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Warum wir Eltern lieber abwarten, statt vergleichen sollten

Natürlich weiß ich, dass Vergleiche zwischen Kindern unangebracht sind. Trotzdem empfinde ich es manchmal schwer mich davon zu befreien. Es passiert unbemerkt, fast automatisch. Das merke ich besonders im (neuen) Alltag mit zwei Kindern. Baby L. drehte sich das erste Mal, sofort schlug ich in meinen Notizen nach, wann A. dies als Baby machte.

Jedes Kind besitzt sein eigenes Tempo, das wurde mir in den letzten Wochen wieder bewusst. Ich habe mir vorgenommen beim zweiten Kind (noch mehr) darauf zu vertrauen, dass meine Kinder nach ihrem eigenen Fahrplan neue Dinge lernen werden.

Der Weg ist das Ziel.

Wie erwähnt, es sagt sich so leicht nicht zu vergleichen. Schnell blitzen sie bei mir auf, die Gedanken, welches Kind nun schneller, größer, schlauer ist. Höre ich in Babytreffs oder auf dem Spielplatz: „Mein Kind schläft durch und deins?” „Wir sind schon windelfrei und ihr?” Oft ist dies sicher bloß Smalltalk und Austausch, welcher unter Eltern richtig und wichtig ist. Leider finde ich bekommt es schnell den Beigeschmack des Kräftemessens.

Vergleichen? Ich doch nicht!

Wir schauen zu schnell auf Kinder und vergessen, dass sie nicht alle gleich beginnen sich zu drehen, zu sitzen, zu laufen, you name it. Es wird auf ein Ergebnis geschaut, dabei ist es ebenso wichtig, wie das Kind zu diesem „Lernziel” kommt. Nach dem Motto „der Weg ist das Ziel”. Schon auf diesem Weg lernt und entwickelt sich das Kind weiter. Dieser Prozess ist vielleicht weniger messbar, wie ein kopfhebendes Baby oder ein trockenes Kleinkind.

Ja, Kinder lernen unaufhörlich. Alles ist neu für sie, die Welt müssen sie noch erkunden. Bei diesen Prozessen können und sollten wir Eltern ihnen beistehen. Was nicht immer einfach ist, meist reicht es nur da zu sein. Doch ohne Aufgabe fühlen wir uns Eltern schnell so leer und neigen dazu, mit dem Kind für das „nächste Ziel” zu trainieren. „Töpfchentraining” oder gar „Schlaftraining” sollen das Kind wieder einem Ziel näher bringen. Aus diesem Karussell auszusteigen finde ich gar nicht leicht.

Erst kürzlich befand ich mich wieder in diesem Karussell. Ich überlegte, mit vier Jahren sollte es nachts, wie bei vielen anderen, ohne Windeln klappen? Was müssen wir Eltern tun, um A. zu helfen nachts ohne Windel zu schlafen? Am Ende haben wir nichts getan und es kam der Abend an dem A. von selbst keine Windel mehr wollte. Wir freuten uns mit ihm und, dass wir der Versuchung widerstanden zu intervenieren.

Abwarten ist die beste Medizin

Das war ein Schlüsselerlebnis und mir sind ähnliche Situationen eingefallen. Im letzten Sommer bekam A. ein Rad, zwei oder drei Mal stieg er für wenige Sekunden drauf. Es kam der Winter und ich dachte daran, in seinem Alter fuhr ich schon Rad. Ich bemerkte, wie immer mehr seiner Freunde zum Kindergarten radeln. (Ich habe verglichen!) Sollten wir nicht lieber etwas üben, sobald der Schnee weg ist? (Ich ließ mich von Außen beeinflussen und wollte eingreifen!)

Abwarten und schon klappt die erste gemeinsame Radtour.

Es kam der Frühling und A. wünschte sich von selbst das Rad zu holen. Er setzte sich drauf und fuhr los!

Ich war einmal mehr stolz zu sehen, was er alles so selbstständig meistert, wenn er nur nicht gedrängt wird. Den Kindern Zeit geben und machen lassen, ich denke schon diese zwei einfachen Zutaten geben den Kindern Möglichkeiten ihre Selbstständigkeit zu entdecken. Egal was andere Kinder machen oder bereits können.

Natürlich bin ich ein wenig stolz, dass ich ihn machen lassen habe, nach seinem Tempo. Wie ist das bei euch? Erwischt ihr euch auch manchmal dabei, dass ihr vergleicht und denkt ihr müsst mit eurem Kind die anderen ein- oder gar überholen?

2 Comments

  1. Richtig!
    Kinder machen einen Hindernislauf – drehen, sitzen, Löffel halten, Windeln ablegen…
    Jedes Kind muss über die “gleichen” Hindernisse und fast alle tun es in der gleichen Reihenfolge.
    Doch die Geschwindigkeit ist unterschiedlich.
    Vielleicht schläft ein Kind eher durch als ein anderes – aber ist das gleichbedeutend damit, dass es später früher selbständig ist? Toll, ein anderes Kind zählt schon im Kindergarten bis 12 – eine Garantie für einen Abitur mit Note 1,0 ist es dann aber doch nicht.

    Pestalozzi sagte einst: Kein Kind soll mit einem anderen verglichen werden – außer mit sich selbst.
    Dem weiß sogar ich nichts mehr hinzuzufügen. 😉
    LG
    Der Yeti

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