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Die Geburt unseres Sohnes – ein Geburtsbericht aus Vatersicht

Über zwei Jahre ist die Geburt von A. her, trotzdem ist sie immer wieder in unseren Gesprächen und Erinnerungen präsent. Gerade in den letzten Wochen vor seinem zweiten Geburtstag haben J. und ich die Ereignisse vom Silvestertag 2014 Revue passieren lassen.  Ich fragte ihn, ob er Lust hat einen Geburtsbericht aus seiner Sicht zu verfassen. Auch, wenn ich seinen Deutschkenntnissen viel zutraue, beschlossen wir, dass ich seine Version (im Original auf Englisch) übersetze und von ihm noch einmal absegnen lasse.

In unseren Gesprächen über die Geburt ist mir deutlich geworden, wie wichtig dieser Austausch auch für den Vater ist. So sagte J. z.Bsp., dass er das Gefühl hatte richtig viel konnte er mir nicht helfen während der Geburt. Dabei war er mir den ganzen Tag über eine wahre Stütze, physisch, wie psychisch. Er wich den Tag nicht von meiner Seite und diese Präsenz gab mir viel Kraft und vor allem Ruhe und Sicherheit.

Nun habe ich genug erzählt, los geht es mit dem Geburtsbericht von J.und die ersten Momente mit seinem Sohn. J. sagte mal, dass dieser Tag magisch war und da hat er recht. Ich freue mich, dass er einwilligte und ein bisschen über seine Erfahrungen schrieb.


Der Tag an dem unser Sohn geboren wurde – ein Geburtsbericht aus Vatersicht

Geburtsbericht aus Vatersicht

Meine Vorstellungen von der Geburt 

Ich glaube, dass meine Idee, wie die Geburt aussehen würde am meisten von Filmen, Büchern und TV Serien geprägt war. Im Endeffekt habe ich nur an einer Geburt teilgenommen, das war meine eigene und an die kann ich mich wenig erinnern. Ich wusste jedoch, dass alles gut gehen wird, ich hatte volles Vertrauen in mich, Lara und das finnische Gesundheitssystem. Natürlich gab es die unbekannte Variable: Was passiert, wenn etwas anders als geplant verläuft?

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Meine Top 3 der Bücher für Schwangerschaft und Babyzeit

Drei Bücher möchte ich euch heute vorstellen, die ich wärmstens empfehlen kann. Diese Bücher bilden meine Liste der Bücher, die ich jeder Schwangeren, werdenden oder frischgebackenen Eltern ans Herz legen kann. Nach meiner eigenen Erfahrung ist man mit diesen ziemlich gut ausgestattet und informiert. Es handelt sich um diese drei Bücher: Ingeborg Stadelmann “die Hebammensprechstunde”, Remo Largo “Babyjahre” und Susanne Mierau “Geborgen Wachsen”.

Länger wollte ich die zwei erstgenannten Bücher vorstellen, zum Glück kam ich noch nicht dazu, denn das dritte Buch “Geborgen Wachsen” erschien erst dieses Frühjahr. Es bildet meiner Meinung nach eine wunderbare Ergänzung zu den beiden anderen Büchern.

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Steißgeburt – meine Erfahrungen & Gedanken

Mit diesem Beitrag möchte ich einen letzten Text zum Thema Kindslage in Beckenendlange (BEL) und Steißgeburt schreiben. Ich will noch einmal auf die Steißgeburt und einige Gedanken meinerseits dazu eingehen.
Hier ist mein Geburtsbericht und hier mein Beitrag zur BEL und meinen (glücklosen) Wendeversuchen zu finden.

Ich hatte schon in dem Post zur BEL geschrieben, dass mir selber Erfahrungsberichte zu dem Thema Steißgeburt gefehlt haben. Ich konnte nur einige wenige Berichte finden, diese haben mir Mut gemacht und gezeigt, dass es schaffbar ist. Es ist möglich, was viele Frauen leider gar nicht wissen. Ich selber wusste dies lange nicht!
Ich hoffe ich kann mit meinem Beitrag der ein oder anderen Schwangeren ein paar Infos geben und Mut machen ein Baby in BEL vaginal zu gebären.

Ich hoffe ich habe nichts vergessen bzw. irgendetwas (Interessantes) ausgelassen… 🙂
Für weitere, genauere Frage könnt ihr mir gerne per Mail schreiben oder einen Kommentar da lassen.

