interessant zu sehen wie man sich über eine längere Zeit verändert. Und ja, ich bin natürlich älter geworden. Am Ende habe ich zwei Bilder von 2015 und 2016 hinzugefügt und diese zeigen, ich bin nicht nur älter geworden, sondern lahmer was die Bildbearbeitung der Collagen angeht. 😉 Continue reading →

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Wenn die Milch nicht reicht – meine Stillgeschichte

Lange wollte ich dies aufschreiben, eine Zeit konnte ich es nicht, dann sind die ersten Monate des Stillens eine Weile in Vergessenheit geraten. Doch ich möchte gerne meine / unsere Stillgeschichte (die eigentlich keine Geschichte ist, denn sie ist nicht vorbei) teilen. Ich hoffe, ich kann der einen oder anderen Mutter Mut machen. Es lohnt sich nicht aufzugeben! Bitte holt euch früh Hilfe, glaubt an euch und eure Mutterinstinkte.

Es wird ein langer Bericht, ich will mich nicht kurzhalten. Alles muss raus und deshalb geht`s gleich los. Ich werde auf die Tipps, die ich bekam um die Milchmenge zu steigern und so weiter nicht eingehen. Meiner Meinung nach, steht es mir als ungeschulte Person nicht zu diese zu geben. Ich starte mit meiner Erzählung noch vor der Schwangerschaft und anders als die Überschrift vielleicht erahnen lässt, starten wir morgen nicht nur ins A´s 19. Lebens-, nein auch den 19. Still-Monat. Diesen Happy End Spoiler konnte ich mir nicht verkneifen. Das Bild entstand übrigens diese Woche am Strand, wir sind eben weiterhin begeistert beim Stillen. 🙂 Continue reading →

Meine Vorsätze – Halbzeit im Jahr 2016

Fast ist das Jahr 2016 um die Hälfte rum. Langsam wird es Zeit sich Gedanken um die Weihnachtsgeschenke zu machen. Naja, ein paar Monate hat das wohl noch Zeit. Dafür lohnt sich ein Zwischenfazit was meine Vorsätze für dieses Jahr angeht. Was hatte ich mir vorgenommen? Wie läuft`s? Und ist noch etwas dazu gekommen? Anfang des Jahres habe ich hier von meinen Vorsätzen geschrieben.

Was habt ihr euch vorgenommen? Und seid ihr zufrieden oder sind die Vorsätze in Vergessenheit geraten?

Es folgt meine Vorsatzliste und wie die Umsetzung bis jetzt geklappt hat:

Jeden Monat zwei neue Gerichte ausprobieren
Das klappt sehr gut, wir haben schon einige neue Gerichte kennengelernt. Erst dachte ich, 4 Gerichte sei auch schaffbar, doch 2 ist eine perfekte Anzahl. Dieser Monat war der erste in dem ich nur ein Gericht ausgetestet habe, nämlich dieses “mediterrane Kartoffelpfanne”. Ob ich im Juli zum Ausgleich drei schaffe?

Die Masterarbeit und somit mein Masterstudium beenden
Läuft, dank unzuverlässlicher Professoren leider nicht so gut wie geplant, immerhin geht es vorran.

Mindestens 6 Bücher lesen
Das war ein sehr bescheidenes Ziel, weil ich 2015 kaum gelesen habe. Ich habe schon 6 Bücher gelesen und auf 10 Bücher erhöht, insgeheim hoffe ich, ich schaffe 12!

Einen Job für 2017 finden
Im Herbst will ich mich etwas umschauen, vielleicht bleiben wir (A. und ich) doch noch bis Sommer 2017 daheim…

Wieder regelmäßig Sport treiben (!!)
Das klappt mal einigermaßen und dann mal wieder gar nicht. Definitiv verbesserungswürdig!

Mehr Häkeln
Ich habe gerade ein Projekt gestartet, sonst habe ich dieses Jahr eine Babydecke für As Cousin gemacht. Ich könnte häkelfreudiger sein, Ideen habe ich genug.

Keine neue Wolle kaufen (evtl. für Weihnachtsgeschenke erlaubt)
Klappt super, siehe vorheriger Punkt. Ich habe sogar ausrangiert und an Js Tante ungenutzte oder angefangene Wollknäuel abtreten können.

Keine neuen Bücher kaufen
Ausgenommen Bücher über Erziehung oder Kinder. Bis jetzt waren alle gelesenen Bücher (bis auf ein neues Elternbuch) aus meinem Bücherregal. 🙂

Vorsätze, die sich noch auf meine Liste geschlichen haben:

Kein Handy im Schlafzimmer
Das haben J. und ich zu Beginn des Jahres gestartet und klappt super. Ich habe das Gefühle ich schlafe besser, sonst habe ich direkt vor dem Schlafen immer noch am Handy “gedaddelt”.

Weniger Müll machen
Damit habe ich gerade begonnen mich zu beschäftigen, wichtiges Thema. Bald mehr dazu auf dem Blog!

