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Finnischer Freitag: Babys schlafen in Finnland draußen und tragen alle die gleiche Kleidung

Es ist Freitag und Zeit für ein bisschen Finnland auf dem Blog in Form vom “finnischen Freitag”. Die Babyzeit mit A., der letzten Samstag in sein zweites Jahr als Kleinkind startete, liegt eine Weile zurück. Gerne erinnere ich mich an diese Zeit, 12 Monate mit einem kleinen Baby waren ziemlich aufregend und schön.

Speziell in der Babyzeit braucht man ja einige Sachen, die später weniger von Bedeutung sind oder man seltener braucht. Einiges ist mir aufgefallen, das in Finnland anders ist als in (z.Bsp.) Deutschland. Besonders wenn wir mit Baby A. in Deutschland zu Besuch waren, fielen mir Unterschiede auf.

Über diese Unterschiede will ich heute schreiben. Ich verrate euch auch, was mir in der Babyzeit in Finnland gefehlt hat. Dinge, die für euch in Deutschland vielleicht als selbstverständlich erscheinen.

Schaut euch meine Liste an und lasst mich wissen, ist etwas dabei was euch bekannt vorkommt? Ihr noch nie von gehört habt oder gar in Deutschland vermisst? Ich bin gespannt.

Baby in Finnland

1. Finnische Babys schlafen draußen

Natürlich nicht in der Nacht, sondern zum Mittagsschläfchen und das auch im Winter. Es wird gesagt, dass so das Immunsystem gestärkt wird. Die Untergrenze liegt bei -15 Grad, bis zu diesen Temperaturen wird empfohlen das Baby oder Kleinkind zum Wetter passend angezogen zum Schlafen raus zu stellen. Im geschützten Kinderwagen selbverständlich und logischerweise nie direkt in die Sonne. (Gerade im Sommer ist ein Mückennetz sehr wichtig!)

A. wurde an Silvester 2014 geboren und man empfahl uns gut zwei Wochen erstmal nur drinnen zu bleiben. Danach starteten wir mit den Balkonschläfchen. Die ersten Wochen ist er sofort eingeschlafen, sobald der Kinderwagen an die frische Luft geschoben wurde.

Später habe ich ihn fertig angezogen und bei offener Balkontür auf dem Arm zum Schlafen gebracht, schlafend legte ich ihn in den Kinderwagen. Praktisch war es, wenn wir am Vormittag los mussten. Er lag fertig schlafend im Kinderwagen, während ich mich in Ruhe fertig machen konnte.

A. hat immer gut und fast täglich auf dem Balkon geschlafen, mit ca. 9 – 10 Monaten wurde es ihm aber zu eng im Kinderwagen. Hat er sich im Schlaf bewegt, ist er angestossen und aufgewacht.

Es ist also nichts Ungewöhnliches in Finnland, wenn man auf Balkonen oder vor Cafés Kinderwagen mit schlafenden Babys entdeckt.

Baby in Finnland

2. Der Kinderwagenvorhang

Das Kinderwagenverdeck ist definitiv etwas, was ich in Deutschland noch nicht gesehen habe. In Finnland ist dieses bunte Stück Stoff ein richtiger Trend, natürlich wurde ein Geschäft draus gemacht. Es gibt die Vorhänge in allen möglichen Farben und den verschiedensten Motiven in allen möglichen Preisklassen.

Wichtig ist den Vorhang mit Bedacht zu nutzen, wenn das Baby schläft, gerade am Einschlafen ist oder es merklich im abgeschirmten Kinderwagen ruhiger ist. Das Baby soll sich ja nicht abgeschrieben fühlen. Der Sichtschutz kann dem Baby Ruhe und eine Pause von der aufregenden Welt bieten. Gerade im Winter ist es ein guter Schutz vor eisigen Temperaturen. Und eine Abschottung vor nervigen Blicken oder Grapschern in den Kinderwagen. Die Finnen sind eher zurückhaltend, in Deutschland war dieser “Reinfass-Schutz” teilweise goldwert.

Zu Beachten ist ganz klar, dass es im Sommer schnell heiß im Kinderwagen werden kann. Den Kinderwagen nur unter Vorsicht bedecken! Die meisten Vorhänge kann man auch als Sonnensegel anbinden, was wir gemacht haben.