Meine Erfahrungen in Finnland

Am Anfang zu erwähnen ist, dass meine Erfahrungen nicht eins zu eins vergleichbar sind mit denen in Deutschland.
Was ich las, war dass in Deutschland viele Krankenhäuser schnell sagen, sie machen lieber gleich einen Kaiserschnitt, sodass das Thema vaginale Geburt gar nicht im Raum steht. Oft gibt es in den Krankenhäusern niemanden (mehr), der sich mit der Geburt in Steißlage auskennt und damit Erfahrungen hat. Weil eben meist der Kaiserschnitt gewählt und empfohlen wird und die Geburtshelfer so natürlich keine Erfahrungen sammeln können.

Als ich fragte welches Krankenhaus sich denn am besten mit Steißgeburten auskenne, wurde ich fast angeblafft, dass es da keinen Unterschied gibt und alle gleich gut wüssten was zu tun ist. Das hat mich gleich beruhigt und mich weiter in meinem Entschluss gefestigt.
In Finnland ist das Gesundheitssystem so ausgelegt, dass alle Hebammen und Ärzte gleich auf jede Geburtssituation vorbereitet werden. Die Idee ist, dass egal in welches Krankenhaus sich eine Schwangere begibt die medizinischen Leistungen gleich verfügbar sein sollen.

Die Kaiserschnittrate liegt in Finnland übrigens bei ca. 17 %, in Deutschland hingegen um 30% und von der WHO ist eine Rate von 10-15% empfohlen. (Korrigiert mich, wenn die Zahlen nicht stimmen!)
Das finde ich ziemlich interessant zu sehen und beunruhigend, dass die Zahlen in Deutschland gut doppelt so hoch sind. Ein Grund mag sein, dass die Krankenhäuser zu den Kommunen gehören und durch einen Kaiserschnitt nicht “reicher” werden. Die Denkweise eine Geburt als einen Kostenbringer zu sehen gibt so nicht in Finnland.

Ich war ja im Krankenhaus für den Versuch einer äußeren Wendung, als diese nicht klappte, fragte die Ärztin, was ich für eine Geburt ich mir wünschte. Ich sagte auf jeden Fall eine spontane Geburt und sie nahm es einfach so hin. Das fand ich echt toll und fühlte mich von Anfang an ernst genommen. Das Thema Kaiserschnitt kam erst wieder als letzte Möglichkeit ins Gespräch, sollte er sich nicht selber auf den Weg machen. Es wird (in Finnland) bei einer Steißlage nicht bis zu einer natürlichen Übertragung gewartet und ich bekam einen Termin 10 Tage nach dem ET, der zum Glück noch platzte.

No stress!

Ganz wichtig ist und das ist immer leichter gesagt, als getan, sich nicht zu stressen. Das gilt auch für die Wendeversuche, wenn das Baby sich nicht drehen will, ist dies kein Weltuntergang! Ich habe meinem Baby irgendwann gesagt: “Es ist ok, dass du dich nicht drehen willst. Doch hast du keine Wahl und kommst eben mit dem Po zuerst.” Das scheint er sich zu Herzen genommen zu haben.
Theoretisch kann sich das Baby bis zur letzten Minute drehen, einfach auf das Baby und sich selber vertrauen und es wird schon gut, egal in welcher Position. Und dazu etwas positives Denken, das schadet ja nie!

Vielleicht hat das Baby einen Grund, dass es sich nicht drehen kann oder einfach nicht möchte. Von Anfang an, war die Lieblingsposition unseres Kleinen und ist es weiterhin an der Schulter gehalten zu werden, dass er über die Schulter schauen kann. Ähnlich wie er im Bauch lag, bzw. saß, wahrscheinlich mochte er die Position einfach gerne und sah keinen Anlass sich zu drehen. Auf eine Weise fand ich es toll, dass er sich nicht aus der Ruhe bringen ließ und “sein Ding” durchzog. Dadurch, dass sein Kopf oben lag, hatte ich vor der Geburt die Möglichkeit seinen kleinen Kopf zu streicheln, der ganz nah an meinem Herzen lag. Ein schönes Gefühl!

