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#FrauenErzählen: Kreisrunder Haarausfall – meine Erfahrungen & Tipps

Dieses Mal bei #FrauenErzählen ist niemand zu Gast, sondern ich erzähle selber. Ich möchte von einer weniger schönen Zeit aus dem Jahr 2016 berichten, die ich bis jetzt im Blog nicht erwähnte. Mich plagte kreisrunder Haarausfall (Alopecia Areata) und ich teile meine Erfahrungen und was mir in dieser schwere Zeit half.

Auch, wenn ich es niemandem wünsche, vielleicht hast du ähnliche Erfahrungen gemacht oder stehst an dem Punkt, wo du eine kahle Stelle am Kopf entdeckt hast? Ich hoffe ich kann dir mit meinem Bericht Mut machen und helfen. Eins sei vorweg gesagt, du bist nicht alleine und meist sieht es schlimmer aus, als es ist!

#FrauenErzählen: meine Erfahrungen und Tipps zu kreisrundem Haarausfall
Herbst 2017: Juchhu, ich habe die Haare wieder schön!

Kreisrunder Haarausfall? Das betrifft mich nicht.

Ich hatte nie Probleme mit meinen Haaren, früher, als Kind hatte ich richtig dicke Haare. Etwas dünner wurde meine Mähne durch verschiedene Experimente in meiner Jugend. Dreadlocks und diverse Haarfarben haben Spuren hinterlassen. Jedoch musste ich mir nie Gedanken um meine Haare machen. War ich beim Friseur und die Haare wurden mehr als „nur die Spitzen bitte” gekürzt, war es kein Drama. Meine Haare wuchsen schnell nach.

Ab und an stieß ich in den Medien auf Berichte von Menschen, die an Haarausfall litten. (Wie von dieser YouTuberin.) Mehr Aufmerksamkeit als, Mitgefühl und dem Gedanken, dass es mich nicht betrifft, habe ich dem Thema nie geschenkt.

Bis zum Sommer vor einem Jahr. Ich saß in Deutschland auf dem Sofa und mein Stiefvater ging hinter mir vorbei und bemerkte eine kahle Stelle oben auf meinem Kopf. Etwa so groß wie die Fingerkuppe meines kleinen Fingers. Ich schaute mir die Stelle an und schenkte ihr keine weitere Bedeutung. Vielleicht war die Stelle schon immer da und blieb unbemerkt?

Gut zwei Monate später fiel mir die Stelle wieder ein und ich bat J. sie zu suchen. Er stellte fest, dass die Stelle so groß wie sein Daumen war. Mich durchzog ein Schreck und ich wollte es selber sehen. Tatsächlich der kahle Fleck war gewachsen. Ich versuchte einen kühlen Kopf zu bewahren und vereinbarte sofort einen Arzttermin.

Vergebliche Ursachenforschung

Ganz ehrlich? Den Besuch im Gesundheitszentrum hätte ich mir schenken können. Der verordnete Bluttest ergab keine Auffälligkeiten. Die Ärztin war wenig taktvoll: „Vielleicht brauchst du mal eine Perücke.” Sie verschrieb mir eine Kortison Tinktur.

Ein gutes Gefühl hatte ich nicht bei dem Kortison, trotzdem holte ich es aus der Apotheke. Einmal trug ich die Tinktur auf die kahle Stelle. Die Kopfhaut brannte unangenehm und ich rührte das Medikament nicht weiter an. Zudem ist die Wirkung unklar, da durch die äußerliche Auftragung das Kortison nicht tief genug in die Kopfhaut eindringen kann. (Mehr Infos zur Kortinsontherapie findest du zum Beispiel hier.)

Was genau die Ursachen waren, kann ich nicht sagen. Es muss keinen direkten Grund geben. Genaue Gründe sind noch nicht erforscht, weshalb es nicht hilft sich den Kopf zu zerbrechen. Persönlich vermutete ich Stress als Grund.

In den nächsten Wochen entdeckte ich zwei neue Stellen, eine weitere direkt auf dem Kopf, eine über dem linken Ohr. Es sah aus wie eine Art Sidecut und war die größte Stelle, die sich ziemlich ausbreitete. Die beiden anderen Stellen waren gut ein Viertel so groß. Auf dem Bild unten sieht man schon kleine Haare nachkommen.

Ich habe überlegt, ob ich das Bild überhaupt zeigen möchte. Doch dieser Anblick gehört nun mal zu meiner Geschichte dazu.

Was mir geholfen hat

Ich möchte mit dir teilen, was mir in dieser Zeit half und vielleicht sind Tipps für dich dabei, solltest du an einem ähnlichen Punkt stehen.

Ich möchte kurz anmerken, dass jeder Weg individuell ist und es sich lohnt eigene Lösungen zu finden. Was für mich gut war, muss nicht für dich der optimale Weg sein.

1. Wähle deine Informationsquellen sorgfältig

Ja, klingt gar nicht so leicht, nicht drauflos zu googlen. Das ist es gewiss nicht. Doch es ist wichtig, sich nicht verrückt machen zu lassen von Horrorgeschichten. Das Internet ist endlos und schnell stoßt man auf diverse (ominöse) Behandlungstipps von (selbsternannten) Experten.

Natürlich ist es gut und unterstützend sich Infos zu suchen, was ich auch tat. Hier sind Links und Artikel, die mir halfen. Sie gaben mir neutrale, medizinische Infos und schenkten mir Zuversicht.

2. Friseurbesuch

Der erste Arztbesuch war für mich wenig hilfreich und machte mich nur nervöser. Doch wer kennt sich besser aus mit Haaren als die Zunft, die sie täglich in den Händen hält? Genau, die Friseure!