Baby in Finnland

3. Alle Babys tragen die gleichen Klamotten

Naja fast, dank der Babybox gesponsert vom Staat ist ein Teil der Grundausstattung aller Babys gleich. Ob man sein Baby in den staatlichen Kleidungsstücken kleidet ist dem eigenen Geschmack und Wunsch überlassen.

A. trägt auf dem obigen Bild zum Beispiel den Übergangsoverall und die Handschuhe seiner 2014er Babybox. Wir waren begeistert von der randvollen Box mit allerlei brauchbaren Dingen, wie Schlafsack für den Kinderwagen, Winterkleidung und Kleidungsstücke für die ersten Monate.

Für mich ist diese finnische Erfindung das schönste und individuellste an den finnischen Babybesonderheiten. Es ist eine tolle Unterstützung vom Staat und versorgt alle Familien gleichermaßen.

Baby in Finnland

4. Der Großteil der Eltern nutzt eine ziemlich hässliche, grüne Wickeltasche

Diese Tasche (die Bild oben link) ist ein Werbegeschenk einer Windelfirma. Ich kannte sie aus Au-pair-Zeiten und vor der Geburt von A. war ich mir sicher, dass ich sie nie benutzen werde. Trotzdem war ich traurig, als wir keine im Krankenhaus geschenkt bekamen. (Man musste wohl danach fragen.) Die Windelindustrie weiß ihre Kunden zu binden und es wurde mir auf Anfrage sofort ein Exemplar zugeschickt.

Und was soll ich sagen? Die Tasche ist super! Praktisch zu befüllen, ein gutes Format, sie passt z.Bsp. wunderbar in den Kinderwagenkorb. Die Nutzbarkeit hat mich überzeugt und so häßlich ist sie gar nicht. 😉 Ungelogen, sind wir mit der S-Bahn unterwegs, sehe ich meist mindestens ein so ein Taschenexemplar bei anderen Eltern.

5. Mit dem Kinderwagen fährt man umsonst

Das gilt nicht für alle Städten in Finnland und ist abhängig von den Verkehrsbetrieben der jeweiligen Stadt. Bei uns im Hauptstadtgebiet und z.Bsp. in Tampere kann man mit einem Kinderwagen oder einem Buggy umsonst die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Natürlich gilt das nur in beladenem Zustand, also mit Kind an Bord.

Der Hintergrund ist folgender, in Bussen muss man vorne zum Fahrer und seine Karte vorzeigen, bzw. an einen Kartenleser halten, in dieser Zeit kann man ja nicht sein Kind unbeaufsichtigt lassen. In Jyväskylä gilt diese Regel nur für einige Stunden am Vormittag, ich war einmal mit A. als Baby dort und hatte ihn dann in der Trage, ihn hinten im Kinderwagen lassen, war mir zu riskant.

Definitiv ist es eine gute finanzielle Ersparnis keine Fahrkarte kaufen zu müssen. Weshalb ich oft den Kinderwagen trotzdem mitnahm, auch wenn ich A. trug.

6. Kontrollen im Kindergesundheitszentrum

Auch in Finnland gibt es regelmäßige Kontrollen, ähnlich wie die U-Untersuchungen in Deutschland. Jedoch geht man in Finnland zur “Neuvola“, dort arbeiten die”Gesundheitsschwestern”. Neuvola bedeutet übersetzt so etwas wie “ein Ort, der Rat gibt”. Ihre Aufgabe ist es die Entwicklung des Babys, später das Kleinkind bis zur Einschulung zu beobachten. Es werden Tipps gegeben, man kann Fragen stellen und Gewicht und Größe werden aufgenommen.

Ab und an schließt der Besuch eine Arztvisite ein. Die Gesundheitsschwestern sind auch geschult zu impfen, ein Beitrag zur Umsetzung der hohen Impfrate in Finnland.

Je älter das Kind wird, desto weniger werden die Besuche bei der Neuvola. Wir waren gerade beim zwei Jahrescheck, der nächste steht um den dritten Geburtstag an. Bei akuten Krankheiten (Erkältungen etc.) geht man ins Gesundheitszentrum mit dem Kind. Hat man aber das Gefühl es stimmt irgendetwas mit der Entwicklung des Babys/Kindes kann man außerplanmäßig jederzeit die Neuvola kontaktieren.

7. Namenlose Babys

Die meisten Eltern wählen den endgültigen Namen für das neugeborene Baby erst in den ersten Wochen. Zwei Monate haben die Eltern Zeit den oder die Vornamen des Babys beim Standesamt anzugeben.