Informiere dich über den Geburtsablauf

Die Hebamme bei der ich zur Akupuntur war, hat mir den Ablauf bei einer Steißgeburt (in Finnland) erklärt. Ihre Erfahrungen und Berichte haben mich beruhigt und ich war während der Geburt entspannter. Ich wusste was auf mich zukommt, zum Beispiel als auf einmal eine Ärztin und weitere Hebammen dazu kamen. Sonst wird mit nur einer Hebamme entbunden, bei einer Steißgeburt wird aufgestockt. Oder dass dem Baby erst beim Rauskommen geholfen wird, wenn es bis zu den Schulter rausgerutscht ist.
Das Baby wurde sofort zum Kinderarzt gebracht, was aus Routine geschieht und durch die Info davor, mich nicht schockte. Ich muss sagen, dieser Moment gab mir eine Chance zum Durchatmen nach der anstrengenden Geburt und er kam dann sehr schnell zu mir.

Die Hebamme im Krankenhaus sagte übrigens, dass Babys aus Steißlage geboren eine schönere Kopfform hätten. Wobei mein Freund meinte, sie sagte nur eine andere, nicht schönere Form. Ich bin mir sicher, sie sagte schönere. 😉 Kommt ein Baby mit dem Kopf voran, wird dieser wohl mehr in die Länge gezogen.

Höre auf DEIN Gefühl

Eins möchte ich noch einmal unterstreichen, ich finde es unerlässlich, dass sich jede Frau frei entscheiden kann wie sie sich die Geburt ihres Kindes vorstellt. Das ist aufgrund medizinischer Gründe nicht immer gegeben. Doch gerade in diesen Situationen ist es wichtig, die Frau so weit es geht selbstständig entscheiden und teilhaben zu lassen.
Leider wird viel zu oft über den Kopf der Frau hinweg entschieden oder sie wird beraten wie es den Geburtshelfern (& der Finanzlage) am besten passt.

Ich finde es verständlich, wenn Frauen sagen, sie wählen einen Kaiserschnitt, weil sie Angst vor einer spontanen Geburt (in Steißlage) haben. Das ist ihr gutes Recht und ich kann es verstehen. Klar habe auch ich abgewogen was für mich und das Baby am besten ist und am Ende für eine spontane Geburt enschieden. Ewig kann trotzdem nicht gewartet werden, weshalb ja eigentlich schon der Kaiserschnitt fest stand und es zum Glück anders kam. (Siehe Geburtsbericht.)

Es ist einfach wichtig auf das eigene Bauchgefühl zu hören und dem zu folgen und nicht dem Rat eines Arztes oder einer Hebamme. Kleine Zweifel sollten genauso Beachtung finden wie größere Sorgen, besonders von den Geburtshelfern. Gerade bei einer Steißgeburt ist es bedeutend, das Gefühl zu haben in guten Händen zu sein und das sollte natürlich gewährleistet sein.
Ich bin der Meinung, eine Mutter weiß und spürt was das Beste für sich und ihr Kind ist. Es lohnt sich darauf und besonders auf seine eigenen Körperkräfte zu vertrauen!

Beckenendlage – meine Erfahrungen und Wendeversuche

Ich möchte gerne noch zum Thema Beckenendlage (BEL) und Steißgeburt schreiben. Ich habe selber online nicht viele Erfahrungsberichte zum Thema Steißgeburt gefunden. Jedoch die vielen verschiedenen Berichte anderer Schwangerer mit Babys in BEL haben mir sehr gut getan zu lesen. Ich hoffe meine Erfahrungen helfen (irgendwann) einer anderen Schwangeren und für die anderen ist es vielleicht einfach interessant zu lesen.

Der Kopf ist oben!

In der Schwangerschaftswoche 36 war ich beim Arzt zur Kontrolle. In Finnland geht es, wenn es keine Probleme gibt nur zweimal während der Schwangerschaft zum Arzt.
Ich selber lag als Baby in BEL und wurde per Kaiserschnitt geboren, deshalb hatte ich daran gedacht, dass es unser Baby mir eventuell gleich tut. Ist ein oder gar beide Eltern in BEL geboren steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das eigene Kind auch in BEL liegt.

Bei den regelmäßigen Kontrollen im Gesundheitszentrum wurden nur die Herztöne abgehört und der Bauch abgetastet. Ich wurde gefragt wo ich den Schluckauf des Babys spüre. Da ich diesen unten am Bauch spürte, sagte die Hebamme, der Kopf sei wohl unten. Ihr abtasten bestätigte dies. (Hätte sie wohl mal besser tasten sollen…)
Ich hatte oben rechts am Bauch eine ziemliche Beule und dachte, dass es wohl seine Füße sind.
Mittlerweile weiß ich, dass der Schluckauf durch das Fruchtwasser im Bauch “wandert” und man das Zittern genauso unten spüren kann.

