Raushalten oder nicht?

Vor einiger Zeit sah ich in einer Flohmarktgruppe auf Facebook eine Kinderleine inseriert. Ich habe mir meinen Teil gedacht und habe weiter geklickt. Ich kenne nun mal die Beweggründe warum die Leine gekauft wurde nicht und würde so etwas nicht für mein Kind kaufen. Eine Freundin von mir, konnte sich jedoch nicht halten und schrieb einen Kommentar unter die Anzeige, dass kein Kind angeleint werden sollte. Sie wurde schnell von der Verkäuferin und anderen Mitgliedern der Gruppe daraufhin gewiesen, dass es sie nichts angeht etc. Später berichtete meine Freundin, dass sie nun gelernt hat, dass es sich nicht lohnt die Entscheidungen anderer Eltern zu kommentieren, es gibt ja bloß Streit.

Doch ist es immer gut den Mund zu halten? Als Mutter bin ich eigentlich der Meinung, alle so wie sie wollen, Eltern wollen (meistens) nur das Beste für ihr Kind. Trotzdem fällt es mir manchmal schwer Dinge, die ich anders oder nicht machen würde nicht zu kommentieren. Gerade, wenn es direkt vor meiner Nase geschieht. Es stellt sich schnell ein unwohles Gefühl ein und ich beginne mir Gedanken zu machen, ob es anders für das Kind besser wäre.
Online fällt es mir einfacher dieses Gefühl gar nicht erst zu entwickeln oder zu ignorieren. Ich denke mir meinen Teil oder klicke sofort das kleine x.

Letzte Woche habe ich mit anderen Mamafreundinnen darüber gesprochen und ich war froh, dass es ihnen ähnlich geht. Es ist nicht immer einfach, keine Meinung zu dem Verhalten anderer Eltern zu haben. Eine Mutter sagte, dass wenn sie etwas “Komisches / Besonderes” beobachtet, würde sie zuerst fragen warum. Warum machen es die Eltern so? Vielleicht gibt es eine einfache Erklärung.

Wie so oft, der Mittelweg scheint eine gute Wahl

Genau das finde ich eine gute und richtige Herangehensweise, eine Frage stellen, kein Urteil oder Belehrung. In den Wochen in denen ich jetzt im Kindergarten gearbeitet habe, habe ich das Elternsein wieder von meiner “professionellen Seite” beobachten können. Es gibt leider vieles das Eltern tun, was nicht unkommentiert bleiben sollte.
Nicht immer ist das Beste wirklich das Beste fürs Kind. Damit meine ich zum Beispiel für sein Kind und dessen Gefühle kein offenes Ohr zu haben, sie zu früh zu lange auf sich alleine gestellt zu lassen. Wenn es sichtbar wird, dass es den Eltern schwer fällt sich ganz auf Baby oder Kind einzulassen.

Ich habe das Gefühl, dass viele Eltern es als Schwäche ansehen, würden sie um Hilfe und Rat beten. Das ist schade und am Ende leiden die Kinder. Niemand wird als Mutter oder Vater geboren, alle müssen in ihre Rolle reinwachsen, manche sind schneller, andere benötigen Unterstützung.

Deshalb denke ich, ein Mittelweg für uns Eltern ist der gesündeste. Verletzende und vor allem haltlose Kommentare on- oder offline sind genauso unnötig, wie ein Wegblicken, “weil man das einfach nicht macht, andere Eltern zu kommentieren”. Eine nett gemeinte Frage kann ein Gespräch eröffnen und vielleicht zeigt sich, dass ein Rat erbeten ist. Oder, dass er dringend notwendig ist.

Wir wünschen uns, dass unsere Kinder respektvoll miteinander umgehen, sich austauschen, das sollten wir uns Eltern auch für unser “Eltern-Miteinander” zu Herzen nehmen. Mehr aufeinander zugehen und Fragen stellen, statt belehrende Kommentare zu verteilen oder sie uns zu denken. Ich will nicht sagen, dass es einfach ist, aber ich denke es ist wichtig zu reagieren, wenn sich ein ungutes Gefühl nicht ignorieren lässt.
Es könnte der Moment kommen, in dem wir uns wünschten, eine Frage gestellt und einen Rat angeboten zu haben.

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