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Großstadt oder lieber ein Haus am Wald? Wo möchte ich leben?


Ich bin in einer Großstadt aufgewachsen, mit knapp über 500 000 Einwohnern trifft auf Hannover sogar die Bezeichnung “große Großstadt” zu. Natürlich labge nicht vergleichbar mit mega Großstädten wie Berlin, Madrid oder London. Das waren die wohl größten Städte, die ich besucht habe. Als Touristin war das aufregend, könnte ich mir vorstellen dort zu leben? Wohl eher nicht. Doch wo möchte ich  wohnen, in der Stadt oder auf dem Land? Genau darüber habe ich mir Gedanken gemacht.

Ausflug in das Großstadt Wirrwarr

Am letzten Wochenende machten wir einen  Ausflug in ein Einkaufszentrum in Helsinki. (Wir wohnen in einem Vorort.) Dieses Einkaufszentrum ist riesig und ich fand es schrecklich dort. Obwohl ich den Trubel aus Hannover eigentlich gewohnt sein sollte. Ich überlegte, bin ich zu einem Landei geworden? Wo ich fest glaubte, ich sei ein “city – girl 4 life” oder so ähnlich…

Großstadt oder Dorf?
Ein Haus im Grünen, Lebenstraum vieler Menschen.

Endstation Wald

2007 kam ich als Aupair nach Finnland und dachte,  anhand der Erzählungen meiner Gastfamlie, ich lande in einer Kleinstadt. Diese Vorstellung  war ungewohnt für mich, trotzdem freute ich mich über die Abwechslung. Vor allem baute ich auf die Zuganbindung nach Helsinki. Mit 20 Jahren waren mir Dinge wie Shopping, Party und Abenteuer wichtig in erreichbarer Nähe zu wissen.

Am Tag meiner Ankunft wurde ich am Flughafen von meiner Gastfamilie abgeholt. Wir fuhren durch die Kleinstadt. Auf einmal sah ich aus dem Fenster ein gelbes Schild mit schwarzen Häusersilhouetten drauf, diese waren rot durchgestrichen. Ohne große Finnischkenntnisse verstand ich, der Ort ist hier zu Ende.

Wir fuhren eine Weile weiter, ich beruhigte mich, vielleicht haben die sich nur verfahren… Wir bogen in einen Waldweg ein und standen nach einer Kurve vor einem Haus, mitten in der Pampa.

Bus? Ham wa nich´!

Naja, es gibt ja sicher einen Bus zum Bahnhof… Nach diesem fragte ich am Abend motiviert. “Auf den kannst du nicht zählen, der fährt nur wochentags um die Kinder zur Schule zu bringen. Du hast ja hier ein Auto.”

Ich nahm es sportlich, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Wald direkt vor der Tür lud ein für Spaziergänge und Walking Ausflüge. Es war definitiv eine Erfahrung für mich auf ein Auto angewiesen zu sein. Ohne Auto ging dort nichts.

Ein Leben ohne Auto

Es zeigte mir klar, dass dies nicht mein Lebensstil ist. Ich wuchs auf, dass ich nie von einem Auto abhängig sein musste. Freunde konnte ich zu Fuß oder mit der Straßenbahn errreichen und meist ging es dem Rad zur Schule. Ohne Auto fühle ich mich unabhängiger.

Die Auswahl an Großstädten in Finnland ist gering, richtig riesig und “großstadtmäßig” ist nur Helsinki. Eine Stadt, die für andere als ein verschlafenes Dorf erscheinen mag. Mir reicht es oder sagen wir, ich finde es praktisch neben dieser großen Stadt mit all ihren Möglichkeiten zu wohnen.

Denn durch meine Erfahrungen in Finnland, kann ich es mir nur noch schwer vorstellen, direkt in der Stadt zu wohnen. Es würde mir die “Waldanbindung” fehlen, aus dem Haus in wenigen Minuten im Wald. Deshalb bin ich zufrieden, wie wir jetzt wohnen.

Großstadt oder Dorf?
Was ich an Finnland liebe, die Natur und Ruhe.

Nah bei der Natur

Wir leben, ich würde es vielleicht als semi-urban mit Wald vor der Tür beschreiben. Wir haben einen Bahnhof vor der Nase, der Zug bringt uns überall hin. Supermärkte sind nicht direkt neben dem Haus, aber zu Fuß gut zu erreichen.

Wir fallen offiziell nicht in die Kategorie Großstadtleben, für finnische Verhältnisse und mit der Hauptstadt in 20 Minuten entfernt eher schon. Wir wohnen innerhalb der Straße “Ring 3”, es wird gesagt, außerhalb des Ringes hört das Leben auf. Das würde dann auf 95% des Landes treffen… 😉

Ich liebe diese Mischung mittlerweile sehr. Die Natur ist nah, es ist ruhig und trotzdem ist alles was wir brauchen erreichbar. Auch ohne Auto, was mir ja wichtig ist. Ich bin froh, dass J. und ich uns da einig sind. Den “Ring 3” würde er eh nie verlassen. 