Ich war also beim Arzt und sie meinte beim Tasten lapidar: “Och, der Kopf ist oben.” Die Ärztin hat ihre Vermutung kurz per Ultraschall kontrolliert. Ich geriert sofort in Panik und fing an zu weinen, da meine erster Gedanke „Kaiserschnitt!!!!” war. Die Ärztin war leider wenig einfühlsam und sie sagte nur: “Ein Kaiserschnitt steht noch nicht fest.” Auf meine Frage ob das Baby sich noch drehen könnte sagte sie, es sei zu spät. Ich bekomme aber einen Termin im Krankenhaus zum Versuch der äußeren Wendung.

Ich war erst mal ziemlich am Boden zerstört, weil ich auf diese Nachricht nicht eingestellt war, obwohl ich ja schon daran gedacht hatte. Ich dachte mein Wunsch nach einer natürlichen Geburt sei dahin.

Ich hatte vorher einiges über BEL in dem Buch von Ingrid Stadelmann (“die Hebammensprechstunde”) gelesen und wusste natürlich dass es keine Krankheit sei. Und auch aus den Erzählungen meiner Mutter, die mich trotz “Indischer Brücke” nicht zum Drehen bewegen konnte.
BEL ist eben nur eine andere seltenere (ca. 4% der Babys) Variante der Kindslage. Und vor allem, eine natürliche Geburt ist genauso in Steißlage möglich.

Moxa Akupunktur

Zu Hause habe ich mich gleich an den PC gesetzt und nach Akupunkturpraxen in meiner Nähe gegoogelt. In dem erwähnten Buch las ich von der Methode des Moxen um das Baby zum Wenden zu bewegen.
Ich fand in Helsinki eine private Hebamme, die genau diese Methode anwendet und schrieb sie gleich an. Sie antwortete schnell und beruhigte mich, dass sich das Baby sehr wohl noch drehen kann und BEL kein Drama sei. Die Hebamme hat mich die letzten Wochen der Schwangerschaft begleitet und ihr Wissen war wirklich eine große Hilfe, besonders als Vorbereitung für die Geburt. Ich bin später noch zur geburtseinleitenden Akupunktur bei ihr gewesen.

Ich bin dann zur ersten Sitzung der Moxa Akupunktur und habe das dann 10 Tage zu Hause weitergeführt. Bzw. mein Freund musste meine Füße “räuchern”. Bei dieser Art der Akupunktur werden Zigarren gerollt aus Beifußkraut an die äußeren kleinen Zehen gehalten. Natürlich nicht zu nah, es soll nicht zu heiß werden und weh tun.
Das sah schon ziemlich lustig aus, wirklich dran geglaubt hat mein Freund wohl nicht, aber ich fand es toll, dass er mit gemacht hat.
Die Erfolgschancen dieser Methode sind wohl sehr hoch, doch unser Baby ließ sich nicht zum Drehen motivieren. Ich hatte zwar das Gefühl, dass er nach dem Moxen aktiver wurde, zu einer Drehung kam es jedoch nicht.

Beim Termin im Krankenhaus haben zwei Ärztinnen versucht von außen das Baby zu drehen, doch der Po rutschte immer wieder sofort nach unten. 😀 Auch wenn ich teilweise anderes las, es tat überhaupt nicht weh und das soll es nicht!! Der Versuch der äußeren Wendung wird nur unternommen bis zur SSW 37 und wenn die Plazenta nicht ungünstig im Weg liegt. Danach wurde ein CTG zur Kontrolle geschrieben, dass es dem Baby weiterhin gut geht.

Was nun?

Als das Drehen nicht klappte fragte mich die Ärztin was ich mir wünsche und ich sagte, auf jeden Fall, wenn möglich eine natürliche Geburt. Also wurde ich zum MRT geschickt um zu sehen ob mein Becken breit genug ist. Die andere Hürde war, dass das Baby nicht über 4 Kilo schwer sein darf. Ich wartete voller Bangen auf den Anruf aus dem Krankenhaus und wurde einen Tag nach dem MRT erlöst, ich habe eine gebährfreudiges Becken. Juchhee!

Zwei Tage vor dem eigentlichen Termin musste ich nochmal ins Krankenhaus zur Babygewichtskontrolle. Zum Glück war er noch deutlich unter 4 Kilo schwer. Ich bekam trotzdem vorsorglich einen Termin für den Kaiserschnitt, 10 Tage nach dem ET am 31.12. Es war also noch alles offen!

