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Schwanger in Finnland Teil 1 – der erste Besuch bei der Neuvola

Ich dachte mir, es sei interessant eine kleine Reihe über Schwangerschaft in Finnland zu starten. Was ich schreibe beruht auf meinen Erfahrungen und Wissen und kann von anderen Schwangeren in Finnland komplett anders erlebt werden. Da es meine erste Schwangerschaft ist und ich in Deutschland keine Vorsorge usw. erlebt habe, beruhen eventuelle Vergleiche auf Erzählungen anderer Frauen und nicht auf meinen persönlichen Erfahrungen.

In diesem ersten Teil will ich etwas das Vorsorgesystem zu Beginn der Schwangerschaft einschließlich unseres erstes Besuches bei der “Neuvola” und wie ich diesen Besuch empfunden habe beschreiben.

Das finnische Gesundheitssystem (dies gilt auch für das Sozial- und Kita/Schulsystem) ist so aufgebaut, dass alle überall den gleichen Service erhalten sollen. Das bedeutet eine Schwangere in Jyväskylä (ich zu Beginn der Schwangerschaft) bekommt dort den gleichen Service wie eine Schwangere in Helsinki oder Lappland. Aufgrund der finnischen Entfernungen kann dies eventuell etwas Fahrt einschließen. (Frauen aus dem ganz hohen Norden müssen ca. 2 Wochen vor Geburt zum Warten ins Krankenhaus nach Rovaniemi.)

die Neuvola – der ratgebende Ort

Als wir den Schwangerschaftstest gemacht haben, habe ich am nächsten Tag im Internet (anhand meiner Adresse) die Nummer der für mich zuständigen Neuvola herausgesucht. Neuvola kann man am besten  mir„ratgebender Ort“ übersetzen. Dort findet die Schwangerenvorsorge statt und geht später mit dem Kind dort zu den regelmäßigen Untersuchungen und auch den Impfungen. Bei der Neuvola arbeiten “Gesundheitsschwestern”, die studieren an der Fachhochschule, auf Englisch haben sie eine etwas besser klingende Bezeichnung: Public Health Nurse.

Die Besuch sind umsonst und man bekommt automatisch, abhängig vom Wohgebiet eine Neuvola zugewiesen.

Ich rief also an und sagte ich sei schwanger, als erstes wurde ich gefragt, ob ich die Schwangerschaft weiterführen wolle. Das fand ich toll, dass der Frau von vornherein ein offener Weg zugesprochen wird. Als ich ja sagte, hat mir die Dame am Telefon gratuliert und ich fühlte mich noch ernster genommen. Ich rief in ca SSW5 an (wir waren so ungeduldig und haben den Test SEHR früh gemacht) und bekamen einen Termin in SSW8.

Der Service ist an den Meldeort gebunden

Einen kleinen Haken hat natürlich auch das finnische Gesundheitssystem, dort wo man gemeldet ist bekommt man den Service. In meinem Fall war das zu diesem Zeitpunkt noch Jyväskylä. Obwohl ich wusste, dass ich im Herbst wieder mit meinem Freund zusammen in Espoo wohnen und den Sommer dort verbringen würde. Leider wäre es nicht möglich gewesen mich umzumelden (bei meinem Freund durfte nur eine Person gemeldet sein). Deshalb beschlossen wir im Sommer nach Jyväskylä zu fahren. Im Endeffekt konnte ich so einiges an der Uni für meine Master Arbeit erledigen und meine Wohnung war nicht 3 Monate „unbeaufsichtigt“.

Unser erster Besuch

Mein Freund sagte von Beginn, dass er immer mitkommen will zur „Neuvola“ und so war er beim ersten Besuch sofort dabei. Wir wurden nett begrüßt und die erste Frage war wie wir uns beide fühlen. Wieder so ein Moment wo ich das Gefühl bekam als Person und nicht bloß Patientin angesehen zu werden. Klasse fand ich, wie selbstverständlich mein Freund einbezogen wurde, immerhin geht es genauso um sein Kind und auch sein Leben verändert sich.

Insgesamt waren wir zwei Stunden dort und haben eigentlich nur geredet. Bis darauf, dass mein Blutdruck, Blutzuckerwert und Gewicht kontrolliert wurde. Ein paar Tage später bin ich zum Blut- & Urintest.

Wir wurden nach allen möglichen Erkrankungen in unseren Familien befragt, selbst der Bluthochdruck meiner Oma schien von Interesse.
Soweit der medizinische Teil. Das mag vielleicht verwunderlich klingen, in Deutschland gibt es ja meist sofort einen Ultraschall und noch einen eventuellen Schwangerschaftstest mit einer Urinabgabe.

Wir bekamen viel Infomaterial (u.a. ein Heft mit einer „für die Mutter“ und „für den Vater“ Seite) und es ging darum, was wir beruflich machen und wie wir unser Leben mit Kind planen und es uns vorstellen. Wir wurden beide dazu angehalten aktiv zu bleiben, besonders ich. Natürlich ging es auch um Lebensmittel und dazu gab es einige Infos. In Deutschland wird wohl nicht so viel Lakritze gegessen, in Finnland steht dies auf der „schwarzen Liste“, bis 100g sind aber erlaubt. (Lakritze erhöht den Bluthochdruck.)

Nur reden?

Viele werden vielleicht sagen: „Wie keine weitere Kontrolle?“ Ich muss sagen (und das beruht nur auf erlesene und gehörte Eindrücke), dass ich das Gefühl habe in Finnland wird an eine Schwangerschaft viel natürlicher und positiver herangegangen. Statt sie mit medizinischen Tests zu starten, geht es darum die Schwangere (und im Idealfall den Mann dazu) und deren sich wandelnde Lebenssituation in den Mittelpunkt zu stellen. Ich muss sagen, dass ich dadurch für mich sofort eine ganz wichtige Lektion gelernt habe, auf ein neues Gefühl zu hören, nämlich das einer (werdenden) Mutter. Ich brauchte keinen weiteren Test um zu wissen, dass ich schwanger bin, ich wusste es eben und das alles in Ordnung ist!

Selbstverständlich wurden wir informiert, wie wir uns z.Bsp. bei einer auftretenden Blutung verhalten sollen und wo wir Hilfe bekommen. Ich wusste von Anfang an, dass im Notfall Hilfe da ist!

Ich glaube auch, dass so ein ausführliches Gespräch zu Beginn der Schwangerschaft gerade für junge Mütter von Vorteil ist. So lernt die Gesundheitsschwester sofort die Frau besser kennen und eventuell benötigte Unterstützung kann früh angeboten werden. Und natürlich habe ich so die Gesundheitsschwester besser kennengelernt, immerhin begleitet sie einen und das Kind (gewöhnlich) viele Jahre.
Um den Rahmen nicht noch mehr zu sprengen mache ich an anderer Stelle mit den weiteren Besuchen weiter.

Ich bin gespannt wie das finnische System für euch klingt!
Fragen und Meinungen sind mehr als willkommen, wenn sich (hoffentlich) viele Fragen ansammeln kann ich dazu auch nochmal einen Beitrag schreiben!

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Eins plus eins macht…?

Ganz genau, drei! Zumindest in unserem Fall, denn ab diesem Jahr Weihnachten sind wir zu dritt. Mutter, Vater und Kind, wie im Bilderbuch! 🙂 Wir freuen uns riesig und können es wohl wie zum letzten Mal selber als Kinder nicht erwarten, dass Weihnachten endlich vor der Tür steht.

Planmäßig soll unser Baby am 21.12. kommen und ich hoffe es geht nach seiner Mutter und erscheint schon zum ersten Treffen pünktlich. Ich wäre nämlich gerne an Heiligabend zu Hause. Sonst wäre mir nach Weihnachten lieber, dann köntte ich mich noch selbst als Christbaumkugel an den Weihnachtsbaum hängen. Weihnachten im Kreissaal muss echt nicht sein. Wobei statistisch gesehen im Dezember in Finnland am wenigsten Kinder geboren werden, vielleicht ist es dann besonders ruhig. Im Endeffekt kommt es eh anders und zweitens als man denkt und plant!

Diese kleine, große Veränderung in meinem (unseren) Leben habe ich als Anlass genommen meinen Blog etwas aufzumöbeln, kleiner Sommerputz sozusagen. Die Schriftfarben muss ich noch anpassen, doch soweit bin ich sehr zufrieden mit dem helleren Header. Ich habe nun beschlossen nur noch auf Deutsch zu bloggen. Ich habe die letzten Monate immer wieder vergessen wenigstens eine kurze englische Übersetzung hinzuzufügen. Zudem scheinen meine Leser eh zu über 90% Deutsch zu sprechen. Außerdem fällt mir schreiben in meiner Muttersprache natürlich leichter und macht mir ehrlich gesagt einfach mehr Spaß! 😉

Zu einem “Mami-Blog” wird meine Seite wohl nicht, das ist nicht mein Plan. Da mich dieses Thema zweifellos ziemlich rund um die Uhr beschäftig, wird es sicher nicht vor meinem Blog haltmachen. Ich finde gerade das spannend, Leben ändern sich und so auch die Themen die einen interessieren und bewegen. Sonst wäre das Leben langweilig und ein Blog sowieso.

Morgen geht es erstmal für gut zwei Wochen zu meiner Familie nach Deutschland. Ich habe ein paar Posts vorbereitet, damit es hier nicht allzu leer bleibt.
Mir wird ein klein wenig mulmig, wenn ich daran denke, dass ich das letzte Mal ganz alleine in Deutschland bin und meine Eltern sehe. Bei unserem nächsten Treffen bin nicht mehr ich das “kleine Kind”…