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Mein Geburtsbericht von einer spontanen Steißgeburt

Ich möchte meine Geburtsgeschichte mit dir teilen, mein Sohn befand sich in Beckenendlage (BEL).  Er ist als spontane Steißgeburt auf die Welt gekommen. Ich hoffe, ich kann mit meinem Bericht Frauen in ähnlicher Lage Mut machen. 🙂

Steißgeburt – mein Wunsch

Es war mir persönlich wichtig, dass es eine spontane Geburt wird. Da auch bei einer BEL nicht ewig gewartet werden kann, stand am 31.12. ein Kaiserschnitt (KS) an. Der Termin war sozusagen die Deadline für eine spontane Geburt und das Datum brannte sich fest in meinen Kopf. Der Termin wurde zehn Tage nach dem eigentlich errechneten Termin angesetzt. Und dieser Tag rückte näher und näher, ich wurde immer nervöser…

Drei Tage vor dem eventuellen KS hatte ich ein Tief und war sehr traurig. Ich hatte ziemliche Angst vor der Operation und es schien sich nun immer mehr darauf zuzubewegen. Am meisten Kummer bereitete mir, dass ich mir für mein Kind einen selbstbestimmten und natürlicheren Start ins Leben wünschte, als von Ärzten geplant und aus dem gemütlichen Bauch „gerissen”.

Ich versuchte den Kaiserschnitt anzunehmen

Ich bereitete mich (endlich) seelisch auf einen KS vor und stoppte alle (mehr oder weniger) wehenfördernden Mittelchen. Im Nachhinein glaube ich, dass so der „Knoten” geplatzt ist. Das Baby merkte, meine Anspannung ist weg und es sei eine gute Zeit sich auf den Weg zu machen.

Weihnachten ging der Schleimpropf ab und ich hatte immer mal leichte, jedoch unregelmäßige Wehen. Weshalb ich die ganzen Tage schon sehr unruhig war ob es nicht doch noch vor dem angesetzten Termin los geht… Am 30.12. verspürte ich am Vormittag ein heftiges Ziehen in der Leistengegend, was schnell wieder besser wurde.

Am Abend rief ich im Geburtskrankenhaus an, um acht Uhr sollten wir am nächsten Morgen kommen. Um neun Uhr sollte der Kaiserschnitt statt finden. Ich war das Warten leid und freute mich mein Baby am Morgen endlich kennenlernen zu können.

Wir haben wir nochmal aufgeräumt, in Ruhe gegessen und einfach Zeit miteinander verbracht. Da hatte für mich Planungsfreak der vorgegebene Termin der Geburt auch etwas Positives, ich konnte alles was ich vorbereiten wollte noch erledigen. Für morgens um halb acht haben wir ein Taxi bestellt, gegen Mitternacht sind wir ins Bett. Um sechs Uhr sollte der Wecker klingeln, doch dazu kam es nicht mehr…

Unerwartet kommt oft

Um zwei Uhr wurde ich wach und musste zur Toilette. Ich war erst faul und wollte nicht. Ich überlegte ob ich schon die OP Strümpfe anziehen sollte. Diese sollte ich vor dem Aufstehen am Morgen anziehen. Ich entschied dies später zu tun und raffte mich auf Richtung Klo.

Als ich auf der Toilette saß hörte und merkte ich in meinem Bauch einen Knacks. Mir war sofort klar, dass dies die Fruchtblase sein muss und schon beganna auch das Wasser zu laufen. Ich bin zurück zum Bett und weckte meinen Freund: „Nicht lachen, die Fruchtblase ist geplatzt.” Er war ziemlich zerknirscht, da er gerade erst eingeschlafen war.

Ich legte mich wieder hin, rief im Krankenhaus an und bestellte das Taxi um. Wegen der BEL sollten wir sofort kommen, da ich noch keine Wehen spürte konnten wir ein Taxi nehmen. Ich wurde vorher angewiesen, ich darf bei geplatzter Fruchtblase nur liegend per Krankenwagen kommen. Ich war erleichtert, dass mir dies erspart blieb.

Das Taxi war schnell da, wir nahmen die wochenlang gepackten und bereiten Taschen mit. Während der Fahrt fiel mir auf, dass ich noch meine Beißschiene im Mund hatte… 😀 Und ich spürte auf der kurzen Fahrt zum Krankenhaus schon einige Wehen.