Andere Wendeversuche die ich unternommen habe waren, die die man online findet. Ich glaube mehr Möglichkeiten gibt es nicht… 😀 Indische Brücke, Vierfüßlerstand, Kühlkissen auf den Kopf des Babys, dass es sich mit dem Kopf zum Warmen drehen möchte. Eine Spieluhr zwischen die Beine legen, Bauch im Uhrzeigersinn massieren, dem Baby gut zureden, dem Baby etwas strenger zureden. Mit einer Taschenlampe dem Baby den Weg nach unten zeigen.

Damit der Beitrag nicht allzu lang wird, verfasse ich später lieber einen zweiten Teil zum Thema Steißgeburt.
Vielleicht habt ihr Fragen, die ich in den Beitrag einbauen kann?

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Geburtsbericht – eine spontane Steißgeburt

Ich erwähnte ja in meinem letzten Beitrag, dass sich unser Kleiner in Beckenendlage (BEL) befand. Dazu, den Wendeversuchen und den Möglichkeiten einer spontanen Steißgeburt (in Finnland) werde ich in gesonderten Einträgen eingehen. (Links am Ende) Ich selber habe leider kaum Material bzw. Erfahrungsberichte zu Steißgeburten finden können und hoffe Frauen in ähnlicher Lage Mut machen zu können. 🙂
Solltet ihr nach dem Lesen Fragen haben, schießt einfach los. 🙂

Es war mir persönlich wichtig, dass es eine spontane Geburt wird. Da auch bei einer BEL nicht ewig gewartet werden kann, stand am 31.12. ein Kaiserschnitt (KS) an. Der Termin war sozusagen die Deadline für eine spontane Geburt und das Datum brannte sich fest in meinen Kopf. Der Termin wurde 10 Tage nach dem eigentlich errechneten Termin angesetzt. Und dieser Tag rückte näher und näher, ich wurde immer nervöser…
Drei Tage vor dem eventuellen KS hatte ich ein Tief und war sehr traurig. Ich hatte ziemliche Angst vor der OP und es schien sich nun immer mehr darauf zuzubewegen. Am meisten Kummer bereitete mir, dass ich mir für mein Kind einen selbstbestimmten und natürlicheren Start ins Leben wünschte, als von Ärzten geplant und aus dem gemütlichen Bauch “gerissen”.

Ich bereitete mich (endlich) seelisch auf einen KS vor und stoppte alle (mehr oder weniger) wehenfördernden Mittelchen. Im Nachhinein glaube ich, dass so der “Knoten” geplatzt ist. Das Baby merkte, meine Anspannung ist weg und es sei eine gute Zeit sich auf den Weg zu machen. Weihnachten ging der Schleimpropf ab und ich hatte immer mal leichte, jedoch unregelmäßige Wehen. Weshalb ich die ganzen Tage schon sehr unruhig war ob es nicht doch noch vor dem angesetzten Termin los geht… Am 30.12. verspürte ich am Vormittag ein heftiges Ziehen in der Leistengegend, was schnell wieder besser wurde.

Am Abend rief ich im Geburtskrankenhaus an, um 8 Uhr sollten wir am nächsten Morgen kommen. Um 9 Uhr sollte der Kaiserschnitt statt finden. Ich war das Warten leid und freute mich mein Baby am Morgen endlich kennenlernen zu können. Wir haben wir nochmal aufgeräumt, in Ruhe gegessen und einfach Zeit miteinander verbracht. Da hatte für mich Planungsfreak der vorgegebene Termin der Geburt auch etwas Positives, ich konnte alles was ich vorbereiten wollte noch erledigen. Für morgens um halb 8 haben wir ein Taxi bestellt, gegen Mitternacht sind wir ins Bett. Um 6 Uhr sollte der Wecker klingeln, doch dazu kam es nicht mehr…

