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Finnischer Freitag: “Fegefeuer” von Sofi Oksanen

Das Buch welches mich 2012 mit Abstand am meisten begeisterte war “Fegefeuer” der finnischen Autorin Sofi Oksanen. Die Geschichte spielt Anfang der 90er in Estland, kurz nach der (erneuten) Unabhängigkeit und dem Zusammenfall der Sowjetunion. Die Hauptcharaktere sind zwei komplett unterschiedliche Frauen, die eine gemeinsame Vergangenheit verbindet. Die ältere, allein lebende Aliide Truu findet eines morgens die junge misshandelte Zara auf ihrem Hof im ländlichen Estland.

Das Buch springt immer wieder zwischen Rückblenden bis in die 1930er Jahre und der Gegenwart (also Anfang 1990er). Es ist ein beeindruckendes Familienporträt und eine lange, tiefe Reise in die Vergangenheit Estlands. Durch das Springen zwischen den Zeiten wird immer klarer wie die Geschichten der beiden Frauen zusammenhängen und wie jede auf ihre eigene Weise zu einem Opfer (gemacht) wurde.

Sprachlich ist das Buch sicher mit Abstand eines der besten das ich je gelesen habe. Die Geschichte ist sehr packend erzählt, weshalb ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Oksanen schafft es Kleinigkeiten (wie Lebensmittel auf dem Küchentisch) mit einer irren Sprachgewalt darzustellen, wie ich sie noch nirgends vergleichbar gelesen habe. Die einzige ähnliche Autorin die mir in den Sinn gekommen ist, ist Elfriede Jelinek. Die ähnlich abgeklärt und doch eindrucksvoll das Leid von Frauen darstellen kann.

Sofi Oksanens Mutter ist Estin und in ihren Büchern schreibt sie viel über Estland und dessen Vergangenheit. “Fegefeuer” (Puhdistus auf Finnisch, was Säuberung bedeutet und meiner Meinung nach der passendere Titel ist) war wochenlang auf den Bestsellerlisten.

Das viel gefeierte und besprochene Buch hat Preise innerhalb und außerhalb Finnland gewonnen. Mittlerweile ist “Fegefeuer” in über 30 Sprachen übersetzt und an einigen deutschen Theatern aufgeführt worden. Ursprünglich ist das Buch ein Theaterstück gewesen, bevor es 2008 zum ersten Mal als Roman erschien.

Vor einigen Jahren habe ich eine Zeit in Helsinki gewohnt und Sofi Oksanen öfters in der Metro gesehen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht wer sie ist, nur ihre auffällige Präsenz ist mir immer wieder aufgefallen. Hier auch ein Interview mit ihr auf Englisch in dem sie u.a. das Buch etwas näher beschreibt. Sie ist definitiv eine bewundernswerte Frau, die versteht worüber sie schreibt und spricht.

Im letzten Herbst ist der Film zum Buch erschienen und ich war schon lange gespannt darauf. Der Film ist sehr gut, meiner Meinung nach an einigen Stellen jedoch zu brutal. Das Buch ist definitiv auch sehr brutal und keine seichte Unterhaltung. Doch der Film gab mir teilweise das Gefühl es geht mehr um Brutalität à la Hollywood als um eine authentische Darstellung.

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4 Comments

  1. Klingt total interessant! Hast du vielleicht noch andere Autorentipps? 🙂
    Ich lese gerne Bücher von schwedischen oder isländischen Autoren, finde es toll, wenn man neben der eigentlichen Geschichte noch etwas vom Leben in den Ländern mitbekommt ^^

    Liebe Grüße,
    eleonora

  2. Hey, danke für das Feedback! Ich denke ich teste das Layout jetzt mal 4 Wochen und wenn mich dann noch was nervt, dann ändere ich gewisse Sachen nochmal.
    🙂 Ich hab den Sale übrigens bis Sonntag 24 Uhr verlängert und wenn du bei der Bestellung angibst wer du bist, schenke ich dir das Porto! 🙂

    Ganz liebe Grüße!

Ich freue mich über einen Kommentar von dir.