Ja, also das Leben direkt in der Stadt hat sich wohl für mich ausgelebt. Ich hab es lieber entspannter und brauche die Vorzüge die eine Großstadt  (dort ist eben immer etwas los) in allzu nah nicht mehr. Ich würde die Natur vermissen und mache lieber mal einen Ausflug in die Stadt, als aus der Tür in die Stadt zu fallen. 😉

Leben mit Kind

Besonders ein Kind beeinflusst das Leben ja ungemein, welch Überraschung, haha. Für uns ist es wichtiger, dass Spielmöglichkeiten in der Nähe sind, statt Bars und Kino um die Ecke zu haben.

Wenn wir in Hannover zu Besuch sind, finde ich es mit Kind teilweise anstrengend dort. Es wirkt lauter, hektischer und wir sind viel mehr von den Spielplätzen abhängig. Will man in den Wald um freier laufen zu können geht das nicht so leicht. Dinge, an die ich früher nicht gedacht habe.

Vielleicht doch wieder Großstadt? Wer weiß…

Gerade heutzutage, wo das Leben irgendwie viel schneller ist und man selten einen Job für das ganze Berufsleben hat, sind Ortswechsel normal. Ja, werden wohl auch von einem erwartet. Deshalb sage ich ganz klar, es kann sein dass wir in 10 Jahren vielleicht im großen Berlin oder groß-beschaulichen, immer noch heimischen Hannover sitzen und es unerwartet wunderbar finden…

Am Wichtigsten ist, man ist glücklich dort wo man lebt und hat liebe Menschen um sich. Da ist der Wohnort am Ende eigentlich unwichtig. 🙂

Und du?

Wie ist das bei dir? Wo bist du aufgewachsen, wie wohnst du jetzt? Dort wo du es dir immer erträumt hast?

Vielen geht es ähnlich, dass sich Wünsche, wo man leben möchte ändern, wenn man ein Kind hat.

Wie ist das bei dir? Ich freue mich über Kommentare oder hast du gar Lust einen eigenen Beitrag in deinem oder meinem Blog (als Gastbeitrag) zu schreiben? Ich freue mich auf Gedanken zum Thema. 🙂

Bis bald und viele Grüße aus Finnland,

Lara

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8 Comments

  1. Ah, du bist aus Hannover, ich eigentlich auch 🙂 Eigentlich, weil nur dort geboren, mit 3 bin ich nach München gekommen. Also auch Großstadtkind. Und ich wollte immer am liebsten in London oder wenigstens in Hamburg leben, also noch größer. Nur passt das irgendwie nicht so sehr zu dem ruhigen Leben, dass ich führen möchte, ich sehne mich nämlich immer nach einsamer, ländlicher Gegend. Ein Haus irgendwo an der Küste wäre mein Traum, ganz still und abgelegen. Aber ich brauche auch die Nähe zur Stadt, zur Großstadt, vor allem, weil ich kein Auto und keinen Führerschein habe, und ich schnell was einkaufen können muss. Oder einfach mal durch die Stadt laufen möchte. Ich bin da immer etwas hin und hergerissen.
    Vor ein paar Jahren bin ich dann noch mal nach Hannover gezogen, aber ich hatte sehr laute Nachbarn und konnte es in meiner Wohnung nicht mehr aushalten. Da ich zu der Zeit meinen Freund kennengelernt habe, der in Oberhausen wohnte, bin ich dann zu ihm gezogen. Und nun wohnen wir in Mülheim, einer Stadt mit 167.000 Einwohnern … ich muss mich noch daran gewöhnen, dass hier eben nicht so viel los ist und die U-Bahn bzw. Stadtbahn nur alle 15 min. kommt, abends nur noch alle halbe Stunde. Dafür wohne ich in einem sehr ruhigen Haus, und wenn ich mal shoppen gehe denke ich jedesmal, wow, ist das hier angenehm, nicht so überlaufen! 🙂 Menschenmassen stressen mich immer, das war vor allem in München immer die Hölle.
    Ich habe mich ganz gut an die kleinere Stadt gewöhnt und weiss auch, dass ich schnell in eine größeren fahren kann (Essen, Düsseldorf, Duisburg), wenn ich möchte.

    Den Wald direkt um die Ecke haben ist natürlich perfekt, wo du lebst, könnte es mir auch gefallen. Ich brauche die Natur um mich herum. Und Ruhe. Menschen machen Krach, Autos machen Krach … ich fände es schön, in der Pampa zu leben 🙂 Immer mit der Option, auch schnell mal wieder Großstadtluft schnuppern zu können.