Unerwartet kommt oft

Um 2 Uhr wurde ich wach und musste zur Toilette. Ich war erst faul und wollte nicht. Ich überlegte ob ich schon die OP Strümpfe anziehen sollte. Diese sollte ich vor dem Aufstehen am Morgen anziehen. Ich entschied dies später zu tun und raffte mich auf Richtung Klo.
Als ich auf der Toilette saß hörte und merkte ich in meinem Bauch einen Knacks. Mir war sofort klar, dass dies die Fruchtblase sein muss und schon beganna auch das Wasser zu laufen. Ich bin zurück zum Bett und weckte meinen Freund: “Nicht lachen, die Fruchtblase ist geplatzt.” Er war ziemlich zerknirscht, da er gerade erst eingeschlafen war. Ich legte mich wieder hin, rief im Krankenhaus an und bestellte das Taxi um. Wegen der BEL sollten wir sofort kommen, da ich noch keine Wehen spürte konnten wir ein Taxi nehmen. Ich wurde vorher angewiesen, ich darf bei geplatzter Fruchtblase nur liegend per Krankenwagen kommen. Ich war erleichtert, dass mir dies erspart blieb.
Das Taxi war schnell da, wir nahmen die wochenlang gepackten und bereiten Taschen mit. Während der Fahrt fiel mir auf, dass ich noch meine Beißschiene im Mund hatte… 😀 Und ich spürte auf der kurzen Fahrt zum Krankenhaus schon einige Wehen.

Ankunft im Krankenhaus

Viertel vor 3 erreichten wir schon das Krankenhaus und es ging auf die Geburtsstation zur Anmeldung, wo wir von einer Hebamme empfangen wurden. Mit der sind wir in einen Untersuchungsraum und ich wurde ans CTG geschlossen, etwas später gingen wir zu einer Ärztin. Es wurde ein Ultraschall gemacht und das Baby auf unter 4 Kg geschätzt. Somit gab es grünes Licht für eine spontane Geburt, sollten sich regelmäßige Wehen einstellen und der Muttermund weiterhin öffnen war der Kaiserschnitt kein Thema mehr. Eine gute Nachricht, zu dem Zeitpunkt war der Muttermund 3 cm geöffnet.

Zurück im Zimmer begannen die Wehen deutlicher zu werden und nun dachte ich, dass ich endlich weiß was echte Wehen sind. Es hatten ja immer alle gesagt, dass man dies weiß, wenn es soweit ist und mich nervte die Aussage fast. Als Erstgebärende ist diese Aussage nunmal nicht sonderlich hilfreich. Immerhin wusste ich es nun!

Am frühen Morgen, wanderten wir in den Kreißsaal. Dort blieben wir die ganze Zeit bis es auf die Wochenbettstation ging. Es war wirklich angenehm, dass wir zwischendurch keine Räume wechseln mussten und die ganze Zeit an einem Ort waren.

Da es theoretisch immer noch zu einem KS kommen konnte sollte ich die ganze Zeit nichts essen und trinken. Zwischendurch 1-2 Schlucke Wasser waren erlaubt, ich bekam im Laufe des Tages einen Tropf um Flüßigkeit zu bekommen. Dass ich nüchtern bleiben musste war im Nachhinein wohl das Schlimmste und Härteste an der Geburt. Hunger verspürte ich die ganze Zeit keinen, aber getrunken hätte ich gerne mehr. Ab und an habe ich “heimlich” aber Wasser getrunken.

Ich habe ziemlich schnell begonnen nach Schmerzmitteln zu fragen, die Hebamme gab mir erst ein Wärmekissen, was toll half. Ich hüpfte auf einem Peziball, J. massierte mich. Doch ich hatte einfach keine Lust die Wehenschmerzen weiter auszuhalten. Ich dachte ich drehe durch, es fühlte sich an, als ob ich zerspringe. Im Nachhinein denke ich, dass ich wahrscheinlich kraftloser war, weil ich nüchtern bleiben sollte und weil eine spontane Geburt gar nicht mehr auf meinem Radar war. Ich hatte mir Gedanken zu Schmerzmitteln gemacht und den Entschluss gefasst, dass ich sehe wie es kommt, lieber Schmerzmittel nehme als mich zu quälen, beweisen musste ich niemandem etwas. Ich bekam eine PDA und die Zeit verging recht schnell.

Dank der PDA konnte ich mich etwas ausruhen, immerhin hatte ich nachts nur knapp 2 Stunden geschlafen. Es stand bald ein Schichtwechsel an und es kam eine neue Hebamme samt Hebammenschülerin, diese war fast nonstop bei uns und blieb zur Geburt. Die zweite Hebamme begleitete uns bis 15 Uhr und es kam wieder eine Neue, gerade als es langsam begann ernster zu werden. Der Muttermund war schon sehr weit geöffnet, doch der Po war noch nicht richtig runtergerutscht. Die Herztöne des Babys waren den ganzen Tag über konstant gut, dass einem weiteren Warten nichts entgegen stand.

