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Mahlzeit! Warum mein Kind nicht aufessen muss

Ein Thema, was mir am Herzen liegt und zu dem ich schon länger Gedanken im Kopf hatte: Das Essen aufessen und die (Un-)Wichtigkeit von Tischmanieren, darum geht es heute. Essen ist meiner Meinung nach ein sensibles Thema. Besonders als Eltern finde ich es wichtig sein eigenes Verhalten am Esstisch zu reflektieren.

Aufessen – Zwang am Esstisch?

Vielen Menschen ist das Drumherum bedeutend, es soll schön aussehen bei Tisch. Hübsch gedeckt und es schmeckt sofort besser, das Auge isst mit. Für mich eine individuelle Entscheidung, kein Muss. Je nach Lust und Laune finde ich es schön den Tisch herzurichten.

Für andere sind Tischmanieren richtig wichtig. Nicht mit vollem Mund sprechen, mit Messer und Gabel (richtig gehalten) essen, keine Ellenbogen auf den Tisch legen. Ob Tischmanieren mit Kindern wirklich ein wichtiges Gebot zur Mahlzeit sind, darüber lässt sich streiten. Und vor allem, wäre es möglich sie ohne Stress und Zwang durchzusetzen?

Mahlzeit - Warum mein Kind nicht aufessen muss
Die Hauptsache ist doch, dass es schmeckt! 😉

Essen dient der Nahrungsaufnahme, wir müssen essen um neue Energie zu sammeln. Deshalb glaube ich nein, mit weniger Druck am Tisch essen wir entspannter. Und sind wir ehrlich, Regeln lassen sich meist nur mit Stress umsetzen. Gerade diese, die für ein Kind nicht verständlich sind. „Wo sollen meine Ellenbogen denn hin, wenn nicht auf den Tisch?” Nicht zu vergessen, zu jeder (gemeinsamen) Mahlzeit gehört die soziale Seite, zusammen an einem Tisch sitzen, sich austauschen, entspannen können. Das ist doch herrlich!

Ja warum denn nicht?

Um den Bogen zur Überschrift zu spannen, mein Kind muss nicht aufessen, weil ich es auch nicht (immer) tue. Ich kann doch von meinem Kind kein Verhalten erwarten, das ich selber nicht konsequent befolge. Es lohnt sich zu überlegen, warum man sich ein Verhalten wünscht oder es verlangt.

Soll es aufessen, weil es bei Gästen, den Anschein erwecken könnte, das Essen sei nicht lecker? Es wird mit Messer und Gabel gegessen, weil man das halt so macht? Warum sind feste Regeln am Tisch vielen Menschen (Eltern) wichtig? Eine Antwort könnte sein, weil sie es aus der eigenen Kindheit kennen. Und wir sind wieder bei der erwähnten Selbstreflexion angelangt.

Regeln? Och nö…

Ich persönlich bin kein großer Fan von Benimmregeln. Ein Grund wird sein, ich bin nicht mit ihnen aufgewachsen. Aufessen musste ich zum Beispiel nie. Zwanghaft den Gebrauch von Messer und Gabel erlernen? Kenn ich nicht. (Unter uns, wenn möglich esse ich nur mit der Gabel, ist entspannter. 😉  Kann aber beides benutzen.)

Ja, Knigge würde sich eventuell die Haare raufen. Das heißt aber nicht, dass ich mit der Suppenschüssel à la Michel aus Lönneberga auf dem Tisch sitze und mein Kind tut dies ebenso wenig. Ich bin halt eher unkonventionell aufgewachsen, habe diese sehr genossen und möchte das meinem Kind genauso vorleben. Ich bin mir sicher, durch ein gutes Vorbild (Beispiel: die Suppenschüssel nicht als Hut verwenden.) gebe ich meinem Kind mehr mit, als durch ein starres Regelwerk.

Gegen einen Aufesszwang 

Manchmal schmeckt mir ein Essen nicht oder die Portion war zu groß, dann lasse ich (Skandal!!1!elf!) einen Rest übrig. Diesen kann man ja später essen, sich einpacken lassen, wegwerfen ist wirklich die letzte Option.

Ich finde es gut (neues) Essen zu probieren, manchmal schmeckt ein Gericht, das erst komisch aussah hervorragend. Trotzdem würde ich mein Kind nie dazu zwingen. Ermuntern zu probieren ja, aber auf ein Drama „erst probieren, dann darfst du aufstehen o.ä.” würde ich mich nie einlassen. Mein Kind soll essen nicht mit Zwang verbinden.