    1. Wie spannend! Ja, wo die Liebe einen manchmal hinlotsen kann… 😉 Toll, dass du auch aus Hannover bist, es ist wirklich eine schöne Stadt. Es sind zum Glück nicht alle Nachbarn dort laut. 😉

      Ohne Auto wird man gerade in der finnischen Pampa leider gar nichts… Aber ein Urlaub als Übung wäre vielleicht was für euch. 😉 Ich mag es auch sehr, die Möglichkeiten vor der Tür zu haben. Ganz ohne die Nähe zu einer Stadt würde mir doch was fehlen…

  2. Ich habe bisher immer eher städtisch gewohnt. Zwar nicht großstädtisch, Saarbrücken ist ja nicht so riesig, aber eben schon im Trubel, zB mitten auf dem Markt mit Kneipen und Boutiquen. Unser Haus liegt jetzt in der nächstgrößeren Stadt, einer Mittelstadt, allerdings so, dass wir in zwei Richtungen direkt am Wald sind und auch hinter unserem Haus liegt ein Park, der kein Bauland ist. Das ist mir unheimlich wichtig, ich will zur Tür rausgehen und im Wald sein können. Ohne Auto. Da ich aber generell nie ohne Auto sein will, ist es mir recht, wenn ich zB nen Supermarkt nur mit Auto erreichen kann. Wobei in unserem Fall einer fußläufig am Rande des Wohngebiets liegt, also streng genommen haben wir hier das full package, weswegen wir akzeptieren, dass unser Häuschen theoretisch ein Zimmer/15-20qm zu klein ist.

    Gerade gestern habe ich ein Hörbuch gehört in dem es einen nächtlichen EInbruch gab – das Haus lag zwar im Ort, aber eben doch abgelegen. Davor gruselt es mich schon, da ich nachts ja oft alleine bin. Also so sehr ich mir immer ein Haus im Wald, weit entfernt von der Zivilisation vorstelle, so sehr habe ich auch Angst vor nächtlichen komischen Geräuschen *g*

    1. Da sind unsere Ansprüche wohl sehr gleich. 🙂 Ich muss auch sagen, dass ich gerne Auto fahre, aber es mir nicht vorstellen könnte es zu müssen. Um zbsp einkaufen zu gehen.

      Oh je, die Angst vorm Einbruch… Kenne ich und ein Grund, warum ich wohl auch ein Mehrfamilienhaus vorziehe. Als Aupair, damals im Wald, las ich einen Mankell Krimi, Ehepaar wird in Haus im Wald überfallen. Das war gleich doppelt spannend… 😉

  3. Hallo liebe Lara,
    Ich kann das, was du schreibt sehr gut nachfühlen. Zwar habe ich schon mein ganzes Leben lang in München gewohnt, aber als Kind war ich oft bei meinen Großeltern auf dem Land. Und das war toll! Trotzdem kann ich mir im Moment nicht vorstellen, aus München wegzuziehen. Ich liebe diese Stadt einfach! Mittlerweile wohne ich jedoch am Stadtrand und habe sogar ein großes Naturschutzgebiet direkt vor der Nase. Das ist super!
    Für Kinder ist es einfach super wichtig, oft in der Natur zu sein. Und da ist es natürlich toll, dass ihr einen Wald vor der Tür habt!
    Das Bild mit den verschneiten Bäumen sieht einfach traumhaft aus!
    Liebe Grüße
    Marina von ideas4parents

    1. Hallo Marina,
      genau, diese Mischung, die du beschreibst und in der du wohnst, ist super. Ein Naturschutzgebiet ist ja eigentlich wie ein Wald. 😉

      Das Bild ist gleich bei uns hinterm Haus entstanden, zurzeit ist es mal wieder richtig Winter. 🙂

      Liebe Grüße, Lara

  4. Liebe Lara,
    grade über das Thema denke ich auch zur Zeit viel nach. Ich bin in einer mittelgroßen Stadt geboren, in Patagonien in einem Dorf aufgewachsen, habe dann einige Jahre in einer Millionenstadt gelebt und bin nun wieder in der mittelgroßen Stadt wo ich geboren wurde gelandet. Persönlich mag ich das Chaos riesiger Städte und fühle mich in so einem Betondschungel frei. Aber seitdem eine eigene Familie ein realistischer Plan ist, fühle ich mich immer mehr zur Natur und einem “ruhigen” Leben hingezogen. Ich möchte, dass meine Kinder draußen spielen können, im Wald spazieren, und und und..
    Danke für den tollen Artikel! (Das Bild vom verschneiten Wald ist traumhaft!)

    1. Hallo Rina, Millionenstadt klingt schon aufregend, es ist bestimmt ein Abenteuer so zu leben. Auch für Kinder, aber ich würde wohl auch, wie du, die Natur in der Nähe vorziehen.

      Danke für deinen netten Kommentar und Kompliment. 🙂
      Viele Grüße, Lara

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