Im Kreissaal

Ankunft im Krankenhaus

Viertel vor drei Uhr erreichten wir schon das Krankenhaus und es ging auf die Geburtsstation zur Anmeldung, wo wir von einer Hebamme empfangen wurden. Mit der sind wir in einen Untersuchungsraum und ich wurde ans CTG geschlossen, etwas später gingen wir zu einer Ärztin. Es wurde ein Ultraschall gemacht und das Baby auf unter vier Kilo geschätzt. Somit gab es grünes Licht für eine spontane Steißgeburt, sollten sich regelmäßige Wehen einstellen und der Muttermund weiterhin öffnen war der Kaiserschnitt kein Thema mehr. Eine gute Nachricht, zu dem Zeitpunkt war der Muttermund drei Zentimeter geöffnet.

Zurück im Zimmer begannen die Wehen deutlicher zu werden und nun dachte ich, dass ich endlich weiß was echte Wehen sind. Es hatten ja immer alle gesagt, dass man dies weiß, wenn es soweit ist und mich nervte die Aussage fast. Als Erstgebärende ist diese Aussage nunmal nicht sonderlich hilfreich. Immerhin wusste ich es nun!

Es ging in den Kreißsaal

Am frühen Morgen, wanderten wir in den Kreißsaal. Dort blieben wir die ganze Zeit bis es auf die Wochenbettstation ging. Es war wirklich angenehm, dass wir zwischendurch keine Räume wechseln mussten und die ganze Zeit an einem Ort waren.

Da es theoretisch immer noch zu einem KS kommen konnte sollte ich die ganze Zeit nichts essen und trinken. Zwischendurch wenige Schlucke Wasser waren erlaubt, ich bekam im Laufe des Tages einen Tropf um Flüßigkeit zu bekommen. Dass ich nüchtern bleiben musste war im Nachhinein wohl das Schlimmste und Härteste an der Steißgeburt. Hunger verspürte ich die ganze Zeit keinen, aber getrunken hätte ich gerne mehr. Ab und an habe ich “heimlich” aber Wasser getrunken.

Ich habe ziemlich schnell begonnen nach Schmerzmitteln zu fragen, die Hebamme gab mir erst ein Wärmekissen, was toll half. Ich hüpfte auf einem Peziball, J. massierte mich. Doch ich hatte einfach keine Lust die Wehenschmerzen weiter auszuhalten. Ich dachte ich drehe durch, es fühlte sich an, als ob ich zerspringe.

Im Nachhinein denke ich, dass ich wahrscheinlich kraftloser war, weil ich nüchtern bleiben sollte und weil eine spontane Steißgeburt gar nicht mehr auf meinem Radar war. Ich hatte mir Gedanken zu Schmerzmitteln gemacht und den Entschluss gefasst, dass ich sehe wie es kommt, lieber Schmerzmittel nehme als mich zu quälen, beweisen musste ich niemandem etwas. Ich bekam eine PDA und die Zeit verging recht schnell.

Dank der PDA konnte ich mich etwas ausruhen, immerhin hatte ich nachts nur knapp zwei Stunden geschlafen. Es stand bald ein Schichtwechsel an und es kam eine neue Hebamme samt Hebammenschülerin, diese war fast nonstop bei uns und blieb zur Geburt. Die zweite Hebamme begleitete uns bis 15 Uhr und es kam wieder eine Neue, gerade als es langsam begann ernster zu werden. Der Muttermund war schon sehr weit geöffnet, doch der Po war noch nicht richtig runtergerutscht. Die Herztöne des Babys waren den ganzen Tag über konstant gut, dass einem weiteren Warten nichts entgegen stand.

Alle drei Hebammen, die mich betreuten waren total nett und ich habe mich die ganze Zeit über sicher und total gut betreut gefühlt. Im Nachgespräch mit der Hebamme, die bei der Geburt dabei war, sagte ich, dass ich nie ein Gefühl von Angst verspürte. Die Hebamme verspürte eine sehr angenehme Professionalität, die mich beruhigte und ich wusste, sie würde mir helfen mein Baby auch mit Popo voran auf die Welt zu bringen.

Steißgeburt
Ein Blick in den Kreissaal, links mein Fuß.

Es wird ernst!

Als Hebamme Nr. dra da war rückte die Pressphase näher, das Baby war gut nach unten gerutscht und der Muttermund komplett geöffnet. Es kam noch eine Ärztin und weitere Hebamme hinzu, die Hebammenschülerin war geblieben. Eine Steißgeburt ist nicht alltäglich und sie wollte nebenbei noch etwas lernen.