Manchmal sind die Augen eben größer als der Magen, dies trifft sogar auf mich noch heute zu. (Buffets sind für mich nach wie vor eine Falle…) Das Kind selber das Essen auftun, bei der Gerichteauswahl mitbestimmen lassen, Vorlieben aller berücksichtigen. Ich denke, das entspannt die Situation am Esstisch deutlicher als Regeln.

Damals…

Ich erinnere mich, wie ich früher als Kind zu Besuch bei Freunden mitgegessen habe. Öfters liefen Mahlzeiten dort anders ab, als von daheim gewohnt. Auch das gehört dazu, Menschen essen unterschiedliche Gerichte und für manche sind dazu gewisse Benimmregeln unabdingbar. Das kann besonders ein Kind nervös machen. (Und natürlich auch Erwachsene)

Meiner Meinung nach, ist es aus diesem Grund so wichtig, dass Kinder einen selbstbewussten Umgang mit Essen vorgelebt bekommen. Sie sich nie gezwungen fühlen zu essen, was ihnen nicht schmeckt. Und dies freundlich kund zu tun, ohne die kochende Person zu verletzen. Mit Respekt für die Essenden und die Kochenden, können wir das Abenteuer Essen alle male entspannter erleben. Egal ob mit Messer und Gabel oder nur dem Löffel in der Hand… 😉

Aufessen – ja oder nein?

Wie sieht es bei euch an Tisch aus? Sind euch gewisse Dinge wichtig? Wie war es in eurer eigenen Kindheit?

Dieser Text nimmt teil an der Blogparade „Tischmanieren der Kinder” die Chrissy von Sonnenshyn.de.

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13 Comments

  1. Das mit dem Aufessen sehe ich ganz genauso wie du. Ich selbst esse auch mal nicht alles. Und ich erwarte das auch nicht von meinen Kindern. Wenn sie keinen Hunger mehr haben, oder es ihnen einfach nicht schmeckt, dann müssen sie es nicht hinunterwürgen. Ich will ihnen ja die Freude am Essen nicht verderben. Sind sie satt, dann weise ich darauf hin, dass es dann aber vor dem Zubettgehen nichts mehr gibt. Manchmal essen sie dann doch noch ein wenig. Schmeckt es nicht, wird noch ein Brot oder so angeboten.
    Sie müssen allerdings alles probieren. Da lasse ich nicht locker. Denn wenn es danach ginge, würden sie sich ausschließlich von Fleischpflanzerln ernähren.
    Auf Manieren achten wir jetzt so langsam. Ich finde, sie kommen irgendwann einfach in ein Alter, da muss man ein paar Dinge beherrschen. Mit geschlossenem Mund kauen und nicht schlurfen. Ellbogen mei, die habe ich selbst auch häufig auf dem Tisch. Aber der Große muss jetzt das Schneiden üben. Wenn es mal in den Hort geht, schneiden die denen das Essen nicht mehr in Mundgerechte Stücke.
    LG, Tina

    1. Ich hoffe einfach, dass wir ganz gute Vorbilder sind, dass ich keine großen “Schulungen” machen muss… Ich bin gespannt ob das so klappt.
      Und wie ich schrieb, ich finde probieren auch wichtig. Habe aber auch einfach keine Lust und sehe für uns keinen Sinn das zu erzwingen. Wir haben aber auch das Glück, dass A. wirklich meist alles von selbst testet. 🙂

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Und “zur Not” lernt er das Schneiden im Hort von selbst, weil es ihm eben keiner macht und ein ganzesn Schnitzel nicht in den Mund passt. 😉
      Lieb Grüße

  2. Hier muss auch nicht gegessen werden, aber probiert. Das finde ich wichtig! Und auch wenn einmal gesagt wurde, “…das mag ich nicht”, versuche ich sie zu animieren noch einmal zu probieren. Manchmal mögen sie es dann doch.
    Gepupst und gerülpst wird beim Essen nicht! Da bin ich auch sehr streng! Und schön ist es, wenn sie nicht absichtlich schmatzen, das kann ich nicht hören. Aber ansonsten gibt es bei uns auch keine Regeln.
    Toller Artikel! Ich liebe so etwas zu lesen. Essen soll Spaß machen, Regeln gibt es genug im Leben 😉