Alle drei Hebammen, die mich betreuten waren total nett und ich habe mich die ganze Zeit über sicher und total gut betreut gefühlt. Im Nachgespräch mit der Hebamme, die bei der Geburt dabei war, sagte ich, dass ich nie ein Gefühl von Angst verspürte. Die Hebamme verspürte eine sehr angenehme Professionalität, die mich beruhigte und ich wusste, sie würde mir helfen mein Baby auch mit Popo voran auf die Welt zu bringen.

Blick in den Kreissaal, links mein Fuß 😉

Es wird ernst!

Als Hebamme Nr. 3 da war rückte die Pressphase näher, das Baby war gut nach unten gerutscht und der Muttermund komplett geöffnet. Es kam noch eine Ärztin und weitere Hebamme hinzu, die Hebammenschülerin war geblieben. Eine Steißgeburt ist nicht alltäglich und sie wollte nebenbei noch etwas lernen. Normalerweise ist nur eine Hebamme anwesend, bei einer Steißgeburt wird sicherheitshalber aufgestockt. Die Hebamme die dazu kam sagte zu Beginn, was es für eine entspannte und ruhige Stimmung im Raum sei. Es lief eine Rossmann Wellness CD in Dauerschleife, die schien zu wirken und die PDA dazu tat ihr übriges. 😉 Und ich hatte im Gefühl, dass Unruhe mir nicht helfen wird.

Die Hebamme sagte, ich sollte einfach mal versuchen zu pressen. Und ich spürte auf einmal das dringende Bedürfnis aufs Klo zu gehen, doch es wurde mir von allen versichert, das sei jetzt mein Baby. Was ich nicht glauben wollte, auf einmal sollte es so fix gehen. Ich sagte immer wieder, dass kann nicht sein, ich muss nun wirklich zum Klo. Es ging also los!
Ich sollte die Beine hochhalten, es wurden Beinstützen wie beim Frauenarzt zur Unterstützung angebracht. Zum Glück standen zwei Hebammen neben mir und halfen meine Beine zu heben. Definitiv war es gut, dass ich während der Schwangerschaft sportlich aktiv war. Die Geburt empfand ich, als eine ziemlich athletische Angelegenheit.

Ich hatte kein Zeitgefühl, am Ende dauerte die Pressphase 45 Minuten und es hätten 5 Minuten oder 5 Stunden sein können.
Die Hebammen und Ärztin waren eine super Motivation, sie schrien immer wieder: “Weiter, weiter!” Und auch mein Freund feuerte mit an und half mir meinen Kopf gegen die Brust zu drücken beim Pressen. Wie eine Spitzensportlerin  vom Publikum angefeuert jam ich mir vor, ich war der Mittelpunkt und alle taten ihr Bestes mir zu helfen. Ich wusste jede Wehe bringt mein Baby und mich näher und spürte dass dieser Zustand endlich sei.

Bei der nächsten Wehe sollte ich besonders tief Luft holen und lange pressen. Ich nahm all meine Kraft zusammen und es kam endlich der langersehnte Mini-Popo zum Vorschein! 🙂 Ich wusste jetzt ist es fast geschafft. Ein bisschen musste ich noch pressen, denn es wurde gewartet, bis das Baby zu den Armen selber rausrutschte. Dann griff die Ärztin ihn mit einem Handtuch und verhalf dem Kopf nach draußen.

Endlich ist er da!

Um 16 Uhr 35 war er geboren! Ich sah sofort die schwarzen Haare, genau wie ich bei meiner Geburt. Ein wirklich bewegender Moment und sofort dachte ich: “Och, das war ja gar nicht so schwer.” (Hormone sind schon super!) Er wurde gleich in ein Untersuchungszimmer gebracht, was normal bei Steißgeburten ist, weshalb ich nicht beunruhigt war. Auf dem Flur hörte ich schon seinen ersten Schrei und wusste mich bestätigt, alles ist gut.

Es kam die Nachgeburt und auf meinen Wunsch wurde ein Stück der Plazenta herausgeschnitten. Das habe ich eingeschickt und es werden homöopathische Kügelchen draus gemacht. Das schien die Finninnen sehr zu beeindrucken. 🙂
Mein Freund durfte sehr schnell zum Kleinen, zu Beginn war sein Puls schwach, doch nach 10 Minuten hatte er schon die volle Punktzahl nach dem Apgar-Index und alles war in Ordnung mit ihm.

