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Die große Babybox Weltreise – eine finnische Idee zieht um die Welt

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Mittlerweile ist die Box gefüllt mit nützlichen Untensilien, die werdende Mütter in Finnland bekommen weltweit bekannt. Die “Mutterschaftsbox” wie “äitiyspakkaus” korrekt übersetzt lautet, ist wahrlich in beiden Sprachen kein einfaches Wort. Babybox geht einfacher über Lippen. Im Jahr 2014 bekam ich meine eigene Babybox (und schrieb damals mehr zum Hintergrund) und im Herbst 2016 durfte ich die aktuelle Box einer Freundin vorstellen.

Wusstet du, dass diese tolle finnische Idee im Jahr 1937 erfunden inzwischen an vielen Orten der Welt zu Hause ist? Komm mit auf eine Reise und lerne die verschiedenen Boxen weltweit kennen.

Mach dich zuerst mit der Reiseroute bekannt, wir starten in Finnland, besuchen Deutschland, es geht Down Under nach Australien von dort gen Nordamerika und in Schottland endet unsere Reise. Ich habe mit einigen der GründerInnen der unterschiedlichen Boxen gesprochen. Jetzt habt ihr die Möglichkeit sie und ihre Boxen genauer kennenzulernen.

Finnland wird 100

Dieses Jahr wird Finnland 100 Jahre alt, so wurde 2017 als Festjahr ernannt. Auch ich möchte mich an den Feierlichkeiten beteiligen, dieser Artikel soll ein Teil davon sein. Ich freue mich sehr, dass diese schöne, finnische Idee, dass alle Babys einen gleichen Start bekommen sollen von Menschen weltweit wertgeschätzt wird.

Die Inhalte der genannten Boxen sind recht ähnlich, sie umfassen Produkte für das Babyjahr, weshalb ich nicht groß auf die Produktauswahl eingehe. Mehr Infos zu den Boxen bekommt ihr über die verlinkten Internetpräsenzen.

Nun aber, keine Zeit verlieren und los geht´s!

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Credit: Finnish Baby Box / www.FinnishBabyBox.com

 Finnland

Finnland, das Heimatland des “Mutterschaftspakets”. Hier entstand im Jahr 2013 von den drei finnischen Vätern Anssi, Anton und Heikki initiert die “Finnish Baby Box“. Die Nachfrage nach der originalen Box vom Staat war groß, doch diese ist nur für Mütter in Finnland vorbehalten. Es gab keine Möglichkeit sie auf eigene Kosten außerhalb des Landes zu erwerben. Eine Idee musste her, um die weltweite Nachfrage zu stillen.

Deshalb wurde diese Box ins Leben gerufen, sie umfasst alles Notwendige für das erste Jahr mit Baby. Es gibt jetzt sogar eine Mumin Version, die Trolle aus Finnland sind weltweit beliebt und passen wunderbar zum Konzept. (S. o. die Box in der Mumin Edition.)

Sisu, vom Team der “Finnish Baby Box” verriet mir wohin die Boxen am meisten versandt werden, nämlich nach Deutschland, Großbritannien, USA, Kanada und Japan.

Die größte Motivation hinter der Firmengründung waren übrigens die Erfahrungen der drei Väter als sie die eigenen, staatlichen Boxen in den Händen hielten. Sie waren begeistert von den nützlichen Dingen als Unterstützung für einen guten Start ins Familienleben. “Durch die Box vom Staat fühlten sich die Neu-Papas gut vorbereitet für ihre Neuankömmlinge.”, erzählt Sisu. Die Väter wollten eine ähnliche Unterstützung weltweit ermöglichen, bis dahin war diese nur Familien in Finnland vorbehalten.

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Credit: Erstlingsbox / www.erstlingsbox.de

Deutschland

Jetzt geht es südwestlich in mein Heimatland Deutschland. Dort hat Susanne zusammen mit einem kleinen Team und der Unterstützung eines Crowdfunding die “Erstlingsbox” ins Leben gerufen.

“Der Projektstart war wirklich toll und überraschend.”, erzählt Susanne. Die Startsumme wurde bereits nach 24 Stunden gesammelt, ohne spezielle Werbung verbreitete sich das Projekt ratzfatz im Internet. Die erste Serie der Boxen ist mittlerweile ausverkauft.

Für Susanne war es wichtig mit den behutsam ausgewählten Produkten (sie sind u. a. aus kontrolliert biologischem Anbau), werdenden Eltern zu zeigen, dass ein Baby nicht Unmengen an Sachen benötigt. Eine kleine, gut gewählte Erstausstattung ist goldwert.