    Liebe Grüße Melanie

    1. Ich glaube Kinder haben echt so Phasen, zeitweise konnte ich Zucchini in alles tun und derzeit wird, wenn überhaupt nur ein Bissen gegessen. Deshalb finde ich es auch gut, es immer mal wieder anzubieten. Geschmäcker ändern sich eben.
      Recht hast du, die Kids werden schon genug mit Regeln (die halt oft sinnvoll sind) behelligt. 😉
      Liebe Grüße und danke dir für deinen Kommentar,
      Lara

  3. Für mich ist wichtig das nicht mit vollem Mund gesprochen wird und zumindest mit dem Messer schneiden können ist mir wichtig. Auch schmatzen und blubbern mit dem Strohhalm bis das Getränk überläuft mag ich nicht. Ansonsten schließe ich mich uneingeschränkt allem bereits gesagtem an

    1. Oh ja, Kleckerunfälle finde ich auch nicht so prickelnd, also die “mutwillig” 😉 verursachten. Ich hoffe halt, das wir ganz gute Essvorbilder sind und er sich einiges abguckt. Mal sehen ob das so klappt… 😉
      Danke für deinen Kommentar und liebe Grüße,
      Lara

      1. Ich glaube Vorbild sein alleine reicht nicht weil sie irgendwann testen oder bei anderen etwas beobachten und dann auch ausprobieren. Aber davon mal abgesehen finde ich eure Einstellung zum Essen genau richtig.

        1. Leben mit Kindern ist auch irgendwie immer “trial and error”, mal sehen wie es bei uns in einiger Zeit aussehen wird. 😉

  4. Für Benimmregeln bin ich zwar schon, aber sicherlich noch nicht in dem Alter in dem A. gerade ist. Ich würde wollen, dass mein Kind Essen wirklich kennenlernt, durch mantschen, kosten, evt. auch nicht mögen. Und aufessen ist auch Humbug. Mussten wir früher auch nicht. Wenn man satt ist, ist man satt. Aber wie gesagt, die Benimmregeln à la Knigge sind mir enorm wichtig und ab, sagen wir mal, Grundschule würde ich schon versuchen mein Kind daran heranzuführen. Aber mit der “Auflage”, dass diese Regeln nicht starr eingehalten werden müssen, sondern dass man halt darüber Bescheid weiß, wenn man mal mit der Queen essen sollte. Oder sowas 😀

    1. Eine Frage des Alters ist es natürlich auch, ganz klar! Ich hoffe eben, dass wir als “ordentlich essende” Eltern Vorbilder sind und so keinen Knigge Kurs machen müssen. 😉 Denn wie im Text geschrieben, auf dem Tisch rumhüpfen muss jetzt auch nicht sein… 😉

  5. Aufesse- Nein, denn ich selbst esse auf, weil ich es nicht sehen kann mit den Resten und stopfe auch ohne Hunger in mich rein, total ungesund.
    Aber das hat für mich nichts mit Manieren zu tun, auf die lege ich wert, da ich sowieso schon leicht krankhaft auf Geräusche reagiere ist es für mich unerträglich wenn geschmatzt wird, mit offenem Mund gekaut, oder sogar mit vollem Mund gesprochen, bäähhh, dann möchte ich am liebsten aufstehen.
    Mir ist es auch wichtig, dass meine Kinder wissen wie man Besteck benutzt. Ist seit Generationen bei uns weitergegeben worden. Früher hieß es “Wir sind zwar arm, aber das muss man uns nicht anmerken. Benimm dich zu Hause wie beim König, dann kannst du dich beim König wie zu Hause benehmen.”
    Ich bin froh, dass mir das meine Mutter beigebracht hat und dass es bei ihr auch so war und vorher und vorher bis 18Hundertirgendwas, wenn auch kein Fleisch auf dem Tisch, aber Benehmen muss sein

    1. Ach ja und selbst als Minizwerge konnte ich meine Kids nicht mit Essen mantschen lassen, zum Glück wollten sie das auch nicht, da hab ich das Gefühl ich dreh durch wenn ich das sehe.
      Und dann musste ich einer 7 Jährigen Gastfreundin den Gebrauch vom Messer zeigen, weil sie ihre Bratwurst bei uns am tisch nicht schneiden konnte “Bei uns wird nichts gekocht das man schneiden muss.” aaahhhh!!!!!!!!

      1. Da hast du ja Glück, dass sich deine Kids gleich so gut benehmen. 😉 Ich finde das Mantschen auch manchmal nervig, weil die Kids es eben nicht sauber machen. Aber das gehört eben dazu, Essen kennenlernen und erkunden. 🙂
        Liebe Grüße und danke für deinen Kommentar!

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