Ich war in Deutschland bei einer Friseurin, die mich sofort beruhigte. Sie sagte, dass ich mir erst Sorgen machen muss, wenn nach einem halben Jahr keine neuen Haare wachsen. (Zu dem Zeitpunkt, drei Monate nach dem Auffinden des ersten „Lochs” wuchsen schon die ersten kleinen Härchen.)

Und sie schnitt mir eine Frisur, die es mir leicht machte, die kahlen Stellen über zu verstecken.

#FrauenErzählen: meine Erfahrungen und Tipps zu kreisrundem Haarausfall
Herbst 2016: Kein Loch zu sehen, dank guter Friseurkunst!
3. Mut zum Hut

Ich habe jegliche Scheu abgelegt und war auch mit Mütze drinnen. Im Supermarkt habe ich meine Kopfbedeckung nicht abgesetzt oder blieb bei einem Cafébesuch „oben mit”. Das Glück war auf meiner Seite und es war Herbst, da fiel eine ständige Mütze auf dem Kopf eh nicht auf. 😉

Klar, ich wusste, dass der Haarausfall nicht meine Schuld ist. Trotzdem fühlte es sich nicht schön an plötzlich wie ein gerupftes Huhn auszusehen. Mit einer Mütze oder Tuch auf dem Kopf fühlte ich mich wohler.

4. Biotin Tabletten

Ich bekam den Tipp Biotin Tabletten zu nehmen und nahm sie ein halbes Jahr täglich. Im Laden wurde mir versichert, nach drei Monaten wachsen die Haare wieder. Das taten sie auch, ob es wirklich diesen Tabletten zuzuschreiben ist, kann ich nicht sagen. Doch der Glaube versetzt manchmal Berge… 😉

5. Abwarten und ruhig bleiben

Auch, das ist leichter gesagt als getan. Vor allem, wenn der eigene Körper plötzlich etwas macht, was man nicht beeinflussen kann. Doch sich nicht verrückt zu machen ist wohl der beste Tipp, den ich anderen Betroffenen geben kann. Ich las mich durch (die oben verlinkten) Artikel und sie beruhigten mich. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Haare einfach nachwachsen ist sehr hoch und liegt bei 75-80%. Darauf vertraute ich und wartete.

Ein paar Monate später – der Spuk ist vorbei

Im Spätherbst 2016, ging ich erneut zum Arzt. Von meinem ersten Besuch, war ich ja wenig begeistert. Trotzdem war es gut Ärzte aufzusuchen und in alle Richtungen zu schauen.

Beim zweiten Mal war es ein anderer Arzt, dieser war deutlich gelassener: „Das Haar wächst ja schon wieder. Kreisrunder Haarausfall kann leider jedem passieren. Komm wieder, falls das Haar nicht weiter so gut nachwächst.” Dann hätte er mich zu einem Hautarzt geschickt. (In Finnland sieht man nicht sofort einen Facharzt.)

Weihnachten 2016, es waren sechs Monate vergangen, wuchsen an allen drei Stellen schon viele Haare. Ich musste mir bald keine Gedanken mehr darum machen, ob die kahlen Punkte bedeckt sind, da es die neuen Haare selber taten. Schnell schenkte ich dem Haarausfall keine große Beachtung mehr. Ich hoffe, dass ich beschwerdefrei bleibe, wenn nicht, weiß ich zumindest, dass dies nicht das Ende bedeutet.

Lass dich nicht unterkriegen

Ich hoffe ich konnte dir helfen mit meinem Bericht. Vielleicht hast du Fragen? Das Wichtigste ist, nicht zu vergessen, das Haar wächst (für gewöhnlich) nach. Dieses Thema ist verständlicherweise ein sensibles und es ist normal sich unwohl zu fühlen und den Kopf am liebsten unter einer Mütze verstecken zu wollen. Mach dies ruhig (siehe Punkt drei)! Hauptsache du fühlst dich wohl, egal wie viele Haare du auf dem Kopf hast.

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4 Comments

  1. Liebe Lara, gut, dass Du anderen mit Deiner Geschichte Mut machst und besonders gut, dass Deine Haare wieder wachsen. Ich glaube Dir, dass es schwierig war, mich ärgern ja schon die zunehmenden grauen Haare…Und doch wirkt es von Außen betrachtet wohl selten so arg wie es sich selber anfühlt. Viele Grüße, Svenja

    1. Liebe Svenja,
      ja, es ist komisch, wenn die Haare plötzlich etwas machen, was man nicht beeinflussen kann… Und wie schlimm man es selber empfinden ist eben subjektiv, da können für einen auch graue Haare ein Drama sein. 😉 Danke für deinen Kommentar,
      Lara

  2. Liebe Lara,

    toll, dass Du so offen mit dem Thema umgehst, für das sich viele Frauen und Mädchen schämen und sich nicht trauen, sich jemandem zu offenbaren. Ich selbst kannte ein junges Mädchen (15 Jahre), die unter kreisrundem Haarausfall litt. Die Ursachen waren auch bei ihr unklar. Irgendwann fasste sie einen mutigen Entschluss und rasierte sich den Kopf. Danach wuchsen die Haare wieder, aber nie wieder, wie zuvor. Ich habe gesehen, wie sehr sie darunter litt (gerade in dem Alter) und fand es sehr traurig, dass ich ihr nie richtig helfen konnte.
    Daher finde ich es super, dass Du Deine Erfahrungen und Tipps hier teilst!

    Liebe Grüße
    Lotti

    1. Liebe Lotti,
      danke für deine lieben Worte. Ja, es ist nichts für was man sich schämen sollte, trotzdem ist es nicht einfach, wenn man auf einmal nicht dem Schönheitsideal entspricht. Wow, diese Radikalfrisur ist irre mutig und das hätte ich mich nicht getraut.
      Liebe Grüße,
      Lara

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