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#FrauenErzählen: Leben mit Endometriose +Tipps für Anlaufstellen

Regelmäßig kommen unterschiedliche Frauen in der Rubrik #FrauenErzählen im Blog zu Wort und erzählen aus ihrem Leben. Was ist deine Geschichte

Ganz ehrlich? Wirklich etwas anfangen konnte ich mit dem Begriff „Endometriose” nichts, bis Sonja mich anschrieb und bat ihre Geschichte teilen zu dürfen. Ich danke ihr sehr für ihren Einblick, ich habe viel gelernt und hoffe ihre Schilderungen und Tipps für Endometriose Patientinnen, die sie am Ende teilt helfen anderen Betroffenen.

Sonja hat zwei kleine Töchter und lebt mit ihrem Mann in Österreich. Auf ihrem Blog „Sonjas besondere Welt” schreibt sie über ihr Familienleben.

#FrauenErzählen Endometriose

Ich möchte von meinem Leidensweg mit der Krankheit Endometriose berichten. Mir ist es wichtig somit andere Frauen auf diese Krankheit aufmerksam zu machen, denn Endometriose ist leider relativ unbekannt.

Zu Beginn eine kurze Erklärung, was Endometriose bedeutet:

Die Endometriose ist eine der häufigsten Frauenkrankheiten im geschlechtsreifen Alter.[…] Sie ist definiert als das Vorkommen von gebärmutterschleimhautähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle. […] Die – nicht immer – damit verbundene Schmerzhaftigkeit bzw. Unfruchtbarkeit und schließlich die Neigung, dass solche [Entzündungs-] Herde und die Schmerzen immer wieder auftreten. (Quelle und ausführlichere Erklärung: Dr. Becherer.de)

Schmerzhafte Periode

Ich bekam meine Menstruation mit elf Jahren zum ersten Mal. Von Anfang an habe ich sehr starke Schmerzen während meiner Periode gehabt. Von meiner Mutter hieß es bloß: „Schmerzen gehören dazu!” Diese Schmerzen haben mich sehr eingeschränkt. Zum Beispiel konnte ich beim Schulsport oft nicht mitturnen aufgrund meiner starken Regelbeschwerden.

2002 oder 2003 muss es gewesen sein, da bekam ich wahnsinnige Schmerzen im Unterleib. Es stellte sich heraus, dass ich am rechten Eierstock eine Zyste hatte. Diese wurde durch eine Knopflochoperation entfernt. Mein damaliger Frauenarzt verschrieb mir die Pille als Hilfe gegen die starken Schmerzen, was glücklicherweise half. Im Jahr 2010 setzte ich die Pille, weil ich sie nicht mehr vertrug. Zusätzlich bin ich nämlich Migränepatientin.

#FrauenErzählen Endometriose
Starke Schmerzen, jeden Monat aufs Neue.

Wie schon beschrieben, bekam ich während meiner Periode wahnsinnig starke Unterleibsschmerzen. Diese Schmerzen waren oft so gewaltig, dass ich mich nur mit Mühe bewegen konnte und mit einer Wärmeflasche auf dem Sofa liegen musste. Die Blutungen waren zudem sehr stark und dauerten überdurschnittlich lange, zwischen sechs und elf Tagen.

Mein Verdacht bestätigte sich

Den Verdacht auf eine Endometriose hatte ich selber. Im Internet las ich zum Mal davon. Die dort beschriebenen Symptome (sehr schmerzhafte und lange Menstruation) passten perfekt zu mir. Daraufhin ging ich zu meinem Frauenarzt und erzählte von meinem Verdacht. Ich bat um eine Überweisung in ein Krankenhaus, um dort eine Bauchspiegelung machen lassen zu können. Ich war froh, dass meine Heimatstadt eine spezielle Endometriose-Ambulanz hat, die ich aufsuchen konnte.

Am 23. Januar 2013 hatte ich meinen ersten Termin bei dieser Ambulanz. Keine zwei Wochen später kam ich zur Bauchspiegelung wieder, von dieser möchte ich erzählen, um eine Vorstellung vom Ablauf geben zu können:

  • 9 Uhr 15: Ich bekam eine Beruhigungstablette.
  • 9 Uhr 30: Ich war im OP.

Die Assistentin im OP war sehr nett und lustig. Aufgewacht bin ich das erste Mal gegen 14 Uhr. Auf mein Zimmer kam ich gegen 15 Uhr 30. Ich hatte fast keine Schmerzen, es zwickte bloß an einigen Stellen. Doch mein Blutdruck war ziemlich im niedrig (90 zu 70). Statt vier kleiner Schnitte hatte ich fünf.

Befund: Endometriose

Das Ergebnis der Bauchspiegelung: Es wurde Endometriose gefunden, Grad eins bis zwei. Das bedeutete, es war eine leichte Form und konnte gleichzeitig entfernt werden.

Die Gebärmutterwand war sehr dünn. Der linke Eileiter war durchgängig, doch der rechte Eileiter schien undurchgängig. Als Test wurde eine Flüssigkeit hinein gespritzt, beim rechten kam weniger an und es wurde vermutet, dass die Flüssigkeit wieder heraus lief. Die Ärztin sagte mir jedoch, beide Eileiter waren durchgängig. Am Ende stellte sich leider heraus, dass der rechte Eileiter komplett geschlossen war.

Einige Wochen später hatte ich eine Kontrolle bei meinem Frauenarzt. Er ging mit mir den Arztbrief aus dem Krankenhaus durch, dort stand dass BEIDE Eileiter undurchlässig waren. Für mich, mit meinem Kinderwunsch, war dies ein riesiger Schock! Ich erzählte meinem Frauenarzt, dass ich bald ein Kind wollte und dass es im Krankenhaus noch hieß, dass nur der rechte Eileiter undurchlässig war.

Dieser Befund ließ mich nicht los, ich rief im Krankenhaus an und verlangte die Ärztin, die mich operiert hatte. Ich erzählte ihr vom Besuch beim Arzt und sie bestätigte, dass nur der rechte Eileiter undurchlässig sei. Der Arztbrief war fehlerhaft. Was für eine riesengroße Erleichterung das für mich war!

#FrauenErzählen Endometriose
Die Pille, die einzige Lösung?

Therapiemöglichkeiten

Ich ging zu einem Abschlussgespräch ins Krankenhaus und der behandelnde Arzt, stellte mir zwei Möglichkeiten als Therapie dar: Ich könnte die Pille durchnehmen, also eine Hormontherapie oder ich werde schwanger. Durch die konstante Einnahme der Pille oder eine Schwangerschaft setzt die Menstruation aus, wodurch die Endometrioseherde ausgetrocknet werden.

Die Entscheidung für ein Kind konnte ich natürlich nicht so schnell und ohne meinen Mann, damals noch Freund treffen. Gemeinsam entschieden wir uns zuerst für die Pille. Ich nahm die Pille insgesamt vier Monate, doch ich bekam einige Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Libidoverlust, meine Migräne häufte und verstärkte sich. Ich bekam Zwischenblutungen, diese waren zwar nicht stark, trotzdem unangenehm. Immerhin wurden durch die Einnahme der Pille meine Unterleibsschmerzen weniger.

Zusätzlich probierte ich Alternativen aus. Ich wollte nichts unversucht lassen. Es lohnt sich diese Mittel genauer anzuschauen und Rat über sie einzuholen:

  • Cimicifuga racemosa in der ersten Zyklushälfte,
  • Agnus castus in der ersten Zyklushälfte,
  • Endometriosetee,
  • Chinesischer Tee,
  • Pulsatilla pratensis.

Und was half mir am Ende am besten gegen die Endometriose? Die Schwangerschaft mit meiner ersten Tochter.

Kinderwunsch und Endometriose

Mein Mann und ich hatten das große Glück, dass ich zwei Mal auf natürlichem Weg schwanger geworden bin. Ich sage ganz ehrlich, dies ist ein WUNDER! Noch dazu klappte es bei beiden Schwangerschaften sehr schnell und wir musste nur wenige Monate warten bis wir die positiven Schwangerschaftstests in den Händen hielten.

Mittlerweile mache ich „Natürliche Familienplanung” (NFP) zur Zyklusbeobachtung, Verhütung und für den Kinderwunsch. Denn eins habe ich mir geschworen, ich will NIE WIEDER Hormone zu mir nehmen. Sie hatten zu sehr negative Nebenwirkungen für mich.

Meine Anlaufstellen für Hilfe und Rat:

Abschließend möchte ich noch einmal Mut machen, solltest du ähnliche Symptome und einen Verdacht haben, dass du Endometriose haben könntest, lass dich von NIEMANDEM abwimmeln. Viele Ärzte verschreiben als (schnelle) Lösung die Pille und glauben, damit sei es getan.

Doch du kennst dich und deinen Körper, beobachte deine Symptome und besteh auf eine Bauchspiegelung um der Sache auf den Grund gehen zu können. Hätte ich schon damals, als ich die Zyste am Eierstock hatte, von der Endometriose erfahren, wären mir viele schmerzhafte Jahre erspart geblieben.

Dieser Text ist eine aktualisierte Version eines Textes erschienen auf Sonjas BlogAlle Bilder von Pixabay (1,2,3)


Wie ist das bei dir? Hast du von der Krankheit schon einmal etwas gehört? Ich hoffe Sonjas Text macht anderen Frauen Mut sich nicht einfach abweisen zu lassen. Vielleicht magst du den Text ja teilen und so andere Frauen auf diese Erkrankung aufmerksam zu machen.

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2 Comments

  1. Danke für diesen Artikel! Habe leider auch selbst Endometriose und auch schon eine OP hinter mir. Es ist wirklich gut, auf diese Krankheit aufmerksam zu machen, sie ist echt sehr schmerzhaft und heimtückisch…

    1. Das tut mir leid, ich hoffe die OP konnte dir etwas helfen. Es ist aber schön zu hören, dass dir der Artikel gefällt.
      Liebe Grüße,
      Lara

Ich freue mich über einen Kommentar von dir.