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Mein Baby braucht einen Pass…

… und das klingt einfacher als es war. Die liebe Bürokratie macht nämlich vor keinem Land halt, ganz besonders nicht vor Finnland. Folgt unserem Irrweg durch den Ämterwald!

Am letzten Tag des Jahres ist unser Kleiner also geboren. Im Krankenhaus wurde gar nicht nach dem Vornamen gefragt. Das schien überhaupt niemanden zu interessieren, auf allen Dokumenten hieß er bloß Junge + mein Nachname.
In Finnland kriegen viele Kinder nämlich erst zur Taufe oder wahlweise Namensparty ihren Vornamen. Ca. 2 Monate hat man dafür Zeit einen Namen anzugeben, sonst wird einer zugewiesen. Interessant wäre zu testen ob das wirklich stimmt, wer den Namen wählt und vor allem was es für ein Name wäre. Ich habe gelesen, dass das Standesamt erst viel später als 2 Monate einen Namen verlangt.

Ja und wie wird das Baby genannt, wenn es noch keinen Namen hat? Baby (“vauva” auf Finnisch) zum Beispiel. Die Zwillinge die ich in meiner Au-pair Zeit betreute liefen die ersten Wochen unter A und B. Viele Finnen sagen, sie wollen erst das Baby sehen um den richtigen Namen auswählen zu können. Uns waren 9 Monate genug und glücklicherweise passte der gewählte Name sehr gut. Ich finde es so unpersönlich und kalt, das Baby nicht beim Namen nennen zu können.

Offiziell namenloses deutsches Baby ohne Vater

Wir verließen mit einem offiziell namenlosen Baby das Krankenhaus. Genauer einem deutschen namenlosen Baby, Finne musste er noch werden. Das habe ich erst durch seine Geburt gelernt, ein Baby geboren egal wo auf der Welt mit deutscher Mutter ist automatisch deutsch. Puh, ein Amtsweg weniger!
Wie wird unser Kleiner nun Finne? Genau durch seinen finnischen Vater! Nur ist er offiziell gar nicht Vater, immerhin sind wir nicht verheiratet und auch Finnen können altmodisch sein.

Gut zwei Wochen nach der Geburt trudelte Post vom Standesamt ein, wir bekamen ein Formular um den Namen des Kindes anzugeben. Einen Vater hatte er immer noch nicht. Dank einer kurzen Onlinerecherche fanden wir heraus, dass sich jemand vom “Vaterschaftsklärungsbüro” mit uns in Verbindung setzen werde. Da wir Ende März nach Deutschland fliegen und vorher einen Pass brauchen, wollten wir nicht lange warten.
Der nächte Vormittag wurde ein langer mit vielen Telefonatee, die zuständige Sachbearbeiterin beim “Vaterschaftsklärungsbüro” hat morgens nur eine kurze Zeit, wenn sie telefonisch erreichbar ist. Eine Kollegin sagte mir zum Glück, dass die Infos vom Baby (also der Name) noch nicht bei ihnen angekommen sind. Dem Standesamt fehlt Auskunft über meinen Familienstatus, um die Daten weiterzuleiten.

Ok, blauäugig wie ich bin dachte ich, ich rufe an und die Sache ist geritzt. Pustekuchen! “Wir brauchen einen Nachweis aus Deutschland, dass du dort nicht verheiratet bist.” Sollte ich dort mit irgendeinem Hans verheiratet sein, wäre dieser automatisch der Vater.
Gar nicht so einfach, diese Amtsgeschäfte mit einem kleinen Baby auf dem Arm zu regeln. Zum Glück war die Dame im Bürgeramt in Hannover sehr effektiv und ich hatte schon nach wenigen Tagen meine “Ledigkeitsbescheinigung” in den Händen. Effizenz können die Deutschen! 😉

Wo sind wir mittlerweile auf dem Weg zur finnischen Staatsbürgerschaft, einem Pass und einem offiziellen Vater? Nicht schwer den Faden zu verlieren in diesem Dschungel der Ämter.
Die Bescheinigung aus Deutschland hatte ich ja schnell und ich schickte sie sofort zum Standesamt. Dann kontaktierte ich unsere Sachbearbeiterin und wir bekamen einen früheren Termin für die Anerkennung der Vaterschaft als von ihr zugewiesen, weil wir ja den Pass schon bald brauchten.

Wir fühlten uns auf der Zielgerade…

Ich war etwas nervös, wurde ich doch von meiner Mutter und “Schwiegermutter” beunruhigt, dass sie in den 80er Jahren Fragen zu intimen Kontakten zu weiteren Männern im Zeitraum der Zeugung beantworten mussten. Nicht, dass das dies der Fall war und ich etwas zu verbergen hatte. 😉 Doch sind dies nicht die Fragen, die ich vor fremden Menschen beantworten möchte.
Im Endeffekt wurden wir nur gefragt seit wann wir zusammen sind und seit wann wir zusammen wohnen.

So einfach, so gut, doch wie sollte es anders sein. Die Sachbearbeiterin war sich nicht sicher ob das Standesamt, das im Endeffekt die Vaterschaft anerkennt meinen Personalausweis akzeptiert. In Finnland haben eigentlich alle einen Pass und so wird dies auch von den Nicht-Finnen erwartet. Ich erklärte ihr, dass ich einen Pass nur bräuchte sollte ich die EU verlassen und es gang und gäbe ist nur einen Perso zu besitzen. Sie versprach sich zu bemühen und meldet sich am nächsten Tag.

Wir spielten schon alle Szenarios durch. Einen Kinderreisepass über die deutsche Botschaft zu beantragen um erstmal fliegen zu können. Oder mir so schnell es geht einen Pass zu besorgen um gleich dazu die Vaterschaft anerkennen zu lassen.
Die Panik war zum Glück umsonst, mein Perso wurde akzeptiert!

