Das Baby liegt in Steißlage – nur keine Panik jetzt!

Mit diesem Beitrag möchte ich einen letzten Text zum Thema Steißlage und Steißgeburt schreiben. Ich möchte noch einmal mehr auf die Steißgeburt und einige Gedanken meinerseits dazu eingehen. Hier ist mein Geburtsbericht und hier mein Beitrag zur BEL und meinen (glücklosen) Wendeversuchen zu finden. Mir ist es wichtig meine Erfahrungen zu teilen, ich bin mir sicher, sie sind für andere Schwangere interessant.

Baby in Steißlage

Baby in Steißlage und wo sind die Erfahrungsberichte?

Ich hatte schon in dem Post zur Steißlage geschrieben, dass mir selber Erfahrungsberichte zu dem Thema Steißgeburt gefehlt haben. Ich konnte nur wenige finden, diese haben mir viel Mut gemacht und gezeigt, dass es schaffbar ist. Es ist möglich, was viele Frauen leider gar nicht wissen. Ich selber wusste dies lange nicht!
Ich hoffe ich kann mit meinem Beitrag der ein oder anderen Schwangeren ein paar Infos geben und Mut machen ein Baby in BEL vaginal zu gebären.

Hoffentlich habe ich nichts vergessen oder irgendetwas ausgelassen… 🙂 Für weitere, genauere Frage könnt ihr mir gerne eine Mail schreiben oder einen Kommentar da lassen.

Meine Erfahrungen in Finnland

Am Anfang zu erwähnen ist, dass meine Erfahrungen nicht eins zu eins vergleichbar sind mit denen in Deutschland.

Was ich las, war dass in Deutschland viele Krankenhäuser schnell sagen, sie machen lieber gleich einen Kaiserschnitt, sodass das Thema vaginale Geburt gar nicht im Raum steht. Oft gibt es in den Krankenhäusern niemanden (mehr), der sich mit der Geburt in Steißlage auskennt und damit Erfahrungen hat. Weil eben meist der Kaiserschnitt gewählt und empfohlen wird und die Geburtshelfer so natürlich keine Erfahrungen sammeln können.

Als ich fragte welches Krankenhaus sich denn am besten mit Steißgeburten auskenne, wurde ich fast angeblafft, dass es da keinen Unterschied gibt und alle gleich gut wüssten was zu tun ist. Das hat mich gleich beruhigt und mich weiter in meinem Entschluss gefestigt.

In Finnland ist das Gesundheitssystem so ausgelegt, dass alle Hebammen und Ärzte gleich auf jede Geburtssituation vorbereitet werden. Die Idee ist, dass egal in welches Krankenhaus sich eine Schwangere begibt die medizinischen Leistungen gleich verfügbar sein sollen.

Die Kaiserschnittrate liegt in Finnland übrigens bei ca. 17 %, in Deutschland hingegen um 30% und von der WHO ist eine Rate von 10-15% empfohlen. Das finde ich ziemlich interessant zu sehen und beunruhigend, dass die Zahlen in Deutschland gut doppelt so hoch sind. Ein Grund mag sein, dass die Krankenhäuser zu den Kommunen gehören und durch einen Kaiserschnitt nicht “reicher” werden. Die Denkweise eine Geburt als einen Kostenbringer zu sehen gibt so nicht in Finnland.

Ich war ja im Krankenhaus für den Versuch einer äußeren Wendung, als diese nicht klappte, fragte die Ärztin, was ich für eine Geburt ich mir wünschte. Ich sagte auf jeden Fall eine spontane Geburt trotz der Steißlage und sie nahm es einfach so hin. Das fand ich echt toll und fühlte mich von Anfang an ernst genommen.

Das Thema Kaiserschnitt kam erst wieder als letzte Möglichkeit ins Gespräch, sollte er sich nicht selber auf den Weg machen. Es wird (in Finnland) bei einer Steißlage nicht bis zu einer natürlichen Übertragung gewartet und ich bekam einen Termin 10 Tage nach dem ET, der zum Glück noch platzte.

Ruhig bewahren

Ganz wichtig ist und das ist immer leichter gesagt, als getan, sich nicht zu stressen. Das gilt auch für die Wendeversuche, wenn das Baby sich nicht drehen will, ist dies kein Weltuntergang! Ich habe meinem Baby irgendwann gesagt: „Es ist ok, dass du dich nicht drehen willst. Doch hast du keine Wahl und kommst eben mit dem Po zuerst.” Das scheint er sich zu Herzen genommen zu haben.