Normalerweise ist nur eine Hebamme anwesend, bei einer Steißgeburt wird sicherheitshalber aufgestockt. Die Hebamme die dazu kam sagte zu Beginn, was es für eine entspannte und ruhige Stimmung im Raum sei. Es lief eine Rossmann Wellness CD in Dauerschleife, die schien zu wirken und die PDA dazu tat ihr übriges. 😉 Und ich hatte im Gefühl, dass Unruhe mir nicht helfen wird.

Die Hebamme sagte, ich sollte einfach mal versuchen zu pressen. Und ich spürte auf einmal das dringende Bedürfnis aufs Klo zu gehen, doch es wurde mir von allen versichert, das sei jetzt mein Baby. Was ich nicht glauben wollte, auf einmal sollte es so fix gehen. Ich sagte immer wieder, dass kann nicht sein, ich muss nun wirklich zum Klo.

Es ging also los,  meine spontane Steißgeburt

Ich sollte die Beine hochhalten, es wurden Beinstützen wie beim Frauenarzt zur Unterstützung angebracht. Zum Glück standen zwei Hebammen neben mir und halfen meine Beine zu heben. Definitiv war es gut, dass ich während der Schwangerschaft sportlich aktiv war. Die Geburt empfand ich, als eine ziemlich athletische Angelegenheit.

Ich hatte kein Zeitgefühl, am Ende dauerte die Pressphase 45 Minuten und es hätten 5 Minuten oder fünf Stunden sein können.
Die Hebammen und Ärztin waren eine super Motivation, sie schrien immer wieder: „Weiter, weiter!” Und auch mein Freund feuerte mit an und half mir meinen Kopf gegen die Brust zu drücken beim Pressen. Wie eine Spitzensportlerin  vom Publikum angefeuert jam ich mir vor, ich war der Mittelpunkt und alle taten ihr Bestes mir zu helfen. Ich wusste jede Wehe bringt mein Baby und mich näher und spürte dass dieser Zustand endlich sei.

Bei der nächsten Wehe sollte ich besonders tief Luft holen und lange pressen. Ich nahm all meine Kraft zusammen und es kam endlich der langersehnte Mini-Popo zum Vorschein! 🙂 Ich wusste jetzt ist es fast geschafft. Ein bisschen musste ich noch pressen, denn es wurde gewartet, bis das Baby zu den Armen selber rausrutschte. Dann griff die Ärztin ihn mit einem Handtuch und verhalf dem Kopf nach draußen.

Endlich ist er da!

Um 16 Uhr 35 war er geboren! Ich sah sofort die schwarzen Haare, genau wie ich bei meiner Geburt. Ein wirklich bewegender Moment und sofort dachte ich: „Och, das war ja gar nicht so schwer.” (Hormone sind schon super!) Er wurde gleich in ein Untersuchungszimmer gebracht, was normal bei Steißgeburten ist, weshalb ich nicht beunruhigt war. Auf dem Flur hörte ich schon seinen ersten Schrei und wusste mich bestätigt, alles ist gut.

Es kam die Nachgeburt und auf meinen Wunsch wurde ein Stück der Plazenta herausgeschnitten. Das habe ich eingeschickt und es werden homöopathische Kügelchen draus gemacht. Das schien die Finninnen sehr zu beeindrucken. 🙂
Mein Freund durfte sehr schnell zum Kleinen, zu Beginn war sein Puls schwach, doch nach 10 Minuten hatte er schon die volle Punktzahl nach dem Apgar-Index und alles war in Ordnung mit ihm.

Dann wurde mein Baby endlich zu mir gebracht, ein unbeschreiblicher Augenblick! Er war noch viel niedlicher als ich dachte und sah mir als Baby so ähnlich. Er weinte ein bisschen und kam sofort unter mein Hemd auf meine Brust. Ich begann mit ihm zu sprechen, wie lange hatte ich mich danach gesehnt und doch schien es, als kannten wir uns schon ewig. Ich begrüßte ihn und sprach ihn sofort mit seinem Namen an, der einfach perfekt passte. Er begann die Brust zu suchen, dass er kaum Hilfe von der Hebamme zum Anlegen brauchte und begann wie ein Weltmeister zu saugen.

Ich musste ziemlich viel verarztet werden, wenn anders gewünscht kam ich nicht ohne Schnitte aus. Das war mir aber mittlerweile egal! Etwas surreal war, als die Hebamme meinen Freund bat ihr neuen Faden aus einem Schrank zu reichen… Er war eben rundum für uns alle eine gute Hilfe.