Jetzt konnten wir uns endlich um den Pass kümmern. Der wird bei der Polizei beantragt, wo die Schlangen immens sind. Ich fand zum Glück online eine Zeit wo ich mich anmelden konnte um der Schlange zu entgehen.

Es fehlte noch ein Passbild. Ja, in Finnland brauchen Babys ein Bild im Pass. Dieser ist im übrigen 5 Jahre gültig und in einem halben Jahr wird er wohl schon deutlich anders aussehen als auf dem Bild…
Hin ging es zum Fotografen, bzw. einem Schuster, der auch Passbilder macht. Fehlentscheidung! Baby wurde aus dem Wagen genommen und geweckt, nicht sehr nett. Dann hielt ich ihn in die Kamera, ging besser als gedacht und es wurde geknipst.
Ein paar Tage später bin ich zur Polizei und war so froh, dass es endlich vorbei sein wird. Wieder mal ein fataler Irrtum. Das Passbild war zu hell! Ich dachte ich drehe durch! Zum Glück konnte ein neues per Post nachgeschickt werden.

Also hatten wir das Spiel nochmal und bekamen neue Bilder, die wir natürlich nicht bezahlten. Sie sahen wieder verdächtig hell aus, wurden zum trotzdem Glück akzeptiert. Nach nicht einmal einer Woche bekam ich die erlösende SMS, dass der Pass im Kiosk abzuholen sei. Effizienz können die Finnen eben auch, meistens zumindest. 😉 So mussten wir nicht wieder zur Polizei und anstehen.

Ende gut, alles gut. Nun ist er endlich Deutscher und Finne und hat dazu noch einen Vater!

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8 Comments

  1. das ist eigentlich nicht lustig aber jetzt, da euer kleiner doch noch einen vater hat, zum schmunzeln 🙂 wir haben für unsere tochter auch einen pass gemacht, waren 2x beim fotografen bis es mit dem passbild klappte. Auch unseres ist überbelichtet, wurde zwar akzeptiert aber man sieht es schlecht. Gut dass er in AT bis zum 2. Lebensjahr gratis ist 😉

  2. Oh man, was ein Irrweg O.O habe Euch übrigens nicht vergessen Warte nur auf etwas was ich "bestellt" hab für Euch von ner Freundin die Näht.. irgendwie braucht sie so lange.. Wenn bis Ende der Woche nix da ist, schicke ich Dein Päckchen ohne Zusatz los… und wenn ich das dann mal habe – dann nach 😮

    Liebe Grüße
    Nicole

  3. In Deutschland ist der erste Kinderreisepass auch 6 Jahre gültig. Meine 4,5 Jährige, mit der wir viel durch die Gegend gereist sind und jetzt auch viel zwischen London und Berlin hin und her fliegen, sorgt bei jeder Passkontrolle für ein Lächeln, denn ihr Passbild entstand als sie 3 Monate alt war!

    Aber ich gehe mal davon aus, dass die Passkontrolleure ein geschultes Auge haben. Bisher hatten wir zumindest noch keine Probleme, obwohl meine Große natürlich mit Haaren und Zähnen ziemlich verändert aussieht 😉

    Viele Grüße aus London,
    Uta

  4. Hallo, ich bin via Mama Schulze zu dir gelangt 🙂
    Was für ein Behördenspiessrutenlauf. Aber so ist das nun mal. Ich bin Deutsche in der Schweiz. Es brauchte tonnenweise Dokumente für die Heirat mit meinem Mann, ein Schweizer. Unsere Kinder haben automatisch einen schweizer Pass bekommen, weil ich vor der Geburt noch Schweizerin geworden bin. Irgendwann muss ich mal schauen, wie das ist, dass meine Mädels noch den deutschen Pass bekommen… Hatte bisher noch keine Lust auf den Behördenkram, weil unsere Ehe nicht in Deutschland eingetragen ist und es dann wiederum komplizierter ist mit der Vaterschaft usw. Aber so genau hab ich da noch nicht nachgeforscht.

    Ich finde es also auch spannend zu lesen, wie man als Familie in Finnland so lebt.

    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Miriam

  5. Ich muss als Juristin klugscheißern: Das stimmt so nicht, dass ein Kind einer deutschen in jedem Land der Welt automatisch auch deutscher Staatsbürger wird. Manche Länder wenden ius sanguinis an, da richtet sich die Staatsbürgerschaft des Kindes nach der Staatsbürgerschaft der Eltern, z.B. eben Finnland oder auch Österreich. Manche Länder wenden ius soli an, da bekommt das Kind die Staatsbürgerschaft des Staates, in dem es geboren wurde, z.B. in den USA ist das so.
    Klugscheißern beendet 😉

  6. Hier in Holland hat mein Sohn mit der Geburt sowohl die deutsche als auch die niederländische Staatsbürgerschaft erhalten (ich bin Deutsche, bin mit einem Niederländer verheiratet). Bisher hat er aber nur einen niederländischen Personalausweis (mit Foto, 5 Jahre gültig), weil ich den Behördengang scheue. Als ich im Deutschen Konsulat in Amsterdam meinen deutschen Pass verlängert habe, wurde ich recht unfreundlich behandelt…
    Viele Grüße aus Holland,
    Kristine

  7. Das hast du amüsant geschrieben und besonders beim letzten Satz musste ich schmunzeln 😉
    Was für uns Leser zum Schmunzeln ist, war für euch sicherlich gar nicht so lustig und ich freue mich für euch, dass ihr das nun abhaken konntet 🙂

    Liebe Grüße…

Ich freue mich über einen Kommentar von dir.