Dann wurde mein Baby endlich zu mir gebracht, ein unbeschreiblicher Augenblick! Er war noch viel niedlicher als ich dachte und sah mir als Baby so ähnlich. Er weinte ein bisschen und kam sofort unter mein Hemd auf meine Brust. Ich begann mit ihm zu sprechen, wie lange hatte ich mich danach gesehnt und doch schien es, als kannten wir uns schon ewig. Ich begrüßte ihn und sprach ihn sofort mit seinem Namen an, der einfach perfekt passte. Er begann die Brust zu suchen, dass er kaum Hilfe von der Hebamme zum Anlegen brauchte und begann wie ein Weltmeister zu saugen.

Ich musste ziemlich viel verarztet werden, wenn anders gewünscht kam ich nicht ohne Schnitte aus. Das war mir aber mittlerweile egal! Etwas surreal war, als die Hebamme meinen Freund bat ihr neuen Faden aus einem Schrank zu reichen… Er war eben rundum für uns alle eine gute Hilfe.

Wir waren nach der Geburt noch lange im Kreissaal, der Kleine wurde mit Papas Hilfe gewaschen und ich ging (bzw. kroch fast) duschen. Ich bekam ein Medikament, weil ich recht viel Blut verloren hatte und daraufhin hatte ich etwas Fieber und Schüttelfrost.
Leider war für uns kein Familienzimmer frei, das war echt doof, besonders weil es mir eben nicht gut ging und ich geschwächt war. Ich trank die ganze Zeit fast ohne Pause und fragte immer wieder nach Wasser. Nach über 15 Stunden ohne Trinken hatte ich einiges nachzuholen!

Mein Freund konnte also nicht über Nacht bleiben, mittlerweile war es 23 Uhr. Auf der Wochenbettstation ging es in ein Dreibettzimmer, das zum Glück leer war. Ich war sehr dankbar, dass die Hebamme dort anbot den Kleinen bis zum frühen Morgen zu nehmen. Es tat mir im Herzen weh, aber ich war so fertig, dass ich mich nicht hätte kümmern können. So schlief ich ins neue Jahr und konnte mich etwas erholen.

Am nächsten Tag bekamen wir ein Familienzimmer, ich schreibe noch einmal einen Beitrag zu unserem Aufenthalt im Krankkenhaus!

Ich hatte eine schöne Geburt

Ich bin jedenfalls sehr glücklich und dankbar für die Erfahrung der Geburt. Besonders, dass es auf den letzten Drücker noch eine spontane Geburt wurde. Spannender hätte er es nicht machen können! Ich habe ja keine Vergleichsmöglichkeiten zu einer Geburt, wenn das Baby mit dem Kopf voran kommt und empfand diese Geburt nicht als schwerer, wie ich sie mir mit Baby in Schädellage vorgestellt hätte. Geholfen hat definitiv, die Professionalität und Normalität mit der die Hebammen der Geburt in Steißlage gegenübertraten. Ich fühlte mich nicht als “Sonderfall”.

Ja, es war zwar eine langer Tag, ein aufregender Tag, am Ende kam immerhin mein Baby auf die Welt. Ich fühlte mich auf einem konstanten, fortlaufenden Weg gen Zielgerade wandernd. Es ging stetig vorwärts und die Aussicht bald mein Baby in den Armen halten zu können motivierte und beruhigte mich immer wieder. Es half mir wohl auch, dass ich neugierig auf die Geburt zuging mit dem Vertrauen in das Personal und in meine eigenen Kräfte. Die Hebammen waren mir zwar unbekannt, doch ich bekam von Anfang an das Gefühl, dass sie voll für mich da waren.
Später habe ich gedacht, dass ich einiges vielleicht anders gemacht hätte, wie z.Bsp. mehr getrunken. Oder hätte ich es ohne Schmerzmittel genauso geschafft. Doch ich glaube auch daran in Momenten zu leben und es zählt wie ich mich unter der Geburt fühlte und ich hatte den ganzen Tag ein gutes, aufgehobenes Gefühl.

Nach der Geburt überwogen sofort Freude und Stolz alles gemeistert zu haben und ließen die Anstrengung und Schmerzen vergessen.

Links zu den erwähnten Beiträgen:

“Geburt in Steißlage – meine Erfahrungen & Gedanken”

“Beckenendlage – meine Erfahrungen und Wendeversuche

“Erste Tage im Krankenhaus