Wir waren nach der Geburt noch lange im Kreißsaal, der Kleine wurde mit Papas Hilfe gewaschen und ich ging (bzw. kroch fast) duschen. Ich bekam ein Medikament, weil ich recht viel Blut verloren hatte und daraufhin hatte ich etwas Fieber und Schüttelfrost.
Leider war für uns kein Familienzimmer frei, das war echt doof, besonders weil es mir eben nicht gut ging und ich geschwächt war. Ich trank die ganze Zeit fast ohne Pause und fragte immer wieder nach Wasser. Nach über 15 Stunden ohne Trinken hatte ich einiges nachzuholen!

Mein Freund konnte also nicht über Nacht bleiben, mittlerweile war es 23 Uhr. Auf der Wochenbettstation ging es in ein Dreibettzimmer, das zum Glück leer war. Ich war sehr dankbar, dass die Hebamme dort anbot den Kleinen bis zum frühen Morgen zu nehmen. Es tat mir im Herzen weh, aber ich war so fertig, dass ich mich nicht hätte kümmern können. So schlief ich ins neue Jahr und konnte mich etwas erholen.

Am nächsten Tag bekamen wir ein Familienzimmer, ich schreibe noch einmal einen Beitrag zu unserem Aufenthalt im Krankkenhaus!

Ich hatte eine schöne Geburt

Ich bin jedenfalls sehr glücklich und dankbar für die Erfahrung der Geburt. Besonders, dass es auf den letzten Drücker noch eine spontane Geburt wurde. Spannender hätte er es nicht machen können! Ich habe ja keine Vergleichsmöglichkeiten zu einer Geburt, wenn das Baby mit dem Kopf voran kommt und empfand diese Geburt nicht als schwerer, wie ich sie mir mit Baby in Schädellage vorgestellt hätte. Geholfen hat definitiv, die Professionalität und Normalität mit der die Hebammen der Geburt in Steißlage gegenübertraten. Ich fühlte mich nicht als “Sonderfall”.

Ja, es war zwar eine langer Tag, ein aufregender Tag, am Ende kam immerhin mein Baby auf die Welt. Ich fühlte mich auf einem konstanten, fortlaufenden Weg gen Zielgerade wandernd. Es ging stetig vorwärts und die Aussicht bald mein Baby in den Armen halten zu können motivierte und beruhigte mich immer wieder. Es half mir wohl auch, dass ich neugierig auf die Steißgeburt zuging mit dem Vertrauen in das Personal und in meine eigenen Kräfte. Die Hebammen waren mir zwar unbekannt, doch ich bekam von Anfang an das Gefühl, dass sie voll für mich da waren.

Später habe ich gedacht, dass ich einiges vielleicht anders gemacht hätte, wie mehr getrunken. Oder hätte ich es ohne Schmerzmittel genauso geschafft. Doch ich glaube auch daran in Momenten zu leben und es zählt, wie ich mich unter der Geburt fühlte und ich hatte den ganzen Tag ein gutes, aufgehobenes Gefühl.

Nach der Geburt überwogen sofort Freude und Stolz alles gemeistert zu haben. Ich bin sehr dankbar für die Erfahrung der spontanen Steißgeburt. Diese Gefühle ließen die Anstrengung und Schmerzen schnell vergessen.

Links zu relevanten Beiträgen zum Thema Steißgeburt im Blog:

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5 Comments

  1. Hach Mensch, ich freue mich sehr für dich, dass es nicht zum Kaiserschnitt kam und letztlich insgesamt alles gut gelaufen ist.
    Das mit den homöopathischen Kügelchen musst du mir aber bitte nochmal genauer erklären, bitte…Klingt spannend…

    Liebe Grüße 🙂

  2. Ich freu mich sehr, dass das nun doch die natürliche Geburt war, die du dir gewünscht hast 🙂 Danke für den Bericht, er ist toll!

    Ich wusste übrigens gar nicht, dass Kinder auch mit dem Popo zuerst rauskommen können o_O

  3. Liebe Lara-Elain,

    (etwas verspätet) herzlichen Glückwunsch zur Geburt. Eine BEL-Spontangeburt und das beim 1. Kind – großer Respekt, davon hört mal nicht all zu oft.
    Die Plazenta-Globulis habe ich auch anfertigen lassen, dem Baby brauchte ich sie bisher noch nicht verabreichen, aber ich selbst habe mich bereits bedient, als ich eine Brustentzündung hatte – hat übrigens super geholfen.
    Liebe Grüße, Nana

  4. Wow, so schön!

    Ich lese gerne Geburtsberichte und ich finde es wirklich toll, dass du dich Spontangeburt in BEL getraut hast und alles geklappt hat. Ich glaube auch, dass dein Bericht anderen Frauen mit Babys in BEL Mut machen kann auch so zu gebären.

    LG Miriam

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