Mehr Trinken
Ich vergesse ich es oft einfach, gar nicht gut. 🙁

Ausrangieren
Im Beitrag zu meinen Vorsätzen habe ich darüber geschrieben. In den letzten Wochen haben J. und ich wieder mal kräftig ausrangiert und wir beide haben uns jede/r von 111 Sachen (also 222 zusammen!) getrennt. Ein so gutes und befreiendes Gefühl blieb am Ende. Im September starten wir noch eine Runde.

Meine ersten Arbeitstage – ein erstes Fazit

Mutti ist jetzt erstmal außer Haus
Die ersten sechs Arbeitstage, die ersten Tage außer Hause liegen hinter mir, aufregende, emotionale, anstrengende, Tage und trotzdem sind sie gut gewesen. Da lohnt es sich zurückzublicken und über meine ersten Eindrücke und Gefühle zu schreiben.

Der erste Arbeitstag rückte näher und am meisten nervös gemacht hatte mich, wie ich die Tage durchhalten werde. Zu Hause mit A. ist zwar immer was los, jedoch kann ich mich mittags gut 2 Stunden ausruhen und Kraft tanken. Das geht während der Arbeit natürlich nicht. Am Abend kommt J. und verbringt Zeit mit A., ich kümmere mich zwar oft um Wäsche o.ä. und es findet sich Zeit zum Entspannen.

Gefühlschaos

Ich sprach oft mit J. über diese Befürchtungen und er sagte mir: “Du wirst mit einer ganzen Reihe von (neuen) Gefühlen konfrontiert, wenn du arbeiten gehst.” Zum Beispiel Schuld, dein Kind nur wenige Stunden am Tag sehen zu können. Ein schlechtes Gewissen dem Partner gegenüber, weil du nicht mit der Kinderbetreuung und im Haushalt helfen kannst. Freude über Zeit für sich. Angst, etwas Neues, was A. lernt zu verpassen.
Die Liste von J. war lang und wahr!

Abends bin ich immer ziemlich alle gewesen. Die Arbeit macht Spaß, doch die Vorschulgruppe ist eine ziemliche Chaosgang, es sind viele Kinder dabei, die einem merklich Energie entziehen. Dank meiner lieben Kolleginnen gibt es viele Momente gemeinsam Luft rauszulassen und tief durchzuatmen. Nun nach den ersten geschafften Tagen kann ich sagen, ich schlafe nicht bei der Arbeit ein, ohne längere (oder mal gar keine richtige) Pause überstehe ich die Tage problemlos. Meine Befürchtungen haben sich also nicht bestätigt.

Das wohl Schwierigste für mich ist, A. nur wenig zu sehen. Die ersten 15 Monate war ich kaum von ihm getrennt, es ist also eine große Umstellung für uns beide. Tagsüber versuche ich nicht viel an ihn zu denken. Das Gefühl des Vermissens erinnert mich daran als ich selber ein Kind war und meine Mutter vermisst habe. Ich weiß natürlich, dass A. beim Papa gut aufgehoben ist, bei den beiden läuft es bestens und sie haben Spaß zusammen. Das beruhigt mich, trotzdem ist es nicht einfach, den Tag auf einmal ohne sein Kind zu verbringen.

Wenn ich nachmittags nach Hause komme freut sich A. riesig und es ist schön mit ihm noch etwas Zeit zu verbringen, wenn ich nicht zu spät komme sind wir noch auf den Spielplatz. Abends im Bett dachte ich öfters, dass ich ihn ja irgendwie kaum gesehen habe. Gerade diese Gedanken, lassen Momente mit ihm noch besonderer werden und mich genießen. Es hat ebenso Vorzüge, A. wurde gestern um 6 Uhr wach und ich bin gerne mit ihm aufgestanden, weil ich mich freute mit ihm zu spielen.

Erste Lektionen

Nach der ersten Arbeitswoche, habe ich einiges gelernt, was ich später will und dass es gut ist, eine Zeit ohne Kind zu sein und diese Zeit zu genießen. Zum Beispiel auf der Fahrt zur Arbeit zu lesen oder häkeln.
Ich bin froh, dass es sich erstmal um einen kleinen Ausflug in die Arbeitswelt handelt, eine Testrunde sozusagen. Wenn ich nächstes Jahr zu arbeiten beginnen, werde ich mich unbedingt nach einer halben oder reduzierten Stelle umschauen. Gerade ist eben J. zu Hause und kümmert sich um die Einkäufe und Haushalt, sind wir dann beide berufstätig fallen diese Tätigkeiten uns beiden zu und müssen sie nebenbei erledigen. Der Gedanke an schnelle Einkäufe zwischen dem Weg von Arbeit und A. aus der Kita abzuholen machen mir jetzt schon Stress.

Ich ziehe meinen Hut vor allen berufstätigen Eltern, besonders den Müttern, an denen ja meist mehr Arbeit zu Hause wartet. Dieser erste Ausflug als Mutter in die Berufswelt, zeigte mir bereits wie anstrengend es ist alles unter einen Hut zu bekommen. Ich habe noch einige Lektionen vor mir!