Theoretisch kann sich das Baby bis zur letzten Minute drehen, einfach auf das Baby und sich selber vertrauen und es wird schon gut, egal in welcher Position. Und dazu etwas positives Denken, das schadet ja nie!

Das Baby hat vielleicht einen Grund für die Steißlage

Vielleicht hat das Baby einen Grund, dass es sich nicht drehen kann oder einfach nicht möchte. Von Anfang an, war die Lieblingsposition unseres Kleinen und ist es weiterhin an der Schulter gehalten zu werden, dass er über die Schulter schauen kann. Ähnlich wie er im Bauch lag, beziehungsweise saß, wahrscheinlich mochte er die Position einfach gerne und sah keinen Anlass sich zu drehen. Auf eine Weise fand ich es toll, dass er sich nicht aus der Ruhe bringen ließ und „sein Ding” durchzog. Dadurch, dass sein Kopf oben lag, hatte ich vor der Geburt die Möglichkeit seinen kleinen Kopf zu streicheln, der ganz nah an meinem Herzen lag. Ein schönes Gefühl!

Informiere dich über den Geburtsablauf

Die Hebamme bei der ich zur Akupuntur war, hat mir den Ablauf bei einer Steißgeburt (in Finnland) erklärt. Ihre Erfahrungen und Berichte haben mich beruhigt und ich war während der Geburt entspannter. Ich wusste was auf mich zukommt, zum Beispiel als auf einmal eine Ärztin und weitere Hebammen dazu kamen. Sonst wird mit nur einer Hebamme entbunden, bei einer Steißgeburt wird aufgestockt.

Oder dass dem Baby erst beim Rauskommen geholfen wird, wenn es bis zu den Schulter rausgerutscht ist. Das Baby wurde sofort zum Kinderarzt gebracht, was einmal aus Routine geschieht und in unserem Fall auch nötig schien. (Es ging ihm aber schnell gut!) Durch diese Info davor,war ich nicht geschockt. Ich muss sagen, dieser Moment gab mir eine Chance zum Durchatmen nach der anstrengenden Geburt und er kam dann sehr schnell zu mir.

Die Hebamme im Krankenhaus sagte übrigens, dass Babys aus Steißlage geboren eine schönere Kopfform hätten. Wobei mein Freund meinte, sie sagte nur eine andere, nicht schönere Form. Ich bin mir sicher, sie sagte schönere. 😉 Kommt ein Baby mit dem Kopf voran, wird dieser wohl mehr in die Länge gezogen.

Höre auf DEIN Gefühl

Eins möchte ich noch einmal unterstreichen, ich finde es unerlässlich, dass sich jede Frau frei entscheiden kann wie sie sich die Geburt ihres Kindes vorstellt. Das ist aufgrund medizinischer Gründe nicht immer gegeben. Doch gerade in diesen Situationen ist es wichtig, die Frau so weit es geht selbstständig entscheiden und teilhaben zu lassen. Leider wird viel zu oft über den Kopf der Frau hinweg entschieden oder sie wird beraten wie es den Geburtshelfern (& der Finanzlage) am besten passt.

Ich finde es verständlich, wenn Frauen sagen, sie wählen einen Kaiserschnitt, weil sie Angst vor einer spontanen Geburt (in Steißlage) haben. Das ist ihr gutes Recht und ich kann es verstehen. Klar habe auch ich abgewogen was für mich und das Baby am besten ist und am Ende für eine spontane Geburt enschieden. Ewig kann trotzdem nicht gewartet werden, weshalb ja eigentlich schon der Kaiserschnitt fest stand und es zum Glück anders kam. (Siehe Geburtsbericht.)

Es ist einfach wichtig auf das eigene Bauchgefühl zu hören und dem zu folgen und nicht dem Rat eines Arztes oder einer Hebamme. Kleine Zweifel sollten genauso Beachtung finden wie größere Sorgen, besonders von den Geburtshelfern. Gerade bei einer Steißgeburt ist es bedeutend, das Gefühl zu haben in guten Händen zu sein und das sollte natürlich gewährleistet sein.
Ich bin der Meinung, eine Mutter weiß und spürt was das Beste für sich und ihr Kind ist. Es lohnt sich darauf und besonders auf seine eigenen Körperkräfte zu vertrauen!

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