Als ich Au-pair war und auf neugeborene Zwillinge aufpasste hießen die zwei für die ersten Wochen ganz schlicht A. und B. Es ist nichts ungewöhnliches, das Eltern in den Tagen vor der Taufe oder Namensfeier auf die Frage: “Wie soll es denn heißen?” Damit antworten, dass sie sich noch nicht sicher sind.

Wir hatten den Namen für A. schon vor der Geburt festgelegt und als wir ihn im Krankenhaus bei der Entlassung nannten, schien es keinen wirklich zu interessieren. Auf diese Situation war wohl keiner vorbereitet, dass Eltern nach neun Monaten gleich einen Namen für das Baby haben. 😉

Hat mir was gefehlt?

Einen richtigen Vergleich kann ich ja nicht machen. Dazu müsste ich wohl eine längere Zeit mit Baby in Deutschland leben. Doch durch Erzählungen von Freundinnen, der Austausch auf Twitter und das Lesen von Blogs sind mir ganz klar Unterschiede aufgefallen.

Das Babyschwimmen hat mir gefehlt. Ich selber gehe gerne schwimmen und wollte dies unbedingt mit A. machen. Leider werden Schwimmkurse nur über Schwimmschulen angeboten und die haben wirklich horrende Preise. (Ich spreche von Summen um 70€ pro Monat, ein Termin pro Woche.) Wir haben immer wieder überlegt ob wir es machen. Freundinnen, die Kurse besucht haben sprachen jedoch wenig begeistert und wir ließen es.

In Deutschland gibt es ja eine Vielzahl von Babykursen, besonders verbreitet sind die PEKiP Kurse. In Finnland muss man sich seine Aktivitäten mehr zusammen suchen, es gibt sie aber. So gehen wir seit A. acht Monate alt ist wöchentlich zur “Musik und Bewegungs” Stunde und waren beim Farbenbad als er ca. neun Monate alt war. Es gibt auch Kurse wie Joga für Mama und Kind.

Glücklicherweise habe ich einen Rückbildungskurs besuchen können. Das ist in Finnland (noch) gar nicht verbreitet. Der Kurs war sogar von einer Deutsch-Finnin geleitet. Im Kurs waren weitere deutsche Mütter, wir treffen uns immer noch regelmäßig. Mittlerweile haben wir eine eigene deutschsprachige Sing- und Spielgruppe gestartet.

P.S. Mein Blog ist jetzt auch bei Facebook zu finden. Dort poste ich neben den aktuellen Blogartikeln, auch immer mal wieder Neuigkeiten aus Finnland. Ich freue mich über ein “Like”. 🙂

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4 Comments

  1. Diese Babybox ist echt super. Frage mich warum diese Idee sich nicht in Deutschland durchsetzt. Wäre unheimlich billig umzusetzen und so ziemlich jede Firma mit Babyprodukten macht ja ohnehin ähnliches. Dm, Hipp und Rossmann verteilen solche “Willkommensboxen” ja auch kostenlos.

    Die Schläfchen an der frischen Luft kenne ich aus Dänemark. Dort wird das ähnlich gehandhabt. Halte das auch für eine gute Idee. Hier wurde auch mit Vorliebe draußen geratzt 🙂

    Das mit dem Babyvorhang ist zumindest in München aber ähnlich. Nur nehmen hier alle solche Mulltücher und machen sie mit Wäscheklammern am Kinderwagen fest.

    1. Hehe, ja die Mulltuch Version kenne ich auch. 😉 Ich dachte die Münchner sind so schick, da muss ihnen wohl mal wer von dieser tollen Geschäftsidee erzählen… 😉

      Ich verstehe es auch nicht, es muss ja keine riesige Box sein. Aber gerade die Kirchen oder Wohlfahrtsverbände könnten da etwas zusammen stellen…

  2. Ich finde diese Babybox nach wie vor großartig. Kurz vor der Geburt von A. hatte ich bei dir damals zum ersten Mal davon gelesen und von den Schkafsäcken mit den unterschiedlichen Tieren pro Jahrgang. Eine richtig tolle Sache. Und draußen schlafen finde ich auch total sinnvoll. Haben wir früher auch, in so kleinen “Laufställen”. Baby-Gehege *haha*

    1. Ja, in so einem Baby-Gehege war ich früher auch. 😉 Nur nicht an der Luft, auf diese gute Idee kamen meine Eltern nicht. 😉

Ich freue mich über einen Kommentar von dir.