Details wie mitwachsende Kleidung oder die Box, die mit der Matratze als Bettchen genutzt werden kann, bietet der Familie eine Ausstattung um für den Neuankömmling gut vorbereitet zu sein. In der Box findet sich zudem ein Booklet, mit weiteren Informationen. Es soll speziell den Grundgedanken unterstreichen, dass Eltern sich nicht gezwungen fühlen müssen alles zu kaufen, was ihnen durch Werbung oder Umwelt als nötig suggeriert wird.

Ich bat Susanne drei immaterielle Dinge zu nennen, welche die Erstlingsbox verkörpert. Ihre Antwort: “Reduzierung auf das Wesentliche, Zeit statt Zeugs und Bewusstsein für die Auswahl an Produkten für Kinder.” Ich mag den minimalistischen Gedanken hinter der Erstlingsbox, denn sind wir ehrlich “weniger ist oft mehr”.

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Credit: Tuutu Baby Box / www.tuutu.com.au

Australien

Nun geht unsere Reise weiter, wir verlassen Europa und landen im sonnigen Australien. Die dort lebenden finnischen Mütter Susanna und Laura haben die “Tuutu Baby Box”  ins Leben gerufen.

Auch Susanna hat mir freundlicherweise einige Fragen beantwortet. Als ihr Sohn 2012 geboren wurde, vermisste sie die Möglichkeit eine Babybox aus Finnland zu bekommen. Damals gab es noch keine Option eine privat zu kaufen. Sich ein “Mutterschaftspaket” aus Finnland schicken lassen, dass war zu teuer.

Besonders vermisste sie, dass ihr Baby nicht, wie für viele finnische Babys üblich in der Box schlafen konnte. Auch die Babykleidung der originalen Box und so ein Stück Heimat hätte sie gerne ihrem Sohn angezogen.

Babykleidung ist auch Teil der Tuutu Baby Box, natürlich ist die Auswahl auf das australische Klima abgestimmt. Winterkleidung, wie in der Originalbox aus Finnland bietet dort kein Nutzen. “Wir planen in naher Zukunft eine neue Version der Box zu veröffentlichen mit mehr Kleidung für das Baby”, berichtet Susanna.

Die Tuutu Baby Box ist gefüllt mit allem was ein Baby am Anfang braucht, Pflegeprodukte, die Box mit Matratze ist als Bett zu nutzen. Es gibt eine Stoffwindel, die als Schwimmwindel genutzt werden kann. Der Deckel der Box wurde so konzipiert, dass ein Baby darauf gewickelt werden kann. Diese Ideen der Multifunktionalität und Nachhaltigkeit finde ich richtig super und diese zwei Aspekte liegen Susanna sehr am Herzen, was man an der Gestaltung der Box deutlich erkennen kann.

Eine Motivation so eine Box in Australien zu haben war für Susanna und Laura, dieses wunderbare Konzept aus Finnland an australische Mütter weitergeben zu können und ihren Kindern einen gleichen Start ins Leben zu ermöglichen. In Australien gibt es viele Mütter und Familien, die auf Hilfe angewiesen sind und durch die Box große Unterstützung erfahren können. Zusammen mit sozialen Projekten und Wohltätigkeitsorganisationen wird dieses Projekt in Australien aufgezogen.

Das Angebot der Box ist in Australien positiv angekommen. Erst erschien es komisch, dass Babies in einer Box schlafen sollen, erzählt Susanna. Doch sie und andere Mitarbeiter der Tuutu Baby Box beteiligen sich an Konferenzen für Krankenschwestern und Hebammen um die Idee der Box zu verteilen und darüber aufzuklären.

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Nordamerika

Wir werfen einen Blick nach Nordamerika. In den USA wurde die “Baby Box Co” gegründet, vom heimischen Kalifornien hat sich die Box in den letzten Monaten auf dem Kontinent verteilt.

Besonders der ratgebende Aspekt, neben den Produkten ist von Bedeutung. Die Firma arbeitet zusammen mit Regierungsbehörden, Krankenhäusern und gemeinnützigen Organisationen, die diese Boxen verteilen. Man kann sie genauso selbst bestellen, sie wird weltweit verschickt. Auch im englischen Städtchen Watford wird die amerikanische Box von einer Organisation verteilt.

Durch das sichere Schlafen in der Box in Finnland seit der Einführung der Box vor 80 Jahren wurde die Sterblichkeitsrate von Babys stark gesenkt. Dies gab Anlass die Box in Amerika zu verteilen. Dort ist die Sterblichkeitsrate für Babys nämlich doppelt so hoch. Zum Vergleich, für 2016 wurde sie auf 5,8 per 1000 Babys geschätzt, in Finnland sind es 2,5 per 1000. Ein Grund weshalb der Bundesstaat New Jersey beschloss die Boxen zu verteilen. Die Box soll ein sicheres Schlafumfeld bieten. New Jersey ist der erste Bundesstaat, der die Boxen der Firma umsonst verteilt um gezielt gegen den plötzlichen Kindstod vorzugehen.

Und schon in fünf kanadischen Provinzen (u.a. Ontario, Alberta) wird sie verteilt, nach der Anmeldung waren die Boxen schnell vergriffen.

Schottland

Wir kommen wieder zurück nach Europa und beenden unsere Weltreise in Schottland. Dort gibt es seit Anfang diesen Jahres ein Boxmodell. Jedoch dauert es eine Weile bis alle Mütter eine bekommen werden. Bis zum Sommer arbeitet es noch als Pilotprojekt.

Die Produkte der schottischen Box sind ähnlich, Kleidung, Fieberthermometer, Matratze, Decke. Am Wichtigsten ist hier wieder der Grundgedanke, dass jedes Baby in Schottland einen guten Start verdient. Für das Design der Box gab es übrigens einen Wettbewerb, welch originelle Idee.

Reisefazit

Für Finnen ist es sehr wichtig, was die Welt über sie denkt. Über die wunderbare Idee des Mutterschaftpakets können die Finnen wahrlich stolz sein. Stößt es doch merklich überall in der Welt auf positive Resonanz. Zu Recht, oder nicht?

Hast du schon von einer der vorgestellten Boxen gehört? Und könntest du dir vorstellen eine der Babyboxen selber zu bestellen? Ich hoffe, dass sich bald auch deutsche gemeinnützige Organisationen ein Beispiel an Finnland, aber auch den USA oder Australien nehmen.

 

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9 Comments

  1. Hallo Lara,
    ich bin heute zufällig auf Deinen Blog gestoßen und freue mich, eine Gleichgesinnte gefunden zu haben 🙂 Auch ich liebe seit über 2 Jahren in Finnland und habe die Babybox 2015 bekommen. Dieses Jahr erwarten wir wieder eine 😉 Was für eine tolle Erfindung! Wir haben praktisch alles daraus genutzt und sie steht noch heute im Zimmer unseres Sohnes und bewahrt Spielsachen auf.
    Liebe Grüße aus Tampere!

    1. Hallo Carina,
      schön, von dir zu hören! Kennst du eigentlich die FB Gruppe der deutschen Mamas in Finnland, wenn nicht maile mir doch mal, dann lade ich dich ein.
      Wir haben unsere Box auch sehr gemocht, jetzt bewahren wir die Babysachen drinnen auf. Der Schlafsack war sogar letztens noch in Gebrauch, als A. krank war und in der Karre besonders dick eingepackt werden musste. 🙂

      Alles Gute für euch, bald 4. 🙂
      Liebe Grüße,
      Lara

  2. Hallo Lara,

    ein schöner Artikel. Deutschland könnte sich am Beispiel von Finnland mal eine Scheibe abschneiden und auch eine Erstlingsbox für werdende Mamas und Papas anbieten. Kinder sind unsere Zukunft und warum nicht gleich von Anfang an unterstützen? Im Durchschnitt geben Eltern fast 3.000 € für eine Erstausstattung aus, mit Dingen, die dann doch nicht gebraucht werden. Vielleicht auch so gewollt?

    Fertige Sets mit Sachen die in den ersten Wochen mit Baby wirklich gebraucht werden – nachhaltig und ökologisch – werden benötigt, sodass ein guter Start für alle möglich ist. Damit tut der Staat nicht nur Familien gutes.

    Viele Grüße

    Silke

    1. Liebe Silke, danke für deinen Kommentar.
      Die Summe ist ja wirklich immens. Eine Alternative ist definitv auch auf gebrauchte Sachen zu steigen, doch es wird ja auch suggeriert, dass es für das Baby “nur vom Feinsten” sein muss. Dies muss es aber gar nicht.
      Vielleicht tut sich ja noch etwas…
      Viele Grüße,
      Lara

  3. Bei den Geburten meiner Kinder wurde ich im Krankenhaus mit vielen Werbeprodukten überschüttet, daher gefallen mir die Boxen mit ausgwählten, aber schönen Dingen sehr. Eine tolle finnische Idee!

    1. Wäre eigentlich auch eine Idee, die Werbegeschenke etwas mehr “nützlich” zu gestalten. Budget haben Pamp*** und Co bestimmt…

  4. Ich kenne die Box bisher nur von dir und finde sie toll. Vor allem die Idee mit dem Schlafsack die für jeden Jahrgang anders designt wird, fand ich wunderbar. Ach und, dass man die Box wohl auch als Box für’s Baby benutzen kann *g* Das hattest du glaub ich auch mal erzählt.

Ich freue mich über einen